Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Interview über Kircheneintritte

„Es überwiegt das Gefühl der Zugehörigkeit“

Ein Gespräch mit Pater Kalle Lenz SAC, Pfarrvikar in Heilige Drei Könige Nord-Neukölln, über Wiedereintritte in die katholische Kirche.
Pater Kalle Lenz SAC
Foto: privat | „An sich ist der Wiedereintritt selbst relativ unkompliziert. Das wissen viele aber gar nicht. Erwachsenentaufe und auch die katholische Eheschließung sind viel aufwendiger", meint Pater Lenz.

Pater Lenz, welche Anlässe bewegen Menschen dazu, wieder in die Kirche einzutreten?

Der Wiedereintritt geschieht ja in zwei Schritten. Zunächst ein Gespräch über die Motive des Austritts und jetzt des Wiedereintritts. Und dann der Wiedereintritt durch das Gebet des Glaubensbekenntnisses. Somit werden ja die Gründe angesprochen – und sie sind sehr vielfältig. Bei den Austrittsgründen werden meist genannt: jahrelange Entfremdung, ein konkretes negatives Erlebnis, der Missbrauchsskandal und sehr oft die Frauenfrage und die Haltung der Kirche zur Homosexualität. Bei den Eintrittsgründen dominiert in meiner Erfahrung schlicht: Der Glaube ist geblieben und es ist konsequent, weiter dazuzugehören. Aber es gibt auch Anlässe wie einen Trauerfall, eine Krankheit, die Geburt eines Kindes, die die Glaubensfrage neu aufleuchten lassen. Und es können auch positive Glaubenserlebnisse dazu führen wie ein Weihnachtsgottesdienst, das überzeugende Beispiel eines Kirchenmitglieds, ein inspirierendes spirituelles Erlebnis. Natürlich gibt es auch Fälle, wo jemand wieder eintreten will, damit er eine berufliche Stelle in der Kirche haben kann. Da gilt es, gemeinsam ehrlich zu erspüren, wie stimmig das ist. Meiner Erinnerung nach kamen wir da immer zu einer tragfähigen Lösung. 

Lässt sich ein Trend feststellen? Steigen oder sinken die Zahlen? Haben die Wiedereingetretenen auch den Wunsch nach einem aktiven Glaubensleben? Oder geht es mehr um ein Zugehörigkeitsgefühl?

„Ich kenne auch mehrere Wiedereingetretene,
die richtig engagiert werden. In den Gremien,
im Krankenbesuchsdienst, als Gottesdienstbeauftragte"

Ich erlebe die Zahlen auf einem gleichbleibenden, überschaubaren Niveau. Also keinen Trend in eine Richtung. Anders als bei den Austrittszahlen: Die sind seit dem Umgang mit dem Missbrauchsskandal klar gestiegen, vor allem auch im Nahbereich, also Gemeindemitglieder, die man kennt. Beim Wiedereintritt überwiegt das Gefühl der Dazugehörigkeit. Manche sagen auch ganz klar: Rechnen Sie nicht damit, mich sonntags im Gottesdienst zu sehen. Aber ich kenne auch mehrere Wiedereingetretene, die richtig engagiert werden. In den Gremien, im Krankenbesuchsdienst, als Gottesdienstbeauftragte und so weiter. Und vereinzelt kenne ich auch Personen, die nach dem Wiedereintritt wieder ausgetreten sind. Manche dann sogar nochmal wieder ein. 

Welche Hürden ergeben sich auf dem Rückweg zur kirchlichen Gemeinschaft?

An sich ist der Wiedereintritt selbst relativ unkompliziert. Das wissen viele aber gar nicht. Erwachsenentaufe und auch die katholische Eheschließung sind viel aufwendiger. Da muss ich mich auch manchmal für die katholische Bürokratie entschuldigen. Schwierig kann es werden bei der Frage der Zulassung zu den Sakramenten. Das kann sehr frustrierend erlebt werden, wenn jemand nach dem Kirchenrecht offiziell nicht zur Kommunion gehen kann. Da würde ich mir einen pragmatischeren Umgang wünschen. Für die, die wirklich regelmäßig die Gottesdienste mitfeiern, sollte es eine Möglichkeit geben. Der Gott der Bibel ist ja bekannt dafür, dass „Jahwe – Ich bin da“ immer wieder Zukunftsoptionen eröffnet.

Welche Erfahrungen sind aus Ihrer Perspektive als Seelsorger die bemerkenswertesten?

Für mich gehören Wiedereintritte generell zu den schönen Erlebnissen. Da will jemand nochmal neu Gott und der Kirche eine Chance geben. Und es sind sehr persönliche Begegnungen und Gespräche. Oft fließen beim Wiedereintritt auch Tränen der Rührung und Ergriffenheit. Nur einmal habe ich mich benutzt gefühlt: Da ist jemand wieder eingetreten, um kirchlich heiraten zu können, und einige Monate später wieder ausgetreten. Aber wirklich bei den allermeisten erlebe ich eine ehrliche, aufrichtige Motivation.   

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