Maria 2.0 kritisiert in einer Stellungnahme vom 17. Juli die „unrühmliche Rolle“ von Kirchenvertretern in der Debatte um Frauke Brosius-Gersdorf. Sie würden nur polarisieren, hätten sich nicht „im Detail mit den juristischen Positionen“ der Dame auseinandergesetzt und die Faktenlage nicht geprüft. Auch von dogmatischer Entmündigung und einer Kampagne gegen Brosius-Gersdorf ist die Rede.
Selbst das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat sich lobenswerter Weise auf die Seite der Kirche geschlagen und deren Position stark gemacht. Dass „Maria 2.0 " es nicht tut, zeigt, wie wenig die Frauen erfasst haben, was hier eigentlich im Kern auf dem Spiel steht: Die Frage, ob die Menschenwürde identisch ist mit dem Menschsein überhaupt, oder erst später irgendwann hinzukommt, ist eine Frage von grundstürzender Bedeutung, an der vieles hängt. Die Menschenwürde vom Lebensrecht zu trennen ist wie ein Dominostein, der viele andere mit sich zum Umstürzen bringen würde.
Brosius-Gersdorf kann sich nicht heraustaktieren
Der Vorwurf von „Maria 2.0“ an die Vertreter der katholischen Kirche, sie würden eine Kampagne gegen die Juristin fahren und hätten sich nicht genügend mit der Faktenlage auseinandergesetzt, ist auch nicht haltbar — die Vorwürfe fallen nur auf „Maria 2.0“ zurück. Brosius-Gersdorf selbst hat in einer Anhörung im Bundestag gesagt, es gebe ihres Erachtens „gute Gründe dafür, dass die Menschenwürdegarantie erst ab Geburt gilt“. In einem Schreiben fehlt ihr Hinweis auf ein verfassungsrechtliches Dilemma auch nicht, wenn sie als Lösung vorschlägt, „dass entweder die Menschenwürde doch abwägungsfähig ist oder für das ungeborene Leben nicht gilt“. Und in einer Festschrift für ihren Doktorvater nennt sie „die Annahme, dass Menschenwürde überall gelte, wo menschliches Leben existiert, „einen „biologistisch-naturalistischen Fehlschluss“.
Das zeigt erstens: Brosius-Gersdorf‘ Ansichten sind keine zufälligen Gedanken oder missverständlich ausgesprochene Sätze, sondern deren feste Überzeugung, die in einem demokratischen Rechtsstaat, der die Menschenwürde und das Lebensrecht in seiner Verfassung nicht zufällig verankert hat, keinen Platz haben dürfen. Da kann sie sich jetzt auch nicht mehr heraustaktieren.
Disqualifiziert!
Zweitens sprechen die Fakten eine klare Sprache, die Maria 2.0 entweder nicht versteht oder nicht verstehen will, weil sie deren ultralinksliberalen Kurs widersprechen. Die Argumente, die diese Fraueninitiative einfordert, fehlen ihr selbst, womit sie sich als tragfähige Mitredner im „demokratischen Streit“, den sie wünscht, selbst disqualifiziert hat. Dies gilt übrigens auch für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Limburger Bischof Georg Bätzing, der die ganze Debatte relativiert, indem er Brosius-Gersdorf in Schutz nimmt. Sie hätte es nicht verdient, so beschädigt zu werden, meint er. Eine Blamage für die Kirche — und vor allem für ihn selbst.
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