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Initiative Christliche Familie: Glückliche Ehen, starke Familien

Die österreichische Initiative Christliche Familie (ICF) hat eine Vision, die Ehevorbereitung mit Glaubensvermittlung verbindet.
Ein glückliches Hochzeitspaar
Foto: Daniel Ingold (imago stock&people) | Mehr als nur Hochzeitsvorbereitung: Das Ehekatechumenat beginnt in der Kindheit und ist ein lebenslanger Lernprozess, auch über den großen Tag hinaus.

Es gibt Ehevorbereitungskurse, Ehe-Begleitung, Kinderkurse, Ehekurse für Paare in der Krise, Ehe-Auffrischungskurse und sogar Ehekurse, die sehr früh ansetzen … Wozu eigentlich? Für Diakon Stefan Lebesmühlbacher aus Österreich ist die Sache klar: Nicht wenige Paare würden in die Ehe stolpern, „ohne zu wissen, was Ehe eigentlich ist“ — vom Sakrament ganz zu schweigen. Als Mitarbeiter im Bereich der Ehe- und Familienpastoral bei der österreichischen Initiative Christliche Familie (ICF) und im Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg erlebe er immer wieder, wie Beziehungen zerbrechen würden. Darum brauche Ehe eine gute Vorbereitung, „denn wenn die Ehe funktioniert, sind Familien stark“, ist der fünffache Vater überzeugt. „Geht es Familien gut, dann geht es auch Kirche und Gesellschaft gut. Familien sind Herzschlag und Sauerstoff der Gesellschaft.“ Darum hat die ICF eine Vision entwickelt; die Vision einer Ehevorbereitung, die in jungen Jahren beginnt und weit über die Hochzeit hinausreicht.

„Ehearbeit ist wie die Kultivierung eines Parks“

Bildhaft formuliert: „Ehearbeit ist wie die Kultivierung eines Parks“, sagt Lebesmühlbacher und zieht einen Vergleich mit dem österreichischen Naturpark Föhrenberge: Der Gründer Johann Josef I. von und zu Liechtenstein habe den blühenden Park bereits vor sich gesehen, als er 1808 in mühevoller Kleinarbeit begann, Bäumchen für Bäumchen in qualitativ gute Erde zu pflanzen, sie zu bewässern und zu pflegen, bis aus dem kargen Land ein Lebens- und Erholungsraum entstand.  Die Bäumchen stünden für Ehen und Familien, erklärt Lebesmühlbacher. Auch sie hätten Pflege und Fürsorge nötig. Darum biete die ICF zahlreiche Kurse an, unter anderem Ehevorbereitungskurse, Familiennachmittage, Ehemänner- und Ehefrauen-Wochenenden, Jungfamilientreffen, eine Akademie für Ehe und Familie sowie eine Familienwallfahrt. Aber auch Studiengänge zur Theologie des Leibes oder zu Leib-Bindung-Sexualität und Seminare für Kinder und Jugendliche, die für die ICF unter „entfernte Ehevorbereitung“ fallen, gehören zum Programm.

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In allen Kursen geht es laut Lebesmühlbacher mehr als um die reine Vermittlung von Glaubenswissen und Handwerkzeug für eine gute Ehe. „Die Kernkompetenz der Kirche geht über die menschlich-soziale Begleitung hinaus; Ehevorbereitung muss Verkündigung sein“, ist der Diakon überzeugt. „Es gibt eine Neuheit, und die heißt Jesus Christus. Gott existiert!“ Oder um es mit Livio Melina zu sagen, der punktuell bei ICF-Kursen referierte und emeritierter Präsident der weltweit zwölf Johannes Paul II. Institute für Ehe und Familie ist: „Durch erneuerte christliche Familien wird unsere Kirche wieder lebendiger, kann der Glaube wieder Wurzeln schlagen“ — wie die Bäume des Naturparks.

Die Vision stammt von Papst Johannes Paul II.

Diese Vision der Ehevorbereitung ist laut Lebesmühlbacher die Frucht eines Gedankens von Johannes Paul II.: Der polnische Papst beschrieb 1981 in „Familiaris Consortio“ die Ehe- und Familienpflege als einen „stufenweise stetigen Prozess“. Dieser Gedanke beschäftigte nicht nur die ICF, sondern auch die beiden Bischofssynoden 2014 und 2015 zu Fragen von Ehe und Familie. Diese wirkten gleichsam wie ein Katalysator, so dass die Bedeutung einer intensiven Ehe- und Familienpastoral immer mehr reifen konnte und schließlich auf breiter Eben in der Kirche rezipiert worden ist.

