Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung "Welt&Kirche"

Dogmatiker: Demokratische Gesellschaften nicht als Maßstab für Kirche nehmen

Eine Demokratisierung der Kirche sei nicht die Lösung für ihre gegenwärtige Krise, meint der Dogmatiker Achim Buckenmaier. Und er betont: „Jesus ist nicht wegen fehlender checks and balances am Kreuz gestorben“.
Buckenmaier setzt sich kritisch mit dem im Rahmen des innerkirchlichen Reformprozesses des Synodalen Wegs  auseinander.
Foto: Maximilian von Lachner/Synodaler Weg | Buckenmaier setzt sich in seinem Beitrag kritisch mit dem im Rahmen des innerkirchlichen Reformprozesses des Synodalen Wegs erarbeiteten Text zum Thema „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“ auseinander.

Der Dogmatiker Achim Buckenmaier warnt davor, die Anwendung demokratischer Prinzipien in der gegenwärtigen Reformdebatte als Lösung für die Probleme der Kirche zu sehen. In einem Beitrag für die in der kommenden Ausgabe der Tagespost erscheinende Beilage „Welt&Kirche“ schreibt Buckenmaier, es sei „eigenartig, die demokratischen Gesellschaften als alles dominierenden Maßstab für das kirchliche Leben und Handeln zu nehmen“.

Gottesvolk schon immer „alternative Gesellschaftsform“

Von Anfang an sei das Gottesvolk eine „alternative Gesellschaftsform“ gewesen, „distanziert gegenüber den Feudalismen des Orients und später auch des Westens“, meint der Theologe, der seit 2012 Konsultor der Kongregation für die Glaubenslehre ist. „Es hat sich oft mit gesellschaftlichen Strukturen infiziert, selten zu seinem Glück.“ Zudem hätten nicht die Angleichungen und Vermischungen, sondern die „Reibungen zwischen geistlicher und weltlicher Sphäre“ den säkularen Staat hervorgebracht.

Lesen Sie auch:

Buckenmaier setzt sich in seinem Beitrag kritisch mit dem im Rahmen des innerkirchlichen Reformprozesses des Synodalen Wegs erarbeiteten Text zum Thema „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“ auseinander. Der 63-Jährige wirft die Frage auf, warum in einem solchen Text die Demokratie als „Lebensform“ überhöht und nicht an die „einzigartigen Erfahrungen des Gottesvolkes“ angeknüpft werde.

Kein Wort, den Lösungsweg Jesu zu unterstützen

Auf der einen Seite spreche der Text ganz traditionell von der Aufgabe des Lehramtes, die geoffenbarte Wahrheit authentisch zu bezeugen, auf der anderen Seite scheine genau dies jedoch die aufzubrechende „Deutungsmacht“ zu sein. Hier sieht Buckenmaier einen Widerspruch. „Was macht eigentlich die Kirche in Gesellschaften, die nicht demokratisch geprägt sind, wenn diese Art von Inkulturation immer zwingend ist?“, schreibt der Dogmatiker.

Rechtsordnungen seien nötig, „um uns in der Tiefe verlorene und getriebene Menschen, die einander unablässig Konkurrenten, Neider und Jäger sind“, in einem friedlichen, gerechten Miteinander zu halten. „Jesus ist nicht wegen fehlender checks and balances am Kreuz gestorben“, betont Buckenmaier. Im Synodaltext finde sich jedoch kein Wort darüber, den Lösungsweg Jesu zu unterstützen.

Darüber hinaus bedauert Buckenmaier, dass verschiedene Themen, die der Text anspricht, nicht wirklich gewürdigt werden könnten. „Um das ganze Dokument herum scheint eine Klammer gesetzt zu sein, vor der das Wort ,Macht‘ steht. In dieser Rechenart wird die Kirche gerechnet und beurteilt.“  DT/mlu

Lesen Sie den ausführlichen Essay des Dogmatiker Achim Buckenmaier in der Beilage "Welt&Kirche" der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Dogmatiker Jesus Christus Krisen Säkularisation

Weitere Artikel

Der Karfreitag lehrt uns, dass alle Formen der Machtausübung versagen, wenn die rechte Geisteshaltung fehlt
03.04.2026, 14 Uhr
Maximilian Mattner
Der Dogmatiker Manfred Hauke beleuchtet den Glauben an die Letzten Dinge im Blick auf die Muttergottes.
07.06.2026, 07 Uhr
Manfred Gerwing
Wer ist verantwortlich für die nationalsozialistische „Machtergreifung“ im Jahr 1933? Laut Historiker Lothar Machtan war es vor allem der Machthunger dreier Herren.
31.08.2026, 17 Uhr
Benjamin Hasselhorn

Kirche

Es soll eine „Botschaft des Friedens“ werden: Papst Leos Besuch in Metz, dem „Herz Europas“, steht im Zeichen Robert Schumans. Dazu äußerte sich auch Kardinal Hollerich.
08.09.2026, 17 Uhr
Elisabeth Hüffer
Mariä Geburt: Die Kirche feiert den Geburtstag einer Frau, die Weltgeschichte schrieb. Doch warum wird sie als Morgenröte besungen?
08.09.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Man wolle man das politische Handeln „kritisch begleiten“: Christliche Kirchen äußern sich zur Landtagswahl. „Schlimme Befürchtungen” seien wahrgeworden.
07.09.2026, 14 Uhr
Meldung
Erzbischof Jesús Sanz Montes solidarisiert sich mit der Bevölkerung von Ceuta – und erinnert an die Bedeutung des Marienheiligtums Covadonga für die christliche Rückeroberung Spaniens.
07.09.2026, 14 Uhr
Meldung
Überraschend praktisch weist Jesus seine Jünger an, wie Konflikte in vier Schritten zu lösen sind.
05.09.2026, 21 Uhr
Kurt Kardinal Koch