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Der Katholikentag zieht nicht

Der Katholikentag stößt kaum auf Interesse. Woran liegt das?
Katholikentag 2018 in Münster
Foto: Guido Kirchner (dpa) | Woran liegt es, dass die Themen des Katholikentages aus Sicht vieler Frauen als unattraktiv empfunden werden? Trifft die Mischung aus Diskussionen, Gottesdiensten und Workshops nicht (mehr) den Zeitgeist?

Stell  Dir vor, es ist Katholikentag - und keinen interessiert's. So ungefähr lässt sich das Ergebnis einer aktuellen INSA-Umfrage im Auftrag der "Tagespost" zusammenfassen. Demnach stimmt die absolute Mehrheit der Deutschen (59 Prozent) der Aussage zu, sich nicht für den nächsten Deutschen Katholikentag (25. bis 29. Mai) in Stuttgart zu interessieren. Auch unter sämtlichen Religions- beziehungsweise Konfessionsgruppen dominiert das Nicht-Interesse: Sie geben jeweils mehrheitlich an, dass sie der Aussage, sich nicht für den nächsten Deutschen Katholikentag zu interessieren, zustimmen (40 bis 67 Prozent).

Zahlen, die nachdenklich machen

Zahlen, die nachdenklich machen. Zumal, wenn man den Anspruch der Katholikentags-Macher bedenkt, mit dem traditionsreichen Groß-Event eine Art Brücke hin zur Gesellschaft bauen zu wollen. Erstaunlich ist auch, dass gerade unter den Frauen, die doch gemeinhin als spirituell empfänglicher gelten, das Desinteresse größer ist als unter Männern. So bilanziert INSA: "Weibliche Befragte stimmen der Aussage, sich nicht für den nächsten Deutschen Katholikentag in Stuttgart zu interessieren, häufiger zu als männliche (62 zu 56 Prozent)."

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Woran liegt es, dass die Themen des Katholikentages aus Sicht vieler Frauen als unattraktiv empfunden werden? Trifft die Mischung aus Diskussionen, Gottesdiensten und Workshops nicht (mehr) den Zeitgeist? Am etwas bieder wirkenden Leitwort des diesjährigen Katholikentages "leben teilen" allein können die schlechten Zahlen wohl nicht liegen. Woran aber dann? 

So wie es aussieht, braucht die Mehrheit der postmodernen Deutschen eine dezidiert christliche Brücke bei ihrer spirituellen Sinnsuche nicht - egal ob liberal oder konservativ. Was auch gut am Fehlen großer christlicher Gestalten im öffentlichen Raum belegt wird: Dem Christentum wird keine Relevanz mehr zugetraut, wenn es um die Fragen von heute und morgen geht. 

Konservative, in deren Lager - abgesehen vielleicht von den "Mehr"-Konferenzen   nie eine ernstzunehmende Alternativ-Veranstaltung mit Massenwirkung etabliert wurde, sollten dies ohne sprungbereite Häme zur Kenntnis nehmen.

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Stefan Meetschen

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