Die im 16. Jahrhundert gegründete Stadt Humahuaca im Nordwesten von Argentinien ist mit ihrem gut erhaltenen Zentrum im spanischen Kolonialstil bei Touristen ein beliebtes Ziel. Eine besondere Attraktion birgt das 1940 errichtete Rathaus: Ein aus Nürnberg stammendes Uhrwerk sorgt dafür, dass sich alle zwölf Stunden, zu Mittag und um Mitternacht, im Turm des Gebäudes eine zweiteilige Flügeltür öffnet, aus der eine Statue des heiligen Franz von Solano herausgefahren kommt. Nach einer Segensgeste zieht sich der Heilige wieder zurück, und die Türen schließen sich hinter ihm. Die Kirche gedenkt dieses Heiligen, eines frühen Missionars in der Neuen Welt, am 14. Juli. Im Martyrologium Romanum heißt es über ihn: „Zum Heil der Seelen durchwanderte er weit und breit die Gegenden Südamerikas. Er verwandte alle Sorgfalt darauf, die Indiovölker und selbst die spanischen Kolonisten durch Predigt und Wunderzeichen über das neue Leben in Christus zu belehren.“
Franz von Solano stammte aus dem andalusischen Montilla bei Córdoba, wo er im März 1549 geboren wurde. Er besuchte ein Jesuitenkolleg, trat im Alter von zwanzig Jahren in den Franziskanerorden ein und wurde nach dem Studium in Sevilla 1576 zum Priester geweiht. Er lebte asketisch, fastete oft, trug einen Bußgürtel und schlief auf Sägespänen. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er für einige Zeit nach Montilla zurück, um sich um seine erblindete Mutter zu kümmern. Hier erkrankte er an der Pest, wurde jedoch wieder gesund und pflegte andere Pestkranke, wobei er in den Ruf eines Wundertäters kam, der ihn sein Leben lang begleitete.
Äußerlich „von nicht schönem Angesicht, dunkel und hager“, hatte er ein reiches Innenleben und schrieb lange Andachten. Er wurde Guardian des Konvents und Novizenmeister, sehnte sich aber nach einem Leben als Missionar und bat daher seine Oberen, ihn nach Afrika zu entsenden. Die Oberen erfüllten ihm den Wunsch nicht, sandten Franz aber 1589 – mit bereits vierzig Jahren – nach Südamerika, nachdem König Philipp II. die Franziskaner um Missionare für ihre Kolonien gebeten hatte. Zusammen mit weiteren Mitbrüdern bestieg er das Schiff, das sie in die Neue Welt bringen sollte. Ihr Ziel war Tucumán, heute in Argentinien gelegen. Die Reise gestaltete sich abenteuerlich: Vor der peruanischen Küste erlitten sie Schiffbruch und mussten sich über die Anden nach Cuzco und von dort aus über ein Hochplateau in das heute bolivianische Potosí durchschlagen, bevor sie schließlich in Tucumán ankamen.
Lernte Sprachen indigener Völker
Zwei Jahrzehnte lang widmete sich Franz von Solano der Evangelisierung der Neuen Welt, unter der indigenen Bevölkerung ebenso wie unter den Spaniern, denen er ihre Pflicht zur christlichen Lebensführung in Erinnerung rief. In Tucumán, dann in Paraguay und zuletzt in Lima war er Guardian der örtlichen Franziskanerkonvente. Überall galt er als Wundertäter; im Laufe der Jahre rankten sich viele Legenden um ihn. So soll er in der Kolonialstadt La Rioja einen blutigen Kampf zwischen indigenen Diaguita und spanischen Siedlern um die Vorherrschaft im Ort dadurch beigelegt haben, dass er eine Statue des Jesuskindes mit den Insignien des Bürgermeisters ausstattete und dieses zum obersten Patron beider Bevölkerungen erklärte.
Franz von Solano war sehr sprachbegabt und lernte schnell die verschiedenen Sprachen der indigenen Völker, was ihm bei der Evangelisierung ebenso half wie seine Liebe zur Musik. Sein Geigenspiel öffnete ihm viele Herzen; oft wird er mit den Attributen des Kreuzes und der Geige dargestellt. Auch prophetische Fähigkeiten werden ihm zugeschrieben; im peruanischen Trujillo soll er ein verheerendes Erdbeben vorausgesagt haben.
Im Oktober 1605 erkrankte Franz von Solano an einem Magenleiden und konnte nur noch wenig Nahrung zu sich nehmen. Er starb am 14. Juli 1610 in einer Klosterzelle der Krankenstation des Konvents in Lima, die später zur Kapelle umgebaut wurde. Hier befindet sich auch sein Grab, das heute ein Wallfahrtsort ist. Franz von Solano wurde 1675 von Clemens X. selig- und 1726 von Benedikt XIII. heiliggesprochen. Er ist Schutzpatron von Argentinien, Bolivien, Chile, Paraguay und Peru.
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