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Kolping legt Wert darauf, ein pluraler Verband zu sein

Der Chefredakteur des Kolpingmagazins, Christoph Nösser, antwortet auf die Kritik von Martin Grünewald.
Kolping will plural sein
Foto: IMAGO/Sascha steinach (www.imago-images.de) | Der Artikel im Kolpingmagazin zum Schwangerschaftsabbruch sei ein Beitrag zum innerverbandlichen Meinungsbildungsprozess, sagt Chefredakteur Christoph Nösser.

Kolping umfasst als großer katholischer Sozialverband sämtliche Altersgruppen, alle Geschlechter, viele Nationalitäten, unterschiedliche demokratische Parteizugehörigkeiten und ganz viele verschiedene Berufsgruppen. Wie kann es da anders sein, als dass die Menschen zu vielen Fragen unterschiedliche Positionen vertreten?

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Dass diese unterschiedlichen Meinungen in der aktuellen Ausgabe des Kolpingmagazins zu Wort kommen, kritisiert Martin Grünewald in einer Stellungnahme gegenüber der Tagespost, den Dorothea Schmidt in ihrem Tagespost-Artikel „Relativiert Kolping in der Abtreibungsfrage sein eigenes Leitbild?“ unkritisch wiedergibt.

Kolping ist vielfältig 

„Offenbar gibt es auch im Kolpingwerk eine zunehmende Pluralisierung“, schreibt Grünewald. Und ich bin überrascht, dass ihm das nicht bereits in seiner Amtszeit als Chefredakteur des Kolpingmagazins aufgefallen war: Kolping ist vielfältig – und das betrachten wir als Bereicherung.

Deshalb spiegeln sich unterschiedliche Positionen und Meinungen der Mitglieder in unserem Mitgliedermagazin wider. Ich halte dies für selbstverständlich, weil es Ausdruck eines offenen, fairen und toleranten Umgangs miteinander ist. 

Keine Positionierung des Gesamtverbandes

Wenn Dorothea Schmidt schreibt, dass Kolping „deutlich von dieser bisherigen Positionierung“ abweiche, dann ist das falsch: Artikel im Kolpingmagazin wie die Beiträge in der aktuellen Ausgabe zum Thema Schwangerschaftsabbruch können und wollen niemals eine Positionierung des Gesamtverbandes darstellen, da diese von den Verbandsgremien in demokratischen Prozessen erarbeitet werden.

Wer die verschiedenen Beiträge liest (www.kolpingmagazin.de), wird feststellen, dass dort auch gar keine Neupositionierung vorgenommen wird. Vielmehr findet sich darin – neben Stellungnahmen für und gegen die Empfehlungen der Regierungskommission – eine klare Darstellung der aktuellen Rechtslage mit den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, dass keine Regelung mit dem Grundgesetz in Einklang zu bringen sei, die das Lebensrecht des ungeborenen Kindes hintenanstellt. 

Beitrag zum innerverbandlichen Meinungsbildungsprozess

So leisten die Artikel zum Schwangerschaftsabbruch einen Beitrag zum innerverbandlichen Meinungsbildungsprozess in einer Frage, die unsere Gesellschaft spaltet, wie bereits in der Diskussion um die Streichung von Paragraf 219a aus dem Strafrecht deutlich geworden ist.

Diese Diskussion muss möglich sein und auch in der katholischen Welt geführt werden, wenn man vermeiden will, dass die Lehrmeinung der katholischen Kirche zu sexualethischen Fragen von den Menschen nicht mehr nachvollzogen wird.

Das Kolpingwerk kommt aus der Mitte der Gesellschaft und hat im Gegensatz zu den beharrenden Kräften in der Kirche verstanden, dass diese nur dann glaubwürdig bleibt, wenn sie mit den heute lebenden Menschen ins Gespräch kommt und sich ihren Sorgen und Nöten öffnet.  

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Christoph Nösser Bundesverfassungsgericht Kolpingwerk Lebensrechtsbewegung

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