Kirche

Kardinal: Moskau steckte hinter Papst-Attentat

Warschau (DT/KNA) Der ehemalige Papstsekretär und jetzige Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz bezweifelt, dass der Anschlag auf Johannes Paul II. vor genau 30 Jahren jemals vollständig aufgeklärt wird.
Johannes Paul II.  besuchte Ali Agca im Gefängnis und verzieh ihm.
Foto: dpa | Das Attentat durch Ali Agca bedeutete einen tiefen Einschnitt im Pontifikat. Die Hintergründe des Anschlags sind bis heute ungeklärt. Der Pontifex besuchte Ali Agca im Gefängnis und verzieh ihm.

Warschau (DT/KNA) Der ehemalige Papstsekretär und jetzige Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz bezweifelt, dass der Anschlag vor genau 30 Jahren jemals vollständig aufgeklärt wird. Auch der italienische Prozess gegen den Attentäter Ali Agca habe nicht die Wahrheit ans Licht gebracht, sagte Dziwisz am Donnerstagabend nach Angaben der polnischen katholischen Nachrichtenagentur KAI.

Verdacht fällt auf das Sowjetregime

Er vermute jedoch das einstige sowjetische Regime als Drahtzieher:

„Eine einfache Beurteilung ist wahrscheinlich goldrichtig: Ganz bestimmt war Moskau daran gelegen, den Papst zu entfernen“.

Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow bestritt stets einen Mordauftrag. Der aus Polen stammende Johannes Paul II. war ein entschiedener Kritiker der kommunistischen Regimes in Osteuropa. Er überlebte den Anschlag am 13. Mai 1981 schwer verletzt. Die polnische Tageszeitung „Rzeczpospolita“ berichtete unterdessen am Freitag, auch der deutsche Geheimdienst BND sei eineinhalb Monate nach dem Anschlag von einer Beteiligung des sowjetischen Geheimdienstes KGB ausgegangen. Das gehe aus Archivdokumenten des Warschauer Instituts des Nationalen Gedenkens (IPN) hervor.

Ermittlungen dauern immer noch an

Das für die Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen zuständige IPN bemüht sich seit 2006, die mutmaßlichen Auftraggeber des Papstattentats zu ermitteln. Ein Ende der Untersuchung ist dem Zeitungsbericht zufolge noch nicht in Sicht. Im Mittelpunkt des Ermittlungsverfahrens steht die Rolle der damaligen osteuropäischen Geheimdienste. 2009 erhielt das IPN von der italienischen Justiz mehr als 4 000 Seiten Akten zu dem Fall. Der Attentäter Agca wurde im Jahr 2000 nach 19 Jahren Haft in Italien begnadigt und in die Türkei abgeschoben. Dort saß er bis Anfang 2010 eine Reststrafe für den 1979 begangenen Mord an einem türkischen Journalisten ab.

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