Porträt der Woche

Kardinal Albert Malcolm Ranjith

Der Erzbischof von Colombo wird am 15. November 75 Jahre alt. Eine Würdigung.
Der Erzbischof von Colombo, Malcolm Kardinal Ranjith
Foto: Tharaka Basnayaka via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Stütze seiner Herde nach den Osteranschlägen in Sri Lanka 2019: Der Erzbischof von Colombo, Malcolm Kardinal Ranjith

Der nächste Papst werde gewiss aus Asien kommen, meinte mein Gesprächspartner, ein bekannter srilankesischer Priester bei einer Autofahrt durch Colombo. Und auf meine Rückfrage, wer es denn werde: „Entweder unser Kardinal oder der von Manila. Unserer ist konservativer!“ Dieses Gespräch war vor über drei Jahren, kurz nach den mörderischen Oster-Anschlägen. „Der von Manila“, Kardinal Luis Antonio Tagle, ist mittlerweile Propräfekt des vatikanischen Dikasteriums für Evangelisation – und wohl ein Missionar nach dem Herzen von Papst Franziskus. „Unser Kardinal“, wohlmeinend als der Konservativere beschrieben, ist Albert Malcolm Ranjith, seit 2009 Erzbischof von Colombo. Er wird am 15. November das 75. Lebensjahr vollenden. Das ist der kirchenrechtliche Stichtag, um dem Papst den Rücktritt anzubieten.

Nicht nur mit augenzwinkerndem Blick auf das nächste Konklave, sondern mit Blick auf Sri Lanka ist zu hoffen, dass der Papst das obligatorische Rücktrittsgesuch ignoriert. Kardinal Ranjith ist auf der mehrheitlich buddhistischen Trauminsel eine Autorität. Nur sieben Prozent der Einwohner sind katholisch, doch Ranjith hat der Kirche Gewicht verschafft. Nach den Terroranschlägen an Ostern 2019 hat der Kardinal Racheakte unterbunden, die Hinterbliebenen getröstet, die humanitäre, finanzielle, psychologische und spirituelle Hilfe organisiert. Der Kardinal und sein Klerus waren und sind bei den Menschen, während die Regierung weitgehend versagt. „Sein Klerus“ ist nicht übertrieben: Die Priester wie die Gläubigen auf Sri Lanka hören auf ihren Kardinal – und die buddhistische Mehrheit hört längst genau hin, was Ranjith zu sagen hat.

Mit Mut und Klarheit

Das liegt zunächst daran, dass der Kardinal schaffte, was keine buddhistische Autorität geschafft hätte, nämlich eine Eskalation der Gewalt nach dem österlichen Blutbad zu verhindern. Ranjith kritisiert die Regierung Sri Lankas mit bewundernswerter Klarheit und heldenhaftem Mut: Für die mörderischen Terrorakte macht er die Unfähigkeit und Ignoranz der Regierung mitverantwortlich. Ihr droht er als Repräsentant einer kleinen Minderheit immer wieder damit, die internationalen Institutionen einzuschalten, um die Hintergründe der Terrorakte und das Versagen der Regierenden endlich zu entlarven.

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Tief verwurzelt in Sri Lanka, ist Kardinal Ranjith gleichwohl ein Kenner der Weltkirche: Er studierte nicht nur in Rom, sondern wirkte hier von 2001 bis 2009 an der vatikanischen Kurie: zunächst an der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, dann – nach einem Gastspiel als Nuntius in Indonesien und Osttimor – als Sekretär der Kongregation für die Liturgie.

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