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Kardinal Erdö würdigt Rocco Buttiglione

Ein Staatsmann darf sich nicht fürchten, gegen den Strom zu schwimmen, mahnt der Primas von Ungarn.
Philosoph und Politiker Rocco Buttiglione in Heiligenkreuz geehrt
Foto: elisabeth fuerst | Der Philosoph und Politiker Rocco Buttiglione wurde in Stift Heiligenkreuz geehrt. In Anwesenheit von Abt Maximilian Heim (links) hielt der ungarische Kardinal Peter Erdö die Laudatio.

Der italienische Philosoph und Politiker Rocco Buttiglione ist am Freitag im österreichischen Zisterzienserstift Heiligenkreuz mit dem Thomas-Morus-Preis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird vom „Alten Orden vom St. Georg“ an Persönlichkeiten verliehen, die im Sinn des heiligen Thomas Morus nicht der Macht, sondern dem Ideal der Gerechtigkeit dienen. Als Laudator dankte der Primas von Ungarn und Erzbischof von Esztergom-Budapest, Kardinal Peter Erdö, Buttiglione für sein christliches Bekenntnis und seine Konsequenz.

"Das Volk braucht kluge und aufrichtige Ratgeber"

Kardinal Erdö zitierte den Geehrten mit den Worten: „Um ein guter Berater des souveränen Volkes zu sein, darf ein Staatsmann sich nicht fürchten, gegen den Strom zu schwimmen.“ Für den Staatsmann genüge es nicht, Meinungsumfragen zu lesen, um den Leuten das zu sagen, was sie gerne hören wollen. Eine konsequente Nachahmung des Beispiels von Thomas Morus, dessen konsequent christliches Handeln ins Martyrium führte, sei auch heute möglich, so Erdö.

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Buttiglione selbst erinnere an das Jahr 2004, als er im Europäischen Parlament als Kandidat für die EU-Kommission wegen seiner Ansichten zur Homosexualität abgelehnt wurde. „Damals war ich Politiker, jetzt bin ich wieder ein freier Mensch“, sagte Buttiglione im Rückblick schmunzelnd. Seine damalige Argumentation fasste er so zusammen: „Ich habe das Recht zu denken, dass Homosexualität falsch ist, doch das hat nichts mit meiner Aufgabe in der EU-Kommission zu tun.“

An den Staatsmann und Autor Thomas Morus erinnernd, sagte Buttiglione: „Heute ist der Souverän nicht mehr der König, sondern das Volk. Und das Volk braucht kluge und aufrichtige Ratgeber.“ Ein kluger Ratgeber sei jener, der seinem Herrn die Wahrheit sagt. „Heute schenkt das Volk den Mächtigen unserer Zeit kein Vertrauen, weil es keine aufrichtige Kommunikation gibt.“ Das sei das Ende einer demokratischen Politik.  DT/thb

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