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Ehemaliger Bischof hat kirchlich geheiratet

Bischof Xavier Novell von Solsona, der im August 2021 überraschend zurückgetreten war, erhielt die dazu erforderliche päpstliche Dispens.
Novell
Foto: Mons. Novell / CC-BY-SA-2.0 | Der ehemalige Bischof Xavier Novell hat geheiratet.

Xavier Novell und Silvia Caballol, die seit September 2021 standesamtlich verheiratet waren, haben am Montag öffentlich gemacht, dass sie auch kirchlich geheiratet haben. Caballol selbst hat auf ihrem Instagram-Account Fotos von der Hochzeit veröffentlicht. Sie, die sich selbst dort als „Ehefrau des perfekten Mannes“ bezeichnet, schreibt ebenfalls auf Instagram, es sei ein langer Weg gewesen, „aber wir haben es geschafft, unsere kanonische Situation zu regeln: so zu heiraten, wie wir es wollten, und wieder die Kommunion empfangen zu können.“

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Sie fügte hinzu: „Ich dachte, es wäre ehrlich, nach all der Zeit nicht zu verheimlichen, dass Xavier und ich dank der Barmherzigkeit des Heiligen Vaters, der ihm die Laisierung gewährt hat, endlich kirchlich heiraten konnten“. Caballol dankt Papst Franziskus: „Ich bin von der großen menschlichen und geistigen Qualität von Papst Franziskus beeindruckt“. Sie bittet auch alle um Verzeihung, „die meinen, es wäre besser gewesen, es geheim zu halten, aber ich kann nicht weiter so handeln, wie ich weder denke noch fühle.“

Spektakulärer Rücktritt

Der Rücktritt von Bischof Novell, der im Jahr 2010 mit 41 Jahren der jüngste Bischof Spaniens wurde und seitdem der Diözese Solsona im nordöstlichen Teil der Iberischen Halbinsel mit etwas mehr als 140.000 Einwohnern vorstand, wurde im August 2021 von Papst Franziskus sofort angenommen. Der Heilige Vater ernannte noch am selben Tag Bischof Romà Casanova – seit 2003 Bischof des benachbarten Bistums Vic – zum Apostolischen Administrator. 

In der spanischen Presse sorgte damals der wohl überraschende Rücktritt für Spekulationen, bis es bekannt wurde, dass Novell das Bischofsamt wegen einer Psychologin aufgegeben hatte, die insbesondere durch das Schreiben erotischer Romane bekannt geworden war. Es wurde ebenso bekannt, dass sie Zwillinge bekamen – Silvia Caballol hatte bereits drei weitere Kinder aus einer früheren Beziehung.

Für etwas Verwirrung könnte ein Satz sorgen, den sie bei der Instagram-Ankündigung schreibt: „Er ist immer noch Bischof, ohne jedoch das Amt ausüben zu können.“

Verbot die Weihegewalt auszuüben

Laut dem an der Päpstlichen Universität Santa Croce lehrenden Kirchenrechtler Stefan Mückl verliert ein Kleriker, sei er Bischof, Priester oder Diakon, alle Rechte und Pflichten des klerikalen Standes, wenn er daraus entlassen wird – unabhängig davon, ob aufgrund eines eigenen Antrags oder als Strafe für ein kirchenrechtliches Delikt. Als einzige Pflicht verbleibt ihm allein diejenige des Zölibats, die er bei der Diakonenweihe übernommen hat, von der ausschließlich der Papst dispensieren kann. Erst mit päpstlicher Dispens kann also ein Kleriker – wie nun Xavier Novell – eine kirchliche Ehe eingehen. Ohne Dispens wäre die empfangene Weihe ein Ehehindernis.

Sakramental bleibe zwar – so Kirchenrechtler Mückl – „das Weihesakrament erhalten, das es ebenso wie die Taufe ein untilgbares Prägemal (‚character indelebilis‘) verleiht“. Mit der Entlassung aus dem klerikalen Stand sei es allerdings dem Betreffenden ausdrücklich verboten, seine Weihegewalt auszuüben. Das kanonische Recht kenne lediglich eine Ausnahme: Jeder Priester, auch der suspendierte oder aus dem Klerikerstand entlassene, kann die sakramentale Absolution erteilen, sofern sich der Pönitent in Todesgefahr befindet.

Seltener Fall

Ein aus dem Klerikerstand entlassener Bischof könnte zwar weiterhin Weihehandlungen gültig vornehmen – wie etwa Erzbischof Lefebvre Diakone, Priester und selbst Bischöfe geweiht hat. Dies wäre jedoch „unerlaubt und zudem ein kanonisches Delikt“.

Laut Stefan Mückl ist die Entlassung eines Bischofs aus dem klerikalen Stand zumeist die Strafe für ein begangenes kirchenrechtliches Delikt. Die Entlassung aufgrund eigenen Antrags, wie nun im Fall von Xavier Novell, komme bedeutend seltener vor.

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