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Indien: Kardinal Woelki verteidigt Mutter-Teresa-Orden

Der Kölner Kardinal spricht von einem abgekarteten Spiel der hinduistischen Regierung. Dass diese gegen den christlichen Orden vorgeht hat für Woelki einen ganz bestimmten Grund.
Vorwürfe gegen Mutter-Teresa-Orden
Foto: Piyal Adhikary (EPA) | Woelki wirft der hinduistischen Regierung um Premierminister Narendra Modi vor, bewusst antichristliche Ressentiments zu verbreiten.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat den indischen Orden der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ gegen Vorwürfe des Kinderhandels verteidigt. Gleichzeitig beschuldigt er die hinduistischen Regierung um Premierminister Narendra Modi, bewusst antichristliche Ressentiments zu verbreiten. „Für mich ist das ein stark abgekartetes Spiel“, äußerte sich Woelki gegenüber dem Kölner Domradio. Vorwürfe gegen Minderheiten seien ein beliebtes Mittel.

Regierung will Indien zu hinduistischem Staat machen

„Es geht der Regierungspartei zum einen darum, Indien wieder sehr deutlich zu einemhinduistischen Staat werden zu lassen und den auch als solchen zu propagieren“, so der Kölner Erzbischof. Christen seien in Indien nur eine ganz kleine Minderheit von etwa zwei Prozent. „Und vor den Wahlen, die jetzt anstehen, wird natürlich aktuell versucht, wieder Stimmung zu machen.“ Zudem tue die Regierung dann auch ihres noch dazu, um deutlich zu machen, dass sie gegen Kinderhandel vorgehe.

Den von Mutter Teresa gegründeten Orden der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ nutze die Regierung nun medienwirksam aus. „Die Begriffe Mutter Teresa, Ordensschwestern und Kinderhandel verschaffen natürlich Aufmerksamkeit und Quote“, meinte Woelki. Allerdings habe der Orden bereits vor drei Jahren entschieden, sich aufgrund der neuen Gesetzeslage nicht mehr an dem Adoptionsverfahren, das in Indien gelte, zu beteiligen. „Das können nämlich die Ordensschwestern nicht teilen, weil es so liberalisiert ist, sie möchten die Kinder nicht mehr zur Adoption freigeben.“

Der Ordensschwester konnte nichts nachgewiesen werden

Seiner Kenntnis nach sei die Ordensschwester, gegen die die Vorwürfe erhoben wurden, von der Polizei verhört worden. Man habe ihr jedoch nichts nachweisen können. „Sie ist wieder in Freiheit“, so der Kölner Kardinal. Woelki, der gerade erst auf Einladung des Großerzbischofs der Syro-Malankarischen Kirche Indien bereiste, wies auch darauf hin, dass Kinderhandel im Land ein weit verbreitetes Verbrechen sei. Bis zu 100 000 Kinder würden jedes Jahr verschwinden.

DT/mlu

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