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Schüller: Bischöfe wollen „reines Beratungsgremium“

Die Bischöfe seien „ausgebrannt und müde“, bei den Synodalen herrsche „Frust und Resignation“: Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht das kommende Synodalgremium „auf der Kippe“.
DBK-Vorsitzender Georg Bätzing
Foto: IMAGO/Heike Lyding (www.imago-images.de) | Läuft eher nicht so für ihn: Der DBK-Vorsitzende und Limburger Bischof Georg Bätzing, der den Synodalen Weg maßgeblich vorangetrieben hat, kann sich derzeit nicht auf die Gefolgschaft seiner Brüder verlassen.

Bei dem geplanten Synodalen Gremium auf Bundesebene – einst als „Synodaler Rat“ bekannt – steht „der gesamte Prozess“ derzeit „auf der Kippe“. Das ist die Einschätzung des Münsteraner Kirchenrechtlers Thomas Schüller, selbst Mitglied des vorbereitenden Synodalen Ausschusses. In einem Interview mit „Kirche + Leben“ vom Dienstag erklärt Schüller, augenscheinlich wollten die Bischöfe ein „reines Beratungsgremium ohne Beschlusskompetenz“ und sich „insbesondere beim Geld nicht in die Karten schauen lassen“, da der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) seine Macht nicht abgeben wolle. Dies falle „hinter das zurück, was für den Synodalen Weg bisher galt, was zudem auf der Bischofssynode 2024 beschlossen wurde“.

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Schüller erwartet daher eine „sehr schwierige“ fünfte Sitzung des Synodalen Ausschusses im November. Zum inhaltlichen Dissens mit den Laienvertretern komme, dass der Episkopat „zerstritten“ sei. Es gebe „keine integrative Persönlichkeit (...), geschweige denn den Vorsitzenden, der die Kraft und die moralische Autorität besitzt, die miteinander ringenden Bischöfe zu einen.“ Kollegialität sei in der Praxis ein Fremdwort.

 Oberflächliche „Mainstreamtheologie“ des Synodalen Weges

Schüller, der nicht im Verdacht steht, theologisch konservative Anliegen zu vertreten, kritisiert auch den Fortgang des Synodalen Prozesses in Deutschland: Außenperspektiven seien „augenscheinlich nicht erwünscht, das mühsam auf dem Synodalen Weg Erreichte wird für sakrosankt erklärt, obwohl es schon in sich fragwürdig und wackelig ist.“ Zudem kritisiert Schüller, dass „gute Theologie“ (die etwa das Veränderbare vom nicht Verhandelbaren zu unterscheiden wisse) ein Anspruch sei, der von der ZdK-Präsidentin und dem Generalsekretär (Irme Stetter-Karp und Marc Frings), „die beide keine theologische Expertise aufweisen, direkt als störend abgetan“ würden. Es reiche aber „nicht aus, mit ein paar frommen Bibelzitaten, einer oberflächlichen Bezugnahme auf die Zeichen der Zeit und einer westlich-bürgerlichen Lesart des Konzilsdokuments ‚Gaudium et spes‘ Grundlagentexte zu schreiben. Diese Art der Mainstreamtheologie geht nicht in die Tiefe“, so Schüller. Mittlerweile seien die Bischöfe „ausgebrannt und müde“, bei den Synodalen herrsche „Frust und Resignation“.

Der Kirchenrechtler stellt sich damit auch hinter den Dogmatiker Michael Seewald, der mit Blick auf den Synodalen Weg von „geschichtsentwöhnter und allgemeinplatzorientierter Theologie“ gesprochen hatte. Bereits die ZdK-Präsidentin Stetter-Karp hatte kürzlich in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger durchblicken lassen, dass der Eifer des Synodalen Weges merklich nachgelassen hat. So hätten Bischöfe Sitzungen des Synodalen Ausschusses geschwänzt, was Stetter-Karp als „sehr ernüchternd“ bezeichnet hatte. Vor der letzten geplanten Sitzung des Synodalen Ausschusses im Januar 2026 müssten „die Karten (…) auf den Tisch“. Spannend dürfte nach all den Störgeräuschen freilich auch schon die vorletzte Sitzung werden – ebenso wie die Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe Ende September in Fulda. (DT/jra)

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