Würzburg

Kirchenaustritt: Zahlen steigen wieder dramatisch an

Der massive Anstieg bei den Kirchenaustritten im Jahr 2018 war erwartet worden. Nun liegen die offiziellen Zahlen vor. Sie zeigen, dass die Probleme auch an anderen Ecken größer werden.
Ein Mann sitzt alleine in einer Kirche
Foto: Franziska Kraufmann (dpa) | Keine Überraschung: Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Jahr 2018 dramatisch angestiegen.

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche ist im vergangenen Jahr wieder deutlich angestiegen. Insgesamt 216.078 Menschen haben 2018 ihren Austritt aus der katholischen Kirche erklärt, ein Drittel mehr als noch im Jahr zuvor. Zwar wurde der Spitzenwert von 2014 – damals waren über 217.000 Menschen ausgetreten – nicht erreicht, aber auch im laufenden Jahr ist mit einer erneut deutlich überdurchschnittlichen Zahl zu rechnen. Grund dafür ist, dass der mutmaßliche Anlass für viele Kirchenaustritte, erst im Herbst vergangenen Jahres öffentlich wurde.

Lesen Sie auch:

  

Überall Verluste, seltene Lichtblicke

Neben dem Mitgliederverlust durch Austritte sind aber auch die übrigen in der vergangenen Woche von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vorgestellten Zahlen besorgniserregend. Fast alle Kennzahlen des kirchlichen Lebens weisen nach unten: Bei den Taufen, beim Gottesdienstbesuch, sogar bei den Bestattungen. Gerade bei den Sakramenten gibt es jedoch auch eine erfreuliche Ausnahme. Und: Selbst bei der Nettozahl der Kirchenmitglieder gibt es einen grünen Fleck auf der katholischen Deutschlandkarte.

Auf kirchenoffizieller Seite ist die negative Entwicklung der Kirchenstatistik seit Jahren bekannt und auch die dramatischen Steigerungen im aktuellen Zahlenwerk waren erwartet. Dennoch war vielen Reaktionen eine gewisse Ratlosigkeit anzumerken. Das bezeugen auch die Überschriften, die in den vergangenen Tagen zu lesen waren. Sie schlagen fast durchgängig die gleichen Töne an: Die Krise der Kirche in Deutschland verschärft sich immer weiter, weil sie nicht gut gemanagt wird.

DT/kma

Was die aktuelle Kirchenstatistik über das katholische Leben in Deutschland sagt und was von den Reaktionen der Verantwortlichen zu halten ist, lesen Sie in der Ausgabe der Tagespost vom 25. Juli.

Weitere Artikel
Klimapredigten und Kampf gegen Rechts tun es alleine nicht. Ohne ihre Kernkompetenz der Heilsvermittlung ist die Kirche offenkundig überflüssig. Ein Kommentar.
08.09.2022, 09  Uhr
Franziska Harter
Der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold schildert in einem Gastbeitrag, wie sich Katholiken konstruktiv mit Kirchenaustritten auseinandersetzen können.
27.08.2022, 07  Uhr
Andreas Wollbold
Themen & Autoren
Kilian Martin Bischofskonferenz Deutsche Bischofskonferenz Katholische Kirche Katholizismus Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kirchenaustritte

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung
Warum gibt es den Absolutheitsanspruch des Dogmas? Sind Lehre und Tradition in der Orthodoxie ein Gegensatz – oder vielmehr eine Notwendigkeit?
01.10.2022, 05 Uhr
Stefanos Athanasiou
...theologisch überfrachtet. Zum Orientierungstext des Synodalen Weges: Wie der Dekonstruktivismus feierlich in die katholische Kirche einzieht.
30.09.2022, 21 Uhr
Ludger Schwienhorst-Schönberger