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Gänsweins Mission

Das neue Einsatzgebiet des Apostolischen Nuntius für das Baltikum, Erzbischof Georg Gänswein, laboriert an alten Wunden. Die Angst vor Russland ist allgegenwärtig.
Erzbischof Georg Gänswein in der Nuntiatur in Vilnius, Litauen.
Foto: Ekaterina Khvashchynskaya | Ein Stück Vatikan im Baltikum: Erzbischof Georg Gänswein in der Nuntiatur in Vilnius.

Sein neues Wirkungsfeld ist zweimal so groß wie Bayern. Seit August arbeitet Erzbischof Georg Gänswein als Apostolischer Nuntius für Estland, Lettland und Litauen an seinem neuen Dienstsitz in Vilnius. Beim Redaktionsbesuch dieser Zeitