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Franziskus sollte sich Zeit für Ungarn nehmen

Der Papstbesuch in Budapest darf nicht unter den Differenzen mit Viktor Orbán in der Migrationsfrage leiden.
Das ungarische Parlament
Foto: Christoph Hurnaus | Das ungarische Parlament, in dem auch die vom Papst einst verliehene Stephanskrone aufbewahrt wird, wird Franziskus nicht besuchen. Für die Vertreter von Staat, Zivilgesellschaft und Konfessionen sollte er Zeit finden.

Fest steht: Der Papst wird am 12. September zum Internationalen Eucharistischen Kongress nach Budapest kommen, um die Abschlussmesse auf dem Heldenplatz zu feiern. Fest steht auch: Er ist überaus willkommen – der ungarischen Kirche, dem Volk und der Regierung. Um alles andere wird in diesen Tagen hart gerungen: In Budapest wünscht man einen vollwertigen Papstbesuch, einschließlich einer Begegnung des Heiligen Vaters mit Vertretern der Konfessionen und Religionen, des Staates und der Zivilgesellschaft. Das bekräftigen Vertreter der Regierung wie der ungarischen Kirche gegenüber der „Tagespost“. Im Vatikan dagegen meinen manche (der Papst oder Teile seiner Umgebung?), der Besuch gelte nur dem Eucharistischen Kongress, nicht dem Staat, Land und Volk.

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Ein Blitzbesuch ohne Protokoll wäre ein Fauxpas

Die Ungarn würden sich wohl bemühen, auch dann noch gute Miene zu machen, wenn Papst Franziskus Budapest zum Zwischenstopp auf seiner offenbar geplanten Reise in die Slowakei degradiert. Ein vatikanischer Fauxpas wäre ein Blitzbesuch ganz ohne Protokoll gleichwohl. Ungarns Volk und Kirche haben unter dem Kommunismus schwer gelitten, ihr legendärer Primas und Kardinal József Mindszenty wurde nicht nur von den Kommunisten, sondern auch vom Vatikan zeitweise schäbig behandelt. In Rom sollte man sensibel auf die Beziehungsgeschichte blicken – und alte Wunden zu heilen trachten statt neue zu schlagen.

In Budapest erwarten den Papst nicht nur Regierungschef Viktor Orbán und eine das christliche Erbe Ungarns betonende Regierung, sondern auch eine bunte Zivilgesellschaft, die größte jüdische Gemeinschaft Europas, eine starke calvinistische Kirche und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios. Will jemand im Vatikan ernsthaft, dass der Papst ihnen allen nur von Ferne zuwinkt, statt ihnen in einer persönlichen Begegnung Aufmerksamkeit zu schenken?

Sicher, Papst Franziskus und Premierminister Orbán haben einen ganz unterschiedlichen Zugang zur Migrationsfrage und interpretieren ihre Christenpflicht diesbezüglich konträr. Beide sind selbstbewusst genug, ihre Argumente in einem Gespräch offenzulegen. Päpstliche Mahnworte werden Orbán nicht aus der Fassung bringen; Orbáns Widerworte den Papst wohl auch nicht. Das ungarische Volk und seine Kirche wegen politischer Differenzen zu brüskieren, wäre jedoch weder diplomatisch verständlich noch pastoral verantwortbar.

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Stephan Baier József Mindszenty Papst Franziskus Viktor Orbán

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