Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Ministrantinnen sind kein Muss

Wenn Pfarreien den Ministrantendienst Jungen vorbehalten – und dafür gibt es gute pädagogische und seelsorgliche Gründe – müssen sie sich aber etwas katechetisch Weiterführendes für lernfreudige Mädchen einfallen lassen.
Wenn Pfarreien den Ministrantendienst Jungen vorbehalten
Foto: Imago Images

Kardinal Albert Malcolm Ranjith hat das Synodalitätsprinzip verstanden. Was nördlich der Alpen die Regel ist, braucht für Sri Lanka nicht zu gelten. Konkret bedeutet das: Ministrantinnen sind kein Muss. In seinem Erzbistum Colombo auf Sri Lanka soll der Altardienst künftig Jungen vorbehalten bleiben.

Lesen Sie auch:

In einem Schreiben an seine Priester begründet er diese Entscheidung damit, dass der Ministrantendienst der Boden ist, auf dem Priesterberufungen wachsen. Die Kirche auf Sri Lanka könne nicht eine der Hauptquellen für künftige Seminaristen aufs Spiel setzen.

Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückrehen

Das ist zweifellos ein starkes Argument, zumal der Kardinal auch daran erinnert, dass Frauen vom Weihesakrament ausgeschlossen sind. Das kürzlich bekannt gewordene Schreiben ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert: Zum einen fällt das Engagement des Erzbischofs für Priesterberufungen auf, während sich hierzulande angesichts leerer Seminare immer häufiger Resignation breit macht. Die Erfahrungen der Bistümer nördlich der Alpen haben zudem gezeigt, dass Ministrantinnen kein Selbstläufer sind. Nicht wenige kehren der Kirche als Erwachsene den Rücken. 

Zum anderen ist nun Kreativität in Pfarreien, die Mädchen bereits zum Altardienst zugelassen haben, gefragt. Erzbischof Ranjith fordert ihr Ausscheiden aus der Ministrantengruppe. Wie können Pfarrer in solchen Fällen pastoral klug vorgehen? 

Zweifellos lässt sich das Rad nicht einfach zurückdrehen: Niemand wird guten Gewissens die Praxis der 70er und 80er Jahre in Deutschland empfehlen dürfen, als Erstkommunionkinder nach dem Weißen Sonntag vor der Wahl standen, Ministranten zu werden beziehungsweise sich der Mädchengruppe anzuschließen.

Langeweile mit Makramee, Strickliesel und Tauchlackblumen

Für die zweifellos mit Herzblut vorbereiteten Mädchengruppenstunden war Basteln, Wandern, Singen nach der Mundorgel und Spielen vorgesehen. Während die Jungen im Ministrantenunterricht etwas lernen durften, langweilten sich wissbegierige Mädchen mit Makramee, Strickliesel und Tauchlackblumen.

Wenn Pfarreien den Ministrantendienst Jungen vorbehalten – und dafür gibt es gute pädagogische und seelsorgliche Gründe – müssen sie sich in Zeiten aussterbender Kinder- und Jugendchöre etwas katechetisch Weiterführendes für lernfreudige Mädchen einfallen lassen. Man darf sie nicht in die Tauchlackleere fallen lassen und ihnen als Fernziel die Firmung nennen, bis sie sich wieder mit der Bibel beschäftigen dürfen.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Regina Einig Albert Malcolm Ranjith Erzbischöfe Erzdiözese Kardinäle Pfarrer und Pastoren

Weitere Artikel

Das Erzbistum Köln und der Neokatechumenale Weg feiern in Bonn; die Vision einer Kirche, die sich senden lässt.
11.12.2025, 19 Uhr
Beatrice Tomasetti
Kardinal Albert Malcolm Ranjith hat in seiner Heimat Autorität und Heldenmut bewiesen, im Vatikan in mehreren Ämtern treu und klug gedient. Teil IV unserer Papabili-Reihe.
01.05.2025, 16 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Johannes Hartl hat theologische Ansätze kritisiert, die überlieferte Glaubenswahrheiten relativieren. Warum Hartl recht und seine Kritiker unrecht haben.
12.02.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch