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Bischof Oster beklagt fehlende bischöfliche Einheit

In entscheidenden Fragen der Anthropologie und der Ekklesiologie herrsche Zwietracht unter deutschen Bischöfen, so der Passauer Bischof Stefan Oster.
Zwietracht unter Bischöfen
Foto: picture alliance/dpa | Christoph Sator | Die Einheit auf dem Bild täuscht. In Wirklichkeit gibt es unter den Bischöfen große Differenzen in entscheidenden Fragen der Anthropologie und der Ekklesiologie.

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat in einem am Donnerstag von der polnischen katholischen Wochenzeitung „Gosc Niedzielny“ in Kattowitz (Katowice) veröffentlichten Interview seine Sorge über die gespaltene Bischofskonferenzen geäußert. Die deutschen Bischöfe seien sich „in entscheidenden Fragen der Anthropologie und der Ekklesiologie so wenig einig“, beklagte er. Auch der Papst mache sich, wie der Brief an die vier Frauen gezeigt habe, berechtigterweise „große Sorgen“. Das wichtigste für die katholische Kirche wäre laut Oster der Fokus auf die „persönliche und gemeinschaftliche Christusbeziehung“.

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In dem Brief habe der Papst geschrieben, dass sich die Deutschen „immer weiter vom gemeinsamen Weg der Weltkirche entfernen“. Dies sei der Grund gewesen, weshalb er am Synodalen Ausschuss nicht teilgenommen habe. Nach außen entstehe damit zwar das Bild einer gespaltenen Bischofskonferenz. Tatsächlich aber habe er „gerade die Einheit mit Rom bewahren“ wollen. Die Tragödie bestehe darin, „dass wir deutschen Bischöfe uns in entscheidenden Fragen der Anthropologie und der Ekklesiologie so wenig einig sind“.

Synodaler Weg überschreitet Grenzen an entscheidenden Stellen

Eine mögliche Lösung aus der Zwietracht wäre für Oster, wenn sich der Synodale Weg in Deutschland „in den weltkirchlichen Prozess einordnen“ würde - „mit einem klaren Bekenntnis auch zu dessen Inhalten und Entscheidungen“. Das erfordere viel Demut und würde möglicherweise sogar eine „Rücknahme von schon getroffenen Entscheidungen beim Synodalen Weg in Deutschland“, wie beispielsweise den Beschluss zu Segensfeiern.

In diesem Punkt gehe es „bei weitem nicht nur um Menschen, die gleichgeschlechtlich empfinden, sondern der Kreis geht deutlich weiter und umfasst vielerlei Paarkonstellationen“, so Oster. Das Problem sei zudem, dass „in Deutschland eine veränderte Sexualmoral schon vorausgesetzt“ werde. Das sei die Basis für die Segensfeiern. Zwar habe  es „in der Theologie und in der Lehre immer auch Entwicklung gegeben“. Aber es gebe auch prinzipielle Grenzen, wo „Entwicklung nicht möglich ist“. Diese würde der Synodale Weg an entscheidenden Stellen überschreiten, so Oster.

Reformen standen bereits fest

Zugleich schienen konkrete Reformen von vornherein festzustehen, was einen grundsätzlichen Dialog erschwert habe. „Die deutliche Mehrheit“ sei „zu schnell von der Richtigkeit der eigenen Position überzeugt“ gewesen, so dass die „wenigen Theologinnen und Theologen, die kritisch zu bestimmten Reformthemen stehen und denen es um ein vertiefendes und differenziertes Verstehen der bestehenden Lehre aus dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Tradition und der Schrift geht“ wenig Chancen gehabt hätten, mit ihrer Sichtweise durchzudringen.

Oster bezweifelt, „dass diejenigen gläubigen Menschen in Deutschland aus dem normalen Volk Gottes“, die treu an der Heiligen Messe teilnehmen und regelmäßig beichten, „den wichtigsten Beschlüssen des Synodalen Weges folgen würden“. Während die die Deutschen „Reformen vor allem strukturell anpacken, weil geistliche Erneuerung so viel schwerer scheint als strukturelle“, habe der Papst immer wieder auf das Primat des Heiligen Geistes gepocht.

Mission im Fokus

Auch Mission sei ein wichtiges Thema auf der Weltsynode gewesen. In diesem Kontext wäre für Oster das wichtigste, „dass Menschen wirklich in eine persönliche und gemeinschaftliche Christusbeziehung finden“. Das könne man „nicht einfach machen, sondern nur bezeugen“. Aber man könne Orte und Räume „von gläubiger, betender Gemeinschaft und Freundschaft entstehen lassen, in denen Christusbegegnung etwas ist, was man erwarten darf, womit man rechnet“.  DT/dsc

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