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Missbrauchsopfer: Chilenische Kirche vor "Erdbeben"

Ende April treffen die Opfer der Missbrauchsfälle in der chilenischen Kirche Papst Franziskus im Vatikan. Dabei wollen sie den Papst persönlich über ihre Erfahrungen informieren.
Juan Barros
Foto: Paul Haring (KNA) | Juan Barros, Bischof von Osorno (Chile), beim Einzug zum Gottesdienst mit Papst Franziskus am 17. Januar 2018 auf dem Flughafen Maquehue nahe Temuco (Chile).

Die Betroffenen des Missbrauchsskandals in der Kirche Chiles wollen bei ihrem Treffen mit Papst Franziskus am 28. und 29. April im Vatikan das Kirchenoberhaupt persönlich über Erfahrungen informieren. „Ich werde dem Papst das Schreckliche berichten, was ich durchgemacht habe, als sie mich missbraucht haben“, sagte einer der drei Teilnehmer, Juan Cruz in einem Interview aus dem chilenische Medien am Wochenende zitierten. Er wolle dem Papst detailliert Auskunft geben, damit sich Franziskus selbst ein Bild machen könne, so Cruz. Zugleich sagte er der Tageszeitung „La Tercerca“, dass er große personelle Veränderungen erwarte. Die chilenische Kirche stehe vor einem Erdbeben.

Der Papst empfängt die drei Männer als Gäste im Haus Santa Marta, wie der Vatikan der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) am Wochenende bestätigte. Demzufolge nahmen neben dem in den USA lebenden Juan Carlos Cruz zwei weitere Betroffene die Einladung des Papstes an. Sie wollten seine angebotene persönliche Entschuldigung dafür entgegennehmen, dass er sie bei seiner Chile-Reise im Januar kritisiert habe. Damals hatte Franziskus Beschuldigungen gegen einen umstrittenen Bischof als „Verleumdungen“ bezeichnet.

Der Papst hatte in dieser Woche einen mehrseitigen Brief an die Chilenische Bischofskonferenzen geschrieben. Darin bittet er um Entschuldigung für seine falsche Einschätzung des Missbrauchsskandals in der chilenischen Kirche. Gleichzeitig zitiert die 32 Bischöfe des Landes in den Vatikan, um mit ihnen den Skandal aufzuarbeiten. In dessen Zentrum steht Bischof Juan Barros von Osorno, dem vorgeworfen wird, in den 1980er Jahren als junger Mann Zeuge von Missbrauchshandlungen durch den Priester Fernando Karadima geworden zu sein und dazu geschwiegen zu haben. Barros hatte das bisher bestritten. Cruz schrieb Franziskus bereits 2015 einen Brief, in dem er die Vorkommnisse schilderte.

DT/KNA

 

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