Das Gelände der Gebetsstätte Marienfried wirkt wie ein typisches Festivalgelände. Die Teilnehmer campen auf den Wiesen. Aus dem Hauptzelt höre ich die Band. Veranstaltungszelte, in denen ich schon so manche Party gefeiert habe, werden an diesem Wochenende zu Orten, an denen ich Gott begegne. Das „Catholic Summer Festival“ der „Jugend 2000“ steht in diesem Jahr unter dem Motto „The sound of God“. Rund 1000 Jugendliche und junge Erwachsene besuchen das Festival. Etwa 250 helfen bei der Vorbereitung und Durchführung. Im Mittelpunkt steht Gott, inhaltlich und in der Eucharistie. Auf einer etwa zwei Meter hohen Holzpyramide ist Jesus in der Monstranz gegenwärtig. Schnitzereien und Kerzen lassen die Pyramide wie den brennenden Dornbusch aussehen. Die Scheinwerfer und bunten Lichter ringsum erinnern mich jedoch eher an die Partys, die ich mit solchen Zelten verbinde.
Als ich das Zelt zum ersten Mal betrete, denke ich: Dieses Wochenende wird sicher nett. Große Erwartungen habe ich nicht. Ich freue mich einfach darauf, einige Freunde wiederzusehen. Schon bald merke ich aber: Ein katholisches Festival besteht nicht nur aus stillem Gebet und Beichte. Und es ist überhaupt nicht langweilig. „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4). Etwas verwundert schaue ich auf den Zettel in meiner Hand, als ich gerade aus der Beichte komme. Dann blicke ich wieder auf die Monstranz. Das Beichtgespräch bewegt mich noch immer. Im Zelt prägen emotionale Lieder, tiefe Gebete und intensive Gespräche die Stimmung. Die Freude, von der auf dem Zettel die Rede ist, wirkt in diesem Moment nicht oberflächlich. Sie entsteht gerade daraus, dass ich im Beichtgespräch Dinge aussprechen konnte, die mich belastet haben. Vielleicht lässt mich genau diese Erfahrung den Vers aus dem Philipperbrief neu verstehen: Freude heißt nicht, dass alles leicht und unbeschwert ist. Sie kann auch dort entstehen, wo etwas Schweres ausgesprochen und abgegeben werden darf.
Der brennende Dornbusch erinnert mich daran, dass Gott sich nicht auf eine einzige Weise festlegen lässt. Er ist der „Ich bin, der ich bin“ (Ex 3,14) – unverfügbar und nicht machbar. Vielleicht heißt das auch, dass ich nicht bestimmen kann, wie Gott zu mir spricht. Ich kann nur aufmerksam werden für die verschiedenen Formen, in denen er mir begegnet: in der Musik, in der Stille, in der Beichte und in der Freude der Gemeinschaft. Papst Benedikt XVI. sagte einmal, dass es so viele Wege zu Gott wie Menschen gebe. Vielleicht spricht Gott deshalb auch zu jedem Menschen anders. Nicht jeder hört ihn in der Stille einer Kirche. Manchmal begegnet er einem vielleicht gerade dort, wo man ihn zunächst nicht erwartet: zwischen Musik, Lichtern und vielen anderen Menschen.
Als der Priester mit der Monstranz vor mir steht und mir den Einzelsegen spendet, schaue ich direkt auf den eucharistischen Herrn. Kurz kommt mir der Gedanke, dass ich Gott unterschätzt hatte. Die Freude, die er mir verheißen hatte, lässt nicht lange auf sich warten. Noch am selben Abend sorgt die Priesterband im Zelt nebenan für Partystimmung. Diese Stimmung verbinde ich eigentlich mit solchen Zelten. An diesem Wochenende hatte ich sie aber nicht erwartet. Vielleicht war das der „Sound of God“, den ich an diesem Wochenende hören sollte: nicht eine einzelne Stimme und auch nicht nur die Musik, sondern die Verbindung von Vergebung, Glauben und echter Freude. Gott begegnete mir nicht auf die Weise, die ich erwartet hatte. Vielleicht gerade deshalb, weil ich an diesem Wochenende kaum etwas von ihm erwartet hatte.
Die Autorin, geboren 2006, studiert Journalistik und strategische Kommunikation an der Universität Passau.
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