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Es gibt zu wenig Orte für Singles in der Kirche

Systemische Diskriminierung. Alleinstehende haben nach Ansicht der Podiumsteilnehmer über die Rolle von Singles in der Kirche keinen hohen Stellenwert in den Gemeinden.
Singles
Foto: Oliver Gierens | Teilnehmer des Podiums Singles in der Kirche: Moderatorin Ruth Fehlker, Professor Tobias Künkler, Dr. Eske Wolland, Guido Erbrich (v.l.n.r.).

Welchen Stellenwert haben Singles in der katholischen und evangelischen Kirche? Um diese Frage ging es am Donnerstagnachmittag auf dem Stuttgarter Katholikentag bei einem Podium mit dem Titel „Mehr als eine Phase. Christliche Singles und ihre Orte in den Kirchen.“ Die Podiumsteilnehmer machten mehrfach deutlich: Von diesen Orten gibt es viel zu wenige. Eske Wollrad vom Evangelischen Zentrum Frauen und Männer brachte ihre Kritik auf den Punkt: Singles würden in beiden Konfessionen „systemisch diskriminiert“.

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Der Grund sei eine – aus ihrer Sicht unhaltbare – theologische Sichtweise, dass sich der Mensch erst in der Partnerschaft – und insbesondere in der Ehe – verwirklichen könne. „Die Kirche ist von einem Single – von Jesus – gegründet worden“, meinte die evangelische Theologin. Auch Paulus habe die Ehelosigkeit hoch geschätzt. Es sei daher unverständlich, dass „diese Menschen derart diskriminiert“ würden, so Wollrad.

Singlepastoral im Osten

Für die katholische Kirche engagiert sich Guido Erbrich aus dem Bistum Magdeburg seit vielen Jahren in der Singlepastoral. Man habe am Anfang einfach über den St. Benno Verlag, der die ost- und mitteldeutsche Kirchenzeitung „Tag des Herrn“ verlegt, einige Menschen eingeladen, die einmal Partnerschaftsanzeigen aufgegeben hätten. Und der Zuspruch sei größer gewesen als erwartet. Überzeugte Singles gebe es nur wenige, die meisten seien neugierig auf Partner. Seit rund 20 Jahren organisiert er Singletreffen in den mitteldeutschen Diözesen, die nicht unbedingt auf Partnervermittlung angelegt sind. „Die meisten wollen einfach ein schönes Wochenende verbringen“, so Erbrich.

Umfrage unter Singles

Zu Beginn des Podiums stellte Professor Tobias Künkler von der CVJM-Hochschule in Kassel eine Studie mit rund 3200 „hochreligiösen“ evangelischen Singles vor. Demnach sind rund 30 Prozent der Befragten der Meinung, dass Singles in Gemeinden stark oder sehr stark stigmatisiert würden. Zugleich sagten auch rund 80 Prozent, dass sie einen intensiven Partnerwusch hätten. Über die Hälfte der Befragten würden sich mehr pastorale Angebote für Singles wünschen, so Künkler. DT/ogi

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost Berichte über verschiedene Aspekte des Katholikentags in Stuttgart.

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