Als im letzten Jahr Kardinal Raymond Leo Burke vor vielen Tausend Gläubigen ein prächtiges Pontifikalamt im überlieferten Ritus an der Cathedra Petri im Petersdom zelebrierte, sorgte das weltweit für Schlagzeilen. Was unter Franziskus, der die Alte Messe weltweit unterdrückt hatte, zuletzt unmöglich war, war unter Papst Leo XIV. offenbar wieder erlaubt: die traditionelle römische Liturgie im Herzen des Katholizismus zu feiern. Doch nun haben sich die liturgischen Friedenszeichen in Richtung Tradition verflüchtigt, ja, sie wurden vom Vatikan ins glatte Gegenteil verkehrt.
Dass die Teilnehmer der „Summorum-Pontificum“-Wallfahrt dieses Jahr keine Genehmigung erhalten würden, um im Petersdom eine Messe zu feiern, dafür aber auf die Papstbasilika Santa Maria Maggiore ausweichen dürfen, war schon länger klar. Doch erst gestern Abend, am Ende der liturgischen Auftaktkonferenz „Pax Liturgica“, erklärte Christian Marquant, der Organisator der seit 2012 jährlich stattfindenden Wallfahrt, dass das Vatikanische Staatssekretariat ihm vor wenigen Tagen per Brief mitgeteilt habe, dass seine Prozession St. Peter nicht betreten dürfe. Eigentlich hätten die Pilger vor der Messe in St. Maria Maggiore gemeinsam in den Petersdom einziehen und dort am Grab Petri beten wollen.
Keine Schismatiker, sondern papsttreue Katholiken
Das Verbot ist ebenso unnötig wie grausam. Die Pilger, die sich hier zusammenfinden, sind keine Schismatiker, sie sind auch nicht Teil der Piusbruderschaft, sondern ganz normale papsttreue Katholiken – in erster Linie Laien –, die die überlieferte Liturgie lieben und sie pflegen wollen. Während letztes Jahr sogar LGBTQ-Gruppen mit Regenbogenfahnen in den Petersdom einziehen durften, wird jenen, die die katholische Tradition pflegen, der Eintritt verwehrt. Es gibt keinen guten Grund, die Freunde der Tradition wie Aussätzige zu behandeln.
Angeblich soll Papst Leo die Reaktionen auf die letztjährige Wallfahrt als „Instrumentalisierung“ wahrgenommen haben. Es ist völlig unklar, worauf genau sich dieser Vorwurf bezieht, wenn nicht schon der Ausdruck von Freude und die Hoffnung, dass die ungerechten und schädlichen Einschränkungen der Alten Messe zurückgenommen werden, als „Instrumentalisierung“ zählen sollen. Mit dieser unklugen und ungerechten Entscheidung hat der Vatikan leider Wasser auf die Mühlen jener geleitet, die sich frustriert von Rom abwenden, um ihr eigenes Süppchen zu kochen.
Bleibt zu hoffen, dass die „Summorum-Pontificum“-Wallfahrer sich von dieser Demütigung nicht aus der Bahn werfen lassen. Wer auf Tradition setzt, braucht eben einen langen Atem. Allerdings wird man sich wohl von der Illusion verabschieden müssen, mit Leo wären für die Freunde der Alten Messe neue, bessere Zeiten angebrochen.
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