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Knattern und Rasseln gegen die Entkirchlichung

Die Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ ist gegen die bevorstehende Reform im Bistum Trier: die geplante Zusammenlegung der 887 Kirchengemeinden in insgesamt 35 Großpfarreien.
Protest in Trier
Foto: Winkler | Hagen und Jonas (v.l.) protestieren vor dem Trierer Dom gegen die geplante Bistumsreform. Foto: Winkler.

Weiße Ballons, knatternde Karfreitags-Holzklappern, drehende Rasseln und ein gelber Bagger mit einer Luftbombe, die das Bistumswappen ziert. Etwa 1500 Gläubige standen am gestrigen Samstag um 5 vor 12 Uhr vor dem Trierer Dom, um gegen die bevorstehende Bistumsreform zu protestieren. Ob der Bischöfe auftaucht? „Ja, auf jeden Fall, wenn er sich traut“, meint eine Ehrenamtliche im weißen T-Shirt. Bischöfe Stephan Ackermann ließ sich kurz in der Menge blicken, ohne jedoch das Wort auf der Bühne zu ergreifen. „Unser Bischöfe mit seinem Stab möchte die örtlichen Kirchengemeinden, selbstständige Körperschaften des öffentlichen Rechts auflösen zum 1.1.2020“, meint sie.

Generalvikar von Plettenberg: "Unterschiedliches Verständnis, wie es weitergeht"

Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg zeigt sich gelassen, und sogar „erfreut darüber, dass Menschen für eine Sache in der Kirche, für die sie einstehen, auf die Straße gehen, um das kirchliche Engagement zu verlebendigen und zu stärken. Die Wurzel des Problems, ist ein unterschiedliches Verständnis, wie es weitergeht“, sagt er. „Die Form oder Art und Weise wie es geschehen kann, darauf treffen wir auf unterschiedliche Vorstellungen.“ Der Landrat von St. Wendel Udo Recktenwald plädiert dafür, dass das Bistum die Pläne überdenkt und die Basis verstärkt. „Viele an der Basis wissen nicht genau, was die Prozessgruppen überhaupt erarbeiten. Mir geht es auch um die Zukunft unserer Dörfer“, so Recktenwald. Viele unter den Protestlern sind Ehrenämtler, denen die Kirche am Herzen liegt: „Wir sind seit Jahren hoch engagiert und haben sehr viel von unserer Freizeit investiert, damit Kirche vor Ort lebt und wir haben noch eine lebendige Pfarrei und das wollen wir nicht aufgeben, wir wollen nicht entmündigt werden. Man muss aufstehen, um was zu erreichen.“

"Kirchengemeinde vor Ort" fordert "echten christlichen Dialog über eine vernünftige Reform"

Harald Cronauer, der Sprecher der „Kirchengemeinde vor Ort“ ist gegen die geplante Zusammenlegung der 887 Kirchengemeinden in insgesamt 35 Großpfarreien zum Anfang des Jahres 2020. „Um in einen echten christlichen Dialog über eine vernünftige Reform, die alle verstehen und von möglichst allen am Ende mitgetragen werden, muss das Big-Bang-Datum für die vorgesehene Bistumsreform zum 1.1.2020 ausgesetzt werden.“ Am Geld kann es nicht liegen“, meint ein Mann aus Münster, der die Schnelllebigkeit unserer Zeit beklagt. Noch vor 300 bis 400 Jahren war die Kirche Treffpunkt der Gesellschaft, man traf sich sonntags nachdem man die Woche hart gearbeitet hatte. „Je anonymer, desto weniger werden die Leute in die Kirche gehen.“

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt. Das Ehrenamt vor Ort bricht weg, wenn vor Ort keine Gestaltungsmöglichkeit besteht. Geht es nur um verletzte Gefühle und um mangelnde Anerkennung von Ehrenämtlern oder warum muss der Elefant in den Porzellanladen? „Vielleicht kann man auch mal oben anfangen zu sparen, nicht immer unten“, meint ein Gast, der anonym bleibt.

DT/bwi

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