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Dieses Land erlebt eine wahrhaft eucharistische Bewegung

Als Missionar unterwegs auf der eucharistischen Prozession durch die USA. In der zweiten Woche der zweimonatigen Wallfahrt gehen 7.000 Menschen für Jesus auf die Straße.
Eucharistische Prozession in St. Paul
Foto: Dave Hrbacek (The Catholic Spirit) | In St. Paul fand eine Eucharistische Prozession statt, die niemand mehr so schnell vergessen wird. Nur zwei Tage nachdem in der Diözese 13 neue Priester geweiht wurden, strömten 7.000 Menschen auf die Straße und ...

Am 25. Mai 2020 erschütterte der Tod von George Floyd in Minneapolis die Vereinigten Staaten. Aus diesem Todesfall entstand die Black-Lives-Matter-Bewegung und große Proteste in den folgenden Monaten und Jahren. Auf den Tag genau vier Jahre später, am 25. Mai 2024, erreichte unsere zweimonatige Eucharistische Wallfahrt ein Minneapolis, das auch an diesem Jahrestag wieder stillhielt. Wir hatten es nicht geplant, dass wir gerade an diesem Tag die Stadt erreichen, aber Gott wollte es wohl so.

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In der zweiten Woche der Wallfahrt verbrachten wir den Großteil unserer Zeit in den sogenannten Twin Cities („Zwillingsstädte“), also in den Großstädten Minneapolis und St. Paul, die direkt nebeneinander liegen. Diese Woche war vollgepackt und wiederum spektakulär. Und es bestätigte sich das, was wir Missionare schon in der ersten Woche sahen: dass dieses Land wahrhaftig eine eucharistische Bewegung erlebt und ihren himmlischen König, Jesus Christus, in der Eucharistie empfangen will.

Niemand wird die Prozession so schnell vergessen

Das begann schon gleich am ersten Tag, als wir eine afroamerikanische Pfarrei mit Gospel-Musik besuchten und so im Gottesdienst um Heilung für die Konflikte in diesen polarisierten USA beten durften. Das war natürlich noch ein umso bedeutenderer Moment, wenn man den Jahrestag von George Floyd bedenkt. Sofort danach ging es in eine große und ungemein dynamische vietnamesische Pfarrei, die ihre eigene beliebte Jugendbewegung für eucharistische Anbetung gegründet hat. In einer Sieben-Kirchen-Prozession durch Minneapolis am Sonntag durften wir die Vielfalt der Kirche, ja ihre Katholizität, noch mehr kennenlernen und den eucharistischen Jesus in polnische, ukrainische und libanesische Kirchen bringen. Die Prozession endete bei der Priesterbruderschaft St. Petrus. Auf den Straßen wurde dabei nicht nur lauthals auf Englisch, sondern auch in Latein, auf Polnisch, Spanisch und Aramäisch gesungen.

Am Montag war dann der große Tag: Memorial Day, ein Feiertag, an dem den gefallenen Soldaten gedacht wird. Und in St. Paul fand eine Eucharistische Prozession statt, die niemand mehr so schnell vergessen wird. Nur zwei Tage nachdem in der Diözese 13 neue Priester geweiht wurden, strömten 7.000 Menschen auf die Straße und beteten Jesus im allerheiligsten Sakrament an. Der Zielort, die gigantische Kathedrale, war bis über den Rand gefüllt. In der Prozession wurde dieselbe Monstranz verwendet, die auf dem letzten amerikanischen Eucharistischen Kongress im Jahr 1941 – der in St. Paul stattfand – verwendet wurde. Auch bedeutsam war die schier endlose Anzahl an jungen Familien, die an der Prozession teilnahmen. Die Begeisterung und Freude waren nicht zu übersehen. Und auch der Himmel jubilierte: Obwohl die Wettervorhersagen Gewitter während der Prozession meldeten, schien die Sonne, während nur ein paar Minuten weiter sichtbar die Blitze einschlugen. So hieß selbst die Natur den Eucharistischen König donnernd willkommen.

Besuch von historisch deutschen Dörfern

Ein besonderer Moment für mich persönlich ergab sich, als wir die Doppel-Großstadt gen Süden hinter uns ließen und die kleinen Städtchen der Erzdiözese besuchten. Denn während in Deutschland am Donnerstag Fronleichnam gefeiert wurde (hier in den USA ist der Festtag erst am Sonntag), erreichte unsere Wallfahrt eine Reihe an historisch deutschen Dörfern. Hierher kamen Deutsche zum Ende des 19. Jahrhunderts in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Amerika. Und sie hinterließen viele Zeichen. Die Stadtnamen wie New Trier oder New Munich verraten ihre Herkunft schon. Doch als wir in Prozessionen über Friedhöfe mit deutschen Inschriften auf den Grabsteinen und Namen wie Herschbach, Schiller, Lindenfelser oder Mayer schritten, wurde es noch deutlicher. Auch die Kirchen selbst sind unverkennbar deutscher Herkunft. Die Kirchenfenster verzeichnen Spender wie „Katholische Förster“ oder der „St. Anna Mütter-Verein“ oder Bibelzitate wie „Nur eins ist notwendig“ oder „Kommt, Kinder, der Heiland ruft“.

Je weiter wir in dieser Wallfahrt schreiten, desto mehr erkennen wir, dass wir Missionare, die die ganzen zwei Monate durchs Land wandern und den Menschen Jesus bringen wollen, weder die Kontrolle haben, noch dass es überhaupt irgendwie um uns geht. Nein, es ist Jesus, der diese Menschen aufs Neue und tiefer kennenlernen will. Und es sind diese Gemeinden, die erkennen, dass sie Ihn brauchen und Ihn feierlich empfangen und anbeten wollen. Besonders hinter dieser Erkenntnis waren die Prozessionen durch die deutschen Dörfer für mich bedeutsam. In all diesen Prozessionen durfte ich in der Prozession direkt vor Jesus schreiten und mit der Klingel läuten. Oder anders gesagt: Gerade an dem Punkt, an dem Deutsche einst in die USA kamen, durfte ich, ein deutscher Auswanderer, mit dem Läuten verkünden, dass der Heiland hier ankommt und die Menschen mit in dieses Spektakel seines eucharistischen Geheimnisses reißen will.

Ja, Er ist immer auf dem Weg zu uns und will uns noch näherkommen. Und in der Vielfalt der Traditionen dieser zweiten Woche und dem Enthusiasmus gegenüber dieser größten Prozession der Weltgeschichte darf man sagen: Er will in wahrlich jede letzte Fuge eintreten, gleich wie weit sie entfernt oder wie dunkel sie ist, und sie transformieren. So möge Er, das hoffen wir, über die zwei Monate das ganze Land transformieren.

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