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Französische Bischöfe kritisieren erneut Bioethik-Reform

Die Politik wandle auf „gefährlichen Pfaden“ und lasse den „Respekt vor dem Leben“ vermissen, warnt der Direktor der französischen Nationalwallfahrt in Lourdes. Auch der Pariser Erzbischof Aupetit äußert sich kritisch.
Pariser Erzbischof Michel Aupetit
Foto: Marcel Kusch (dpa) | Die Menschen würden sich heute für Gott halten und mit Leben und Tod spielen, beklagte der Pariser Erzbischof, der selbst auch Mediziner ist.

In Frankreich haben mehrere prominente Vertreter der katholischen Kirche ihre Kritik an der geplanten Bioethik-Reform der französischen Regierung erneuert. Der Direktor der französischen Nationalwallfahrt, Vincent Cabanac, übte am Samstag im „Gebet für Frankreich“ vor den versammelten Pilgern im südwestfranzösischen Marienwallfahrtsort Lourdes Kritik an den Maßnahmen der Regierung von Staatspräsident Emmanuel Macron.

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Menschen spielen mit Leben und Tod

Die Politik wandle auf „gefährlichen Pfaden“ und lasse den „Respekt vor dem Leben“ vermissen, meinte Cabanac. Das „Gebet für Frankreich“ wird seit 1638 am Hochfest Mariä Himmelfahrt abgehalten.

Kritisch äußerte sich auch der Pariser Erzbischof Michel Aupetit. Im Rahmen eines Gottesdienstes in der bekannten Pariser Basilika Sacre-Coeur im Viertel Montmartre erklärte Aupetit, es sei in diesen Tagen, „in denen die Menschen glauben, sie seien befugt, Embryonen zu zerstören oder sie für gewagte Experimente zu manipulieren“, an der Zeit, sich daran zu erinnern, „dass unser Leben, unsere Berufung im Schoß unserer Mutter beginnt, dass dieses Leben niemandem gehört, nicht einmal derjenigen, die es in ihrem Leib trägt“. Die Menschen würden sich heute für Gott halten und mit Leben und Tod spielen, beklagte der Pariser Erzbischof, der selbst auch Mediziner ist.

Künstliche Befruchtung auch für lesbische Paare

Die Kritik der Bischöfe richtet sich maßgeblich gegen ein Gesetz, das Frankreichs Parlament bereits Anfang des Monats verabschiedet hatte. Dieses sieht vor, den Zugang zu künstlicher Befruchtung auf alle Frauen unter 43 Jahren auszuweiten. Auch alleinstehenden Frauen sowie homosexuellen Paaren sollen dann künstliche Befruchtungsmethoden als kassenärztliche Leistung zur Verfügung gestellt werden. Bisher waren diese nur für heterosexuelle Paare zugänglich, unter Vorbehalt medizinisch nachgewiesener Unfruchtbarkeit.

DT/mlu

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