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Wie der Zölibat fruchtbar wird

Die Loretto-Gemeinschaft legt die Quellen geistlichen Lebens frei, und benennt dessen Killer.
Eine Frau hält bei einer Jungfrauenweihe am 31. Oktober 2020 in der Lateranbasilika in Rome eine Öllampe in den Händen.
Foto: Paolo Galosi (Romano Siciliani) | Eine Frau hält bei einer Jungfrauenweihe am 31. Oktober 2020 in der Lateranbasilika in Rome eine Öllampe in den Händen.

 Sie spricht vom „Geheimnis des zölibatären Lebens“, von einer „Türe zu einem völlig neuen Land“. Und sie weiß, wovon sie spricht, denn Bernadette Lang hat sich als junge Frau für ein gottgeweihtes Leben entschieden. „Seit ich gottgeweihte Jungfrau bin, habe ich ein Herz für die Priester“, sagt sie in Salzburg  bei einer von der Loretto-Gemeinschaft initiierten Tagung über die „mystische Dimension des geweihten Lebens“. Etwa 30 ganz unterschiedliche, aber – wie in Gesprächen rasch spürbar wird – selbstbewusste, starke Persönlichkeiten haben sich da am Kapitelplatz zusammengefunden: Priester und Ordensleute, gottgeweihte Jungfrauen, Suchende und Ehemänner. Sie beten, tauschen ihre Erfahrungen aus, lachen und essen zusammen, lauschen den theologisch anspruchsvollen Vorträgen. Jeder hat seinen Weg hinter sich, jeder seine Berufung, jeder seinen Weg vor sich.

Gnade ist Gegenwart Gottes

Maximilian Oettingen, der hier für eine missionarische Jüngerschaft und Gebetsräume wirbt, ist selbst Familienvater und Leiter der Loretto-Gemeinschaft. Auf der Suche nach der spezifischen Rolle des Gottgeweihten in einer Zeit, „in der der Geist Wert legt auf Gebet und missionarische Jüngerschaft“, lässt er sich von Papst Johannes Paul II. inspirieren: „Das geweihte Leben ist ein Geschenk des Vaters durch den Geist an seine Kirche“; es trage „die Wesenszüge Jesu“ und helfe, „das Reich Gottes sichtbar zu machen“. Maria sei hierbei das „höchste Vorbild“, denn sie erinnere an „den Vorrang der Liebe Gottes“, hatte der 2014 heiliggesprochene Papst gelehrt.

Was aber sagt uns Gott durch Maria? Etwa, dass Gnade nicht eine gewährte Gunst Gottes ist, sondern seine Gegenwart: „Wer Gott geweiht lebt, hat mit ihm zu tun“, so Maximilian Oettingen, der an die Gottgeweihten gerichtet sagt: „Ihr bezeugt existenziell, dass alles mit Gnade beginnt. Gott spricht durch Maria zu euch, weil ihr wie sie lebt.“ Marias „fiat“ sei nicht Unterwerfung unter ein Schicksal, sondern gegenüber einem liebenden Gott. Die Gottgeweihten würden wie Maria verkörpern, „dass es möglich und gut ist, die Landschaft des eigenen Lebens Gott zu überlassen“. Ihre Rolle bestehe darin, geistliche Mütter und Väter zu sein, indem sie sich „formen lassen von einem Weg, auf dem das Natürliche vom Übernatürlichen verschlungen wird“.

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Bloße Routine tötet das geistliche Leben

Ohne den Heiligen Geist und die Freundschaft mit ihm gebe es kein fruchtbares geistliches Leben, zeigte sich der Salzburger Bischofsvikar für Ehe, Familie und Ständige Diakone, Gerhard Viehhauser, überzeugt. Gnade sei die Zuwendung Gottes und löse ein Bundesverhältnis aus. „Unser geistliches Leben ist die dynamische Antwort auf die Gnade“, wenngleich so holprig wie das Leben des Menschen selbst. Es sei der Heilige Geist, der uns mit Jesus vertraut macht, erklärte Viehhauser. Der Salzburger Bischofsvikar wies auch auf die „Killer des gottgeweihten Lebens“ hin: Dazu gehöre, die Sakramente in bloßer Routine zu feiern und „sich in der Kunst, Jesus zu lieben, nicht mehr zu üben“. Jene Priester, die ihr Priesteramt aufgeben, hätten zuvor oft schon lange Zeit das Stundengebet nicht mehr gebetet und die Marienverehrung vernachlässigt.

Quellen des geistlichen Lebens seien das Studium des Wortes Gottes, die Eucharistie als „Quelle der Liebe“, der Gehorsam, der die Hoffnung nähre, und das Gebet. „Geistliche Menschen müssen auf den Durchbohrten schauen, der zugleich der Auferstandene ist“, so Viehhauser, der von einer „doppelten Kommunion“ sprach: mit dem Wort Gottes und mit dem Leib Christi. Bernadette Lang sprach von einem „Generalverdacht“, zölibatäre Menschen müssten doch weniger glücklich sein. „Die Welt findet es skandalös, dass es Menschen gibt, die ihr Leben Gott weihen und auf Sex verzichten.“ Tatsächlich müssten Zölibatäre Freundschaften pflegen statt nur eine Rolle zu spielen, bräuchten emotionale und spirituelle Intimität. Eine Folge solcher Intimität sei Fruchtbarkeit. Ein Wort von Papst Franziskus aufgreifend, warnte sie vor einer „selbstgenügsamen Kirche“: „Gott sehnt sich nach Menschen, die ihn vermissen.“

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