Missbrauch

Jugendseelsorgerin verteidigt Anerkennung der KPE

Missbrauchsaufarbeitung bei der KPE sowie die Anerkennung des Pfadfinder-Verbands seien seit Jahren intensiv geprüft worden, so Bianka Mohr, Leiterin der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge.
Jugendseelsorgerin verteidigt Anerkennung der KPE
Foto: Picasa | Bianka Mohr, Leiterin der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge, betont, dass Prävention, sexualisierte Gewalt und geistlicher Missbrauch im Gespräch mit der KPE um deren Anerkennung sehr wichtig gewesen sei.

Bianka Mohr, Leiterin der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj), hat die Anerkennung der „Katholischen Pfadfinderschaft Europas“ (KPE) durch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) verteidigt. Sowohl die Missbrauchsaufarbeitung bei der KPE als auch die Anerkennung des Verbands seien seit Jahren von unterschiedlichen Ebenen bearbeitet und gut geprüft worden, so die afj-Leiterin in einem Interview mit dem Online-Portal „katholisch.de“. Auch die Satzung der KPE sei in diesem Prozess überprüft, in einigen Punkten geändert und dann genehmigt worden.

Dabei sei es um die Einschätzung der aktuellen Arbeit und die Ausrichtung der KPE gegangen. „Da spielen viele Faktoren eine Rolle und nicht allein die Tatsache, dass es auch in der KPE Missbrauchsfälle gegeben hat. Wir sind schon letztes Jahr zu einer positiven Entscheidung in Bezug auf die Anerkennung gekommen“.

Mit der Frage der Aufarbeitung befasst

Die Themen Prävention, sexualisierte Gewalt und geistlicher Missbrauch seien im Gesprächsprozess wichtig gewesen, „aber eben auch, weil das in den vergangenen Jahren in jedem Jugendverband ein Thema war und noch heute ist“. Spätestens seit zehn Jahren sei klar, dass es in der gesamten katholischen Kirche und auch in den Verbänden Missbrauch gegeben habe. „Die Jugendverbände befassen sich im Moment alle mit der Frage, wie sie die Aufarbeitung gestalten – das ist natürlich auch bei der KPE so“, betont Mohr. Informationen zum Schutzkonzept vor Missbrauch sind auf dem Internetauftritt der KPE öffentlich zugänglich.

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Die KPE gilt als traditionelle katholische Jugendorganisation, die sich in ihrer Arbeit am Lehramt der Kirche orientiert. Die Anerkennung als kirchlicher Verein hatte im Januar Kritik aus den Reihen des „Bundes der Deutschen Katholischen Jugend“ (BDKJ), der Synodalversammlung und des DBK-Betroffenenbeirates geerntet. Grund der Kritik ist die konservative Ausrichtung der KPE sowie ein Missbrauchsfall.

Die Anerkennung hat keine materiellen Vorteile für die KPE

Bereits seit 2013 habe es auf Bitten der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz Gespräche zwischen der KPE und der afj gegeben, erläuterte Mohr in dem am Dienstag veröffentlichten Interview weiter. In diese Gespräche seien die beiden Pfadfinderverbände Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und die Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (PSG) rasch eingebunden worden. Im Rahmen der Anerkennung habe es dann ein vom Augsburger Bischof Bertram Meier initiiertes Gespräch zwischen den diözesanen Vertretern des BDKJ, der DPSG, der PSG sowie der Bundesleitung der KPE gegeben. Grund für die Anerkennung sei unter anderem der Wunsch der KPE gewesen, an Veranstaltungen der Jugendpastoral teilzunehmen, wie etwa an diözesanen Jugendtagen. Die Afj-Leiterin wies Gerüchte zurück, wonach die Anerkennung auch materielle Vorteile in Form von Geld oder anderen Zuwendungen für die KPE habe.

Die KPE existiert seit 1976 und gehört zu dem internationalen Dachverband „Union Internationale des Guides et Scouts d’Europe“, der vom Heiligen Stuhl als Internationale Vereinigung von Gläubigen päpstlichen Rechtes anerkannt ist. Die Union besitzt Partizipativstatus im Europarat und setzt sich aus rund 25 Mitgliedsvereinen in Europa und Amerika zusammen. 

Im Dezember von der DBK anerkannt

Im Dezember 2021 hat die Deutsche Bischofskonferenz die Katholische Pfadfinderschaft Europas als privaten kanonischen Verein anerkannt. Am 25. Januar hatte das Bistum Augsburg bekanntgegeben, dass der Verein in Abstimmung mit Bischof Meier ihren Sitz in die Diözese Augsburg verlegt hat. Auf der Vollversammlung des Synodalen Weges war daraufhin Kritik aus den Reihen der Synodalen an der konservativen Ausrichtung des Pfadfindervereins sowie an der Entscheidung der DBK laut geworden. Der DBK-Betroffenenbeirat monierte, nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen zu sein. Der BDKJ, die DPSG und die PSG lehnen in einer Stellungnahme vom 31. Januar die Zusammenarbeit mit der KPE ab, die „an veralteten Rollenbildern und Gesellschaftsmodellen“ festhalte, die nicht mit den Werten und der Arbeitsweise von DPSG, PSG und BDKJ übereinstimmen“. DT/fha

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