Noch während der Synode schlug die deutschsprachige Synodengruppe in einem Zwischenbericht ein mehrere Monate dauerndes Ehekatechumenat vor, „um wirklich zu einem reifen, vom Glauben getragenen Ja-Wort zu kommen, das auch um die Endgültigkeit des Ehebundes weiß und auf die Treue Gottes vertraut“. Viele Brautleute könnten nicht auf eine vom Glauben geprägte Erziehung aufbauen, argumentierte die Gruppe. Zum Vergleich: Während die Sakramentenvorbereitung in manchen Staaten neun Monate dauere, in einer südafrikanischen Diözese sechs, in den Ostländern durchschnittlich „immerhin noch sechs Wochenenden“, begnügten sich die deutschsprachigen Länder oft mit nur wenigen Stunden, so Lebesmühlbacher. Insofern sei es die „große Aussage“ der Synode gewesen, dass eine „gründliche Ehevorbereitung etwas Wesentliches ist, aber doch nicht genügt und noch viel mehr für Familien getan werden muss“, resümiert er.

Als eine der Früchte dieser Synode betonte Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben „Amoris Laetitia“ die Notwendigkeit eines „neuen Katechumenats“. Seine Anregung wurde 2022 im Dokument „Katechumenale Wege für das Eheleben“ des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben konkret. Dort heißt es, Menschen solle ausgehend „von einer Glaubenserfahrung und einer Begegnung mit Jesus“ ermöglicht werden, „das Sakrament der Ehe bewusster zu leben“. Auch die deutschen Bischöfe reagierten ein Jahr nach Veröffentlichung von Amoris Laetitia mit einer „Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris Laetitia“: Es bedürfe „weiterer Anstrengungen zur Entwicklung eines Ehekatechumenats, der den Weg zur Ehe als bewussten Glaubensweg begleitet“, hieß es.

Auch Scheitern pastoral begleiten

Die ICF ist eine von vielen Initiativen, die sich die Sache mit dem Ehekatechumenat zu Herzen nahmen. Für die meisten Paare stehe der Hochzeitstermin beim Beginn der Ehevorbereitung längst fest, begründet Lebesmühlbacher dessen Notwendigkeit aus seiner Erfahrung als Referent von Ehekursen. „Da geht es dann logischerweise oft gar nicht um eine Prüfung und Auseinandersetzung mit sich, dem Partner, mit dem Ehesakrament und dem katholischen Glauben.“ Genau das aber brauche es. Eine gründliche Vorbereitung sei das Fundament, auf dem das gemeinsame Leben aufbaue. Darum hält die ICF es für absolut notwendig, nicht nur bereits bei Kindern und Jugendlichen mit einer langfristigen Ehevorbereitung anzusetzen, sondern Paare in einer persönlichen Ehebegleitung und einem geschützten Raum über den klassischen Ehevorbereitungskurs hinaus zu begleiten. So könnten auch „persönliche Fragen und Probleme gründlicher angepackt und gelöst werden“, erklärt Lebesmühlbacher.

Solche typischen Knackpunkte, an denen Ehen zerbrächen, seien Geld, Herkunft, nicht aufgearbeitete Wunden, fehlende Glaubensressourcen sowie die Unfähigkeit, konstruktiv miteinander zu sprechen. „Wir sehen, dass Ehen trotz vieler Bemühungen zerbrechen können“, berichtet Lebesmühlbacher. Darum gehöre auch die Begleitung von Menschen, deren Ehern gescheitert seien, zur Vision einer umfassenden Ehe- und Familienpastoral. Menschen würden fragen, wie ihr Weg als Geschiedene in der Kirche ausschauen könnte. Dabei gehe es auch um innere Heilung, Vergebung und Versöhnung sowie Unterscheidung und Wiedereingliederung. „Die Zerbrechlichkeit und Zerbrochenheit von Ehen und Familien braucht eine liebevolle Begleitung der Kirche, ohne kirchliche Normen zu bagatellisieren.“ Lebesmühlbacher ist überzeugt, dass „wir das Thema Scheidung in seiner Breite abfedern könnten, würden wir dem präventiven Ansatz eines Ehekatechumenats mit viel mehr Aufmerksamkeit begegnen und den evangelisierenden Aspekt nicht aus dem Auge verlieren“.

In diesem Sinne schreibt auch Papst Franziskus: Bei der Ehevorbereitung liege ein evangelisierender Fokus auf „einer erneuerten Verkündigung des Kerygmas“. Lebesmühlbacher weiß, dass für viele junge Menschen die Ehevorbereitung eine große Chance ist, um den Glauben überhaupt einmal oder wieder neu kennenzulernen und darin Christus zu begegnen. „Nutzen wir diese Möglichkeit, denn viele kommen mit einer riesigen Sehnsucht!“


Dieser Text ist der erste Teil der Artikelserie „Ehe wir uns trauen“ über das Ehekatechumenat, Ehevorbereitung und Ehekurse im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.

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Dorothea Schmidt Ehesakrament Initiative Christliche Familie Jesus Christus Johannes Paul II. Papst Franziskus

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