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Wollbold: Beichte ist in Deutschland praktisch tot

Das Bußsakrament spiele für die Identität der meisten Priester nur eine marginale Rolle, meint der Münchner Pastoraltheologe gegenüber der „Tagespost“.
Wollbold: Bußsakrament spiele für die Identität der meisten Priester nur eine marginale Rolle
| Um Gläubige in der Breite für die Wiederentdeckung die Beichtsakramentes zu gewinnen, „muss man dicke Bretter bohren“. Das gelinge nur sehr gezielt und mit viel Ausdauer.

Der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold hat den Zusammenbruch der Beichtpraxis in Deutschland kritisiert: Von Ausnahmen abgesehen, sei die Beichte in Deutschland schlicht tot, erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Um Gläubige in der Breite für die Wiederentdeckung dieses Sakramentes zu gewinnen, „muss man dicke Bretter bohren“. Das gelinge nur sehr gezielt und mit viel Ausdauer.

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Wollbold zufolge müssten spielt das Bußsakrament für die Identität der meisten Priester nur eine marginale Rolle. Wörtlich sagte der Münchner Pastoraltheologe: „Das ist nicht gut, denn neben der Vollmacht zur Eucharistie ist die zur Sündenvergebung das große Alleinstellungsmerkmal des Priesters. Doch wahrscheinlich müssen die Geistlichen dafür erst einmal selbst die Kraft dieses Sakramentes wiederentdecken.“

Wollbold befürwortet traditionelle Formen wie Andachtsbeichte

Mit Nachdruck befürwortete Wollbold traditionelle Formen wie die Andachtsbeichte. Die Andachtsbeichte oder einfach die regelmäßige Beichte sei fast ausschließlich die Praxis von geistlich ernsthaft Lebenden geworden. „Da ist sie ein unverzichtbares Element geistlichen Wachstums geworden, aber auch der Überwindung von tiefsitzenden sündhaften Neigungen.“ 

Wollbold bezweifelte, dass alle Priester die dafür notwendigen Kompetenzen mitbrächten. Früher hätten nur Priestern eine breite Beichterlaubnis erhalten, die durch Studium und regelmäßige Schulung den Anforderungen des Bußsakramentes gewachsen gewesen seien. „Sogar Päpste haben Bücher zu schwierigen Gewissensfällen veröffentlicht“, unterstrich Wollbold.

Heute finde man bei vielen Geistlichen dagegen „einen Verschnitt von Populärpsychologie, Lieblingsspiritualität und frommer Vertröstung“. Das könne bei den Gläubigen die Erwartung wecken, der Priester sei eben hauptsächlich für die Absolution wichtig. Wollbold äußerte sich skeptisch über diese Entwicklung: Wenn der Priester „dann auch noch ein paar geistliche Streicheleinheiten zu geben versteht, ist alles in Ordnung. Ist es aber nicht!“  DT/reg

 

Lesen Sie das ausführliche Interview zur Beichte in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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