Eine Umfrage des in Washington, D.C, ansässigen „Pew Research Center“ zeigt die sinkende Popularität von Papst Franziskus, der als gebürtiger Argentinier der erste Papst aus dem amerikanischen Kontinent ist. In vielen Ländern Lateinamerikas genießt der Papst nach wie vor große Beliebtheit, doch im Vergleich zu den frühen Jahren seines Pontifikats sei ein Rückgang der positiven Wahrnehmung zu erkennen, so das Ergebnis der Umfrage.
In Brasilien und Mexiko, zwei der bevölkerungsreichsten Länder der Region, äußerten 68 Prozent der Befragten eine positive Meinung über den Papst. „Diese Werte zeigen, dass Franziskus nach wie vor geschätzt wird, auch wenn die Begeisterung im Vergleich zu den Anfangsjahren leicht abgenommen hat“, teilt das „Pew Research Center“ mit.
Auffällig sei die Situation in Chile: Nur etwa 48 Prozent der chilenischen Bevölkerung sehen den Papst positiv, während 36 Prozent eine negative Meinung haben. „Chile stellt damit eine Ausnahme im lateinamerikanischen Kontext dar, wo Franziskus sonst auf größere Zustimmung stößt.“
Besonders bemerkenswert ist der Rückgang in Argentinien
Besonders bemerkenswert ist der Rückgang in Argentinien. Während Franziskus zu Beginn seines Pontifikats von 91 Prozent der Bevölkerung positiv bewertet worden sei, seien es 2024 nur noch 64 Prozent. Das „Pew Research Center“ deutet dies als „signifikanten Rückgang“, der möglicherweise auf kirchliche oder politische Entwicklungen zurückzuführen sei. Auch in Kolumbien, wo 2013 noch 83 Prozent Zustimmung verzeichnet wurde, sei die Beliebtheit des Papstes gesunken. 2024 bewerten 72 Prozent der Bevölkerung ihn positiv, „was zwar immer noch eine solide Unterstützung, aber einen spürbaren Rückgang darstellt.“
Zwei Trends sind in ganz Lateinamerika erkennbar: Erstens hat in allen untersuchten Ländern der Anteil der Menschen, die Franziskus negativ bewerten, zugenommen. In Mexiko stieg dieser Anteil von neun Prozent im Jahr 2013 auf 27 Prozent im Jahr 2024. Zweitens ist die Zahl der Menschen, die keine Meinung äußern oder ihn nicht kennen, deutlich gesunken: „Zu Beginn seines Pontifikats hatten viele noch keine Meinung zu ihm. Heute haben sich die Ansichten, ob positiv oder negativ, stärker verfestigt“, schlussfolgert das Meinungsforschungsinstitut.
Nach Religion betrachtet, bewerten katholische Gläubige in Lateinamerika Franziskus positiver als Protestanten oder Konfessionslose. Dennoch gibt es auch unter Katholiken eine „schleichende Abnahme der Zustimmung“, was auf eine zunehmende Entfremdung von kirchlichen Strukturen hinweisen könnte, die „selbst in der katholisch geprägten Region Lateinamerika spürbar wird“.
Franziskus in den USA nicht mehr so beliebt wie noch 2017
Auch in den Vereinigten Staaten zeigt die Umfrage einen Rückgang der Popularität des Papstes, wenngleich diese auf stabilerem Niveau bleibt. Derzeit haben 57 Prozent der Erwachsenen in den USA eine positive Meinung von Franziskus – derselbe Wert wie 2013, kurz nach seinem Amtsantritt. Allerdings erreichte seine Beliebtheit in den USA in den Jahren 2015 und 2017 ihren Höhepunkt, als rund 70 Prozent den Papst positiv bewerteten. Seither sei seine Popularität wieder gesunken.
Auch in den USA lasse sich ein ähnlicher Trend wie in Lateinamerika beobachten: Der Anteil derjenigen, die Papst Franziskus negativ bewerten, habe sich seit September 2018 nahezu verdoppelt. „Dies könnte mit dem Umgang des Vatikans mit Missbrauchsskandalen und innerkirchlichen Spannungen zusammenhängen“, so das Meinungsforschungsinstitut.
Wie auch in Lateinamerika bewerten Katholiken in den USA Franziskus deutlich positiver als andere religiöse Gruppen. Rund 75 Prozent der katholischen US-Amerikaner haben eine positive Meinung, während Protestanten (51 Prozent) und Konfessionslose (56 Prozent) weniger Zustimmung zeigen. „Dies spiegelt die Rolle von Franziskus als Oberhaupt der katholischen Kirche wider“, schreibt „das Pew Research Center“. „Es verdeutlicht aber auch, dass seine Beliebtheit innerhalb des katholischen Glaubenskreises immer noch hoch ist – auch wenn die generelle Zustimmung in den letzten Jahren rückläufig gewesen sei. DT/jg
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