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Wie geht es weiter im Vatikan?

Ein gesundheitlich geschwächter Papst soll sich schonen: Viele Aufgaben verteilen sich auf andere Schultern – Doch niemand weiß auf welche.
Papst Franziskus zeigt sich der Öffentlichkeit
Foto: IMAGO/Stefano Costantino (www.imago-images.de) | Die ersten Bilder von Franziskus hoch oben auf dem Balkon der Gemelli-Klinik zeigen: Er ist nicht mehr der Papst, den man kannte.

Mit vielen Emotionen hat Italien die Rückkehr des Papstes in den Vatikan begleitet. Von den strahlenden Nachrichtensprecherinnen bis hin zu den ergriffenen Gläubigen auf dem Petersplatz, die die Bilder von Franziskus hoch oben auf dem Balkon der Gemelli-Klinik über die Videowände verfolgten.

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Dennoch schluckten viele. Das ist nicht mehr der Papst von früher, so wie man Franziskus kannte. Es gelang ihm, den Daumen zu heben, mit schwacher Stimme einige Worte zu sprechen. Und als man ihn von hinten daran erinnerte, machte er über den etwa dreitausend Personen vor der Klinik ein Segenzeichen – nicht mit erhobenen Armen, sondern aus dem Handgelenk heraus. Die Fahrt zum Vatikan führte an der Marienbasilika Santa Maria Maggiore vorbei. Aber Franziskus stieg nicht aus, er übergab dem Erzpriester der Basilika einen Strauß weißer Blumen für die von ihm so verehrte Marienikone.

Verteilt auf andere Schultern

Zwei Monate Rekonvaleszenz haben die Ärzte dem Papst verordnet. Ohne Reisen, ohne öffentliche Termine, ohne Audienz und mit nur wenigen Einzelgesprächen. Franziskus soll ruhen – in der Hoffnung, dass die Lungenentzündung nicht wieder aufflammt. Im Krankenhaus war den Ärzten das Risiko einer erneuten Ansteckung zu groß. In Santa Marta mag der Papst von Viren und Bakterien abgeschirmter sein, wo sich jetzt eine eigene medizinische Equipe um ihn kümmern wird.

Wer regiert in dieser Zeit die Kirche? Franziskus kann Ernennungen abzeichnen, die ihm das Bischofsdikasterium, das Staatssekretariat oder andere Vatikanbehörden vorbereiten. Er kann Ansprachen und Botschaften ergänzen, Berichte über die wichtigsten diplomatischen Schritte des Vatikans lesen. Aber er kann keine Bischofskonferenzen empfangen. Die Finanzkrise des Vatikans ruft nach einschneidenden Maßnahmen. Franziskus selber hatte noch angekündigt, dass es für die Auszahlung der Pensionen knapp werden könnte, und eine Kommission eingerichtet, die das Fundraising in Schwung bringen soll. Wichtigste Aufgaben – nicht zuletzt die Organisation des Heiligen Jahrs – verteilen sich nun auf andere Schultern.

Wie einst Johannes Paul II.

Doch wer sind die Köpfe auf diesen Schultern? Sind es die Leiter der Dikasterien? Ist es der Kardinalsrat, der den Papst bei der Leitung der Weltkirche berät? Oder sind es doch engste Vertraute, also eine Art Küchenkabinett, die jetzt das Kommando übernehmen. Franziskus befindet sich in einem Zustand, den Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt vermeiden wollte: so schwach zu sein, dass er der Verantwortung seines Amtes nicht mehr gerecht werden kann.

Daher erinnert das Befinden von Franziskus an das von Johannes Paul II. in seinen letzten Lebensmonaten: Auch da war es schließlich ein sehr kleiner Kreis, der die wichtigsten Entscheidungen in der Kurie fällte. Zwei Monate des Pausierens liegen vor dem Papst, aber auch zwei Monate, in denen man nicht weiß, wie es (hinter den Kulissen) weitergeht.

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