Kommentar um "5 vor 12"

Licht aus dem Norden

Die skandinavischen Hirten deuten den Anspruch der Synodalität ganz anders als die deutschen Mitbrüder. Man wird ihren Brief nicht wortlos abtun können.
Czeslaw Kozon
Foto: Julia Steinbrecht (KNA) | Warnt vor Frustration und Enttäuschung aufseiten der Befürworter radikaler Reformen, falls deren Forderungen in Rom kein Gehör finden sollten: Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen.

Zu den erhellenden Zeichen der Zeit gehört in dieser Woche der Offene Brief der Nordischen Bischofskonferenz an die deutschen Mitbrüder. Unmissverständlich, aber unpolemisch benennen die Unterzeichner die Defizite und Gefahren des Synodalen Wegs in Deutschland für die Einheit der Weltkirche und das Seelenheil der Menschen.

Dieser Warnruf sollte gehört werden

„Wahre Reformen“ der Kirche hätten seit je darin bestanden, die katholische Lehre „zu verteidigen, zu erklären und in glaubwürdige Praxis umzusetzen“ - nicht darin, dem Zeitgeist nachzugehen, heißt es in dem Brief.

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Hier schreiben Bischöfe, die in einer ganz vergleichbaren Situation leben wie die Hirten in Deutschland. Mit den Katholiken in Deutschland verbindet sie, dass ihre Ortskirchen sich nach der Reformation in Diasporasituationen behaupten mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die skandinavischen Länder sowohl dem Druck der Säkularisierung als auch die Internationalisierung ihrer Gemeinden durch katholische Migranten aus aller Welt erlebt. Die Herausforderungen sind dieselben.

Und dennoch deuten die skandinavischen Hirten den Anspruch der Synodalität ganz anders als die deutschen Mitbrüder und warnen vor der Anpassung an den Zeitgeist. Man wird diesen Brief nicht wortlos abtun können. Während das Schreiben des Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz von manchem mit dem Fragezeichen versehen wird, ob die kulturellen und historischen Unterschiede beider Länder nicht zu erheblich sind, um Vergleiche zuzulassen, greift dieser Vorwand nun nicht, um den Warnruf nicht hören zu müssen.

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