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COP28: Papst Franziskus fehlt – der Vatikan ist dennoch präsent

Kardinal Parolin vertritt den Papst in Dubai - denn Klimaschutz ist nicht Privatmeinung Franziskus', sondern Anliegen der Kirche.
Kardinal Pietro Parolin, Staatssekretär des Vatikans, hält in Vertretung von Papst Franziskus eine Rede auf dem UN-Klimagipfel COP28.
Foto: Rafiq Maqbool (AP) | Kardinal Pietro Parolin, Staatssekretär des Vatikans, hält in Vertretung von Papst Franziskus eine Rede auf dem UN-Klimagipfel COP28.

Am Donnerstag begann in Dubai die Weltklimakonferenz (COP28). Bis zum 12. Dezember werden sich die Delegierten um Verbesserungen beim Klimaschutz bemühen. Einer fehlt: Papst Franziskus. Der Heilige Vater muss aus gesundheitlichen Gründen erstmals eine Auslandsreise absagen. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin wird Franziskus in Dubai vertreten und im Sinne des Papstes, dem der Klimaschutz ein großes Anliegen ist, die Delegation aus dem Vatikan leiten. Zu seinen Aufgaben zählt unter anderem die Einweihung des „Faith Pavilion“ in der Expo City am Sonntag. Zudem wird Parolin im Laufe des Samstag Gelegenheit haben, die Rede des Papstes vor der Versammlung zu verlesen.

Deutliche Worte

Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, was darin zur Sprache kommt. Überdeutlich hat Papst Franziskus der Welt in Sachen Klimaschutz immer wieder ins Gewissen geredet. Schon in seinem Apostolischen Schreiben Laudate Deum vom 4. Oktober 2023 hatte er die Delegierten in Dubai eindringlich zur Räson gerufen: „Wenn wir auf die Fähigkeit des Menschen vertrauen, über seine kleinen Interessen hinauszugehen und im Großen zu denken, können wir nur hoffen, dass die COP28 zu einer deutlichen Beschleunigung der Energiewende mit wirksamen Verpflichtungen führt, die einer dauerhaften Überwachung unterliegen. Diese Konferenz kann ein Wendepunkt sein, der beweist, dass alles, was seit 1992 getan wurde, ernsthaft war und sich gelohnt hat, andernfalls wird sie eine große Enttäuschung sein und all das Gute, das bisher erreicht werden konnte, in Gefahr bringen“ (LD 54)

Und weiter: „Wenn ein aufrichtiges Interesse besteht, die COP28 zu einer historischen Konferenz zu machen, die uns als Menschen ehrt und adelt, dann können wir nur auf verbindliche Formen der Energiewende hoffen, die drei Merkmale aufweisen sollten: dass sie effizient sind, dass sie verpflichtend sind und dass sie leicht überwacht werden können. Damit soll erreicht werden, dass ein neuer Prozess eingeleitet wird, der drastisch und intensiv ist und auf das Engagement aller zählen kann. Das ist auf dem bisherigen Weg nicht geschehen, aber allein mit einem solchen Prozess wäre es möglich, die Glaubwürdigkeit der internationalen Politik zurückgewinnen, denn nur auf diese konkrete Weise wird es möglich sein, das Kohlendioxid nennenswert zu reduzieren und rechtzeitig die schlimmsten Übel zu vermeiden“ (LD 59).

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Effizienz, Pflicht, Kontrolle

Effizienz, Pflicht, Kontrolle – das fordert der Heilige Vater als Ergebnis eines verbesserten Klimaschutzregimes im Ausgang der COP28. Und diese Forderungen wird nun Pietro Parolin erheben, denn es sind nicht Franziskus' Privatmeinungen, sondern die Haltung der Katholischen Kirche zur Schöpfungverantwortung des Menschen, die der Vatikan auf diplomatischer Ebene vertritt. Papst Franziskus wäre zwar der erste Papst gewesen, der bei einer Klimakonferenz dabei ist, aber nicht der erste Kirchenmann, der von den COP-Delegierten jene Verantwortung einfordert.

Franziskus steht nicht allein

Schon Papst Benedikt XVI. hatte 2009 in einer Videobotschaft zum Klimagipfel in Kopenhagen die Dringlichkeit internationaler Umwelt- und Klimaschutzbemühungen unterstrichen. In seiner Neujahrsansprache vor dem Diplomatischen Corps am 9. Januar 2012 sagte Benedikt: „Die Bewahrung der Umwelt, die Synergie zwischen dem Kampf gegen die Armut und dem Kampf gegen den Klimawandel stellen wichtige Bereiche für die Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen dar“. Die „internationale Gemeinschaft“ möge „sich als echte ‚Familie der Nationen‘ und daher mit einem hohen Sinn für Solidarität und Verantwortungsgefühl gegenüber den gegenwärtigen und zukünftigen Generationen auf die UN-Konferenz über die nachhaltige Entwicklung (‚Rio+20‘) vorbereiten“, so Benedikt ehedem. Es klingt nach Franziskus. Dass es die Kirche insgesamt ist, die sich um das Klima sorgt, zeigt ein Statement katholischer Bischöfe aus der ganzen Welt im Vorfeld der Klimakonferenz in Kattowitz (2018), in dem eine „ehrgeizige Umsetzung“ des Pariser Klimaabkommens angemahnt wird.

Hinter den Mahnungen zu einem engagierten Klimaschutz steht also nicht Franziskus allein, sondern es stehen große Teile der Katholischen Kirche dahinter, für die der Vatikan in Worten und Gesten Partei ergreift. In Dubai nun mit Pietro Parolin an der Spitze.

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