Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Offenbarungsquelle Sozialwissenschaften

Die DBK veröffentlicht eine kuriose Stellungnahme zu Frauenarmut und Sorgearbeit – und will anschließend keine Positionierung vorgenommen haben. Das zeugt von einem Orientierungsdefizit.
DBK-Bischöfe in Mainz
Foto: ULMER via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Blackbox DBK: Wie entstehen eigentlich die Verlautbarungen, mit denen die DBK-Pressestelle regelmäßig die Gläubigen erfreut? So manches wirkt nicht wirklich zu Ende gedacht.

„Wer bei mir Führung bestellt, bekommt sie auch“, so lautet eines der Scholz-Bonmots, die die Regierungszeit des Noch-Kanzlers wohl überdauern dürfte, und seit jeher für eher mitleidiges Schmunzeln sorgt. Wie steht es um die Orientierung, die die kirchliche Hierarchie ihren Gläubigen bietet? Der De-facto-Rückzieher, den die DBK-Pressestelle nach dem kuriosen Vorstoß Bischof Peter Kohlgrafs zur „Care-Arbeit“ vornahm, wirft kein wirklich gutes Licht auf die Ausübung des Hirtenamtes durch die DBK. Was sollen die Gläubigen davon halten, wenn ihnen zunächst mitgeteilt wird, sie „sollten“ sich für die Ausweitung der Kinderbetreuung „einsetzen“, wozu auch die „Überprüfung von Frauen- und Familienbildern, die Armutsrisiken inklusive ihrer steuerpolitischen Ursachen befördern“, gehöre – und bei Nachfrage darauf verwiesen wird, es handele sich bei diesem „sollte“ lediglich um eine Anregung zur Auseinandersetzung, nicht aber um eine „Positionierung“?

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Auch wenn selbstverständlich nicht im Einzelfall rekonstruiert werden kann, wie die betreffenden Forderungen zustande kamen, drängt sich der Verdacht auf, dass in DBK-Arbeitskreisen einfach rein sozialwissenschaftlich begründete Thesen unreflektiert reproduziert werden, ohne Überlegungen anzustellen, ob die daraus entstehenden Forderungen mit (bisheriger) katholischer Lehre kollidieren. Natürlich ist „Care-Arbeit“ gar nicht oder vergleichsweise schlecht bezahlt, und natürlich kann dies etwa im Scheidungsfall zum Armutsrisiko für Frauen werden. Aber sollte die Kirche, für die die Ehe unauflöslich ist, sich nicht eher für gesunde Beziehungen einsetzen, und den mit wirtschaftlichen Nachteilen versehenen, aber oft bewusst gewählten Liebesdienst zuhause und selbst „betreuender“ Eltern bestärken, statt im kurzsichtigen Chor mit den Wirtschaftswissenschaften für die möglichst vollständige Bezahlung von Nächstenliebe zu werben?

Auch wenn nun alles gar nicht so gemeint sein soll: das PR-Unglück ist auch Ausweis einer Art von Kirchenmanagement, das zwar zu allen erdenklichen Themen irgendwelche Papiere erstellt, aber dabei zu oft vor allem das empfiehlt, was sowieso dem Zeitgeist entspricht. Sollte Christentum nicht doch irgendwie wenigstens ein bisschen anstößig sein? Wie will man mit diesem Gebaren als Salz der Welt wahrgenommen werden? Das Einzige, was derartige Mitteilungen bewirken, ist der Ärger derer, die sich anstrengen, den hohen katholischen Idealen von gestern Folge zu leisten – und die Verwirrung aller anderen.

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