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Das Bekenntnis des Petrus

Leo XIV. tritt seinen Dienst an. Wie er vor den Kardinälen in der Sixtina seinen Auftrag und den der Hirten in der Kirche beschreibt.
Papst Leo XIV. bei der Messe in der Sixtinischen Kapelle
Foto: IMAGO/ABACA (www.imago-images.de) | Papst Leo ging in seiner Predigt in der Sixtinischen Kapelle vom Christusbekenntnis des heiligen Petrus aus. Von Jesus Christus ausgehend, dem „einzigen Erlöser“, der das Antlitz des Vaters offenbare, entfaltete er ...

Die Sixtinische Kapelle war wieder voll besetzt, als Leo XIV. heute Vormittag zusammen mit den Kardinälen die erste Messe als Papst gefeiert hat. Die ersten Worte auf Englisch, dann weiter auf Italienisch, mit einem ganz leichten amerikanischen Akzent.

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Papst Leo ging vom Christusbekenntnis des heiligen Petrus aus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Von Jesus Christus ausgehend, dem „einzigen Erlöser“, der das Antlitz des Vaters offenbare, entfaltete er den petrinischen Dienst. „Um den Menschen nahe und ihnen zugänglich zu sein“, sagte der Papst, „hat Gott sich uns in den vertrauensvollen Augen eines Kindes, im lebendigen Geist eines Jugendlichen, in den reifen Zügen eines Mannes offenbart, bis er schließlich den Seinen nach der Auferstehung in seiner verherrlichten Gestalt erschien. So hat er uns ein Vorbild für ein heiliges menschliches Leben gegeben, das wir alle nachahmen können, zusammen mit der Verheißung einer ewigen Bestimmung, die hingegen alle unsere Grenzen und Fähigkeiten übersteigt.“

Die Kirche als Arche und Leuchtturm

Dieser Auftrag der Kirche, die Erlösungsgabe Gottes allen Menschen zu öffnen, sei ein Schatz der Kirche. „In besonderer Weise“, so Leo weiter, „vertraut Gott, indem er mich durch eure Wahl zum Nachfolger des Ersten der Apostel berufen hat, diesen Schatz mir an, damit ich mit seiner Hilfe ein treuer Verwalter zum Wohl des gesamten mystischen Leibes der Kirche sei, auf dass sie immer mehr zu einer Stadt auf dem Berg wird, zu einer rettenden Arche, die durch die Wogen der Geschichte steuert, zu einem Leuchtturm, der die Nächte der Welt erhellt.“

Diese tue die Kirche nicht mittels ihrer Strukturen oder der Pracht ihrer Bauten – „wie die Baudenkmäler, in denen wir uns befinden“ –, sondern durch die Heiligkeit ihrer Glieder, durch dieses Volk, „das sein besonderes Eigentum wurde, „damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“, wie es im ersten Petrusbrief heißt.

Jesus Christus – als absurde Figur oder als Übermensch

Doch Jesus Christus habe auch gefragt: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Die zwei möglichen Antworten auf diese Frage seien von bemerkenswerter Aktualität, meinte der Papst weiter. Da seien diejenigen, die Jesus Christus „höchstens als eine kuriose Figur“ betrachteten und aufgrund der Ehrlichkeit und der moralischen Ansprüche, die er einfordere, nicht zögerten, „ihn zurückzuweisen und zu beseitigen“.

Doch für die einfachen Leute sei der Nazarener kein „Scharlatan“, sondern ein aufrechter Mann, einer, der Mut hat, der gut spricht und das Richtige sagt. Doch auch diese würden ihn verlassen, „in der Stunde der Gefahr, während seiner Passion“. Auch heute werde der christliche Glaube oft als etwas Absurdes angesehen, „als etwas für schwache und wenig intelligente Menschen“, während man andere „Sicherheiten“ wie Technologie, Geld, Erfolg, Macht und Vergnügen bevorzuge. „Es handelt sich um Umfelder“, so Leo XIV. weiter, „in denen es nicht leicht ist, das Evangelium zu bezeugen und zu verkünden, und in denen Gläubige verspottet, bekämpft, verachtet oder bestenfalls geduldet und bemitleidet werden. Doch gerade deshalb sind dies Orte, die dringend der Mission bedürfen, denn der Mangel an Glauben hat oft dramatische Begleiterscheinungen: dass etwa der Sinn des Lebens verlorengeht, die Barmherzigkeit in Vergessenheit gerät, die Würde des Menschen in den dramatischsten Formen verletzt wird, die Krise der Familie und viele andere Wunden, unter denen unsere Gesellschaft nicht unerheblich leidet.“

Die andere Antwort sei es, Jesus als eine Art charismatischer Anführer oder Übermensch zu sehen. Das könne die Haltung nicht nur von Nichtgläubigen sein, „sondern auch von vielen Getauften, die so schließlich in einen faktischen Atheismus geraten“. 

Verschwinden, damit Christus erkannt wird

Das sei die Welt, die den Hirten anvertraut sei. „Ich sage dies vor allem im Blick auf mich selbst, als Nachfolger Petri, der ich meine Mission als Bischof der Kirche von Rom beginne, welche berufen ist, der Gesamtkirche in der Liebe vorzustehen“. Es sei eine „unverzichtbare Anforderung für alle, die in der Kirche ein Leitungsamt ausüben: zu verschwinden, damit Christus bleibt, sich klein zu machen, damit er erkannt und verherrlicht wird, sich ganz und gar dafür einzusetzen, dass niemandem die Möglichkeit fehlt, ihn zu erkennen und zu lieben.“

Die ganze Predigt finden Sie hier:

Download: Predigt in der Sixtinischen Kapelle

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