Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Missbrauchsvorwürfe um Marko Rupnik

Rupnik: Zwei mutmaßliche Opfer berichten von Missbrauch

Bei einer Pressekonferenz belasten zwei ehemalige Ordensfrauen den Künstler mit Missbrauchsvorwürfen. Der Vatikan steht beim Umgang mit Rupnik in der Kritik.
Marko Rupnik leitet 2016 einen Gebetsimpuls im Vatikan.
Foto: Osservatore Romano / Handout (ANSA/OSSERVATORE ROMANO) | Marko Rupnik leitet 2016 einen Gebetsimpuls im Vatikan.

Zwei ehemalige Ordensfrauen, Gloria Branciani und Mirjam Kovač, haben bei einer Pressekonferenz gegen den ehemaligen Jesuiten und Mosaikkünstler Marko Rupnik Missbrauchsvorwürfe erhoben. „Das Drama, das die missbrauchten Nonnen erlebt haben, verdient eine angemessene und schnelle Reaktion der kirchliche Institutionen“, heißt es in einem Statement, das bei der Ankündigung der Pressekonferenz, die zum fünften Jahrestag des von Franziskus einberufenen Gipfeltreffens zum sexuellen Missbrauch im Vatikan stattfand. Der Umgang mit dem Fall Rupnik hatte dem Vatikan in den vergangenen Jahren Kritik eingebracht.

Branciani warf Rupnik bei der Pressekonferenz vor, sie über viele Jahre sexuell missbraucht zu haben. Schon als sie Rupnik als Studentin in Rom kennengelernt habe, sei es zu körperlichen Übergriffen gekommen. In ihrer Zeit bei der Gemeinschaft in Slowenien seien die Übergriffe dann aggressiver geworden. Branciani berichtete laut der Katholischen Nachrichten Agentur (KNA), Rupnik habe die Berührungen religiös begründet und habe auch eine dritte Ordensfrau dabeihaben wollen. Dies habe er mit der Heiligen Dreifaltigkeit begründet. Auch Kovač sprach von „spirituellem Missbrauch und Missbrauch des Gewissens“.

Die Päpstliche Kinderschutzkommission intervenierte

Branciani erklärte, beim Jesuitenorden kein Gehör gefunden zu haben, als sie sich Verantwortlichen anvertraut hatte; stattdessen habe man ihr geraten, den Orden zu verlassen. Erst 2021 habe man sie kontaktiert, um ihre Aussage für das Verfahren gegen Rupnik aufzunehmen. Bis 1994 war Branciani Mitglied der von Rupnik mitgegründeten Loyola-Gemeinschaft. Beide Frauen drückten ihre Hoffnung auf Wahrheit und Anerkennung des erlittenen Unrechts aus.

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Das Glaubensdikasterium untersucht „Vatican News“ zufolge weiter die Vorwürfe gegen Rupnik. Erst im Oktober 2023 hatte Franziskus die Verjährung der Vorwürfe im Fall Rupnik nach einer Intervention der Päpstlichen Kinderschutzkommission. aufgehoben. Sie habe, so berichtet der ORF, Franziskus im September auf „schwerwiegende Probleme im Umgang mit dem Fall und einen Mangel an Nähe zu den Opfern“ hingewiesen.

Rupnik war 2020 nach Missbrauchsvorwürfen zeitweise exkommuniziert worden. Die Glaubenskongregation hob die Exkommunikation Rupniks im selben Monat wieder auf. Zwei Jahre später schloss man Rupnik vom Jesuitenorden aus. Obwohl Rupnik die Ausübung seines priesterlichen Dienstes in der Öffentlichkeit untersagt war, konzelebrierte er laut der italienischen Nachrichtenagentur „Domani“ 2023 bei einer Heiligen Messe in der Basilika Santa Prassede in Rom. Weil die Missbrauchsvorwürfe sich auf die 1980er und 1990er beziehen, galten sie als verjährt. Nach wiederholter Kritik am Vorgehen des Vatikans hob Franziskus die Verjährung der Fälle im Oktober 2023 auf. DT/sdu

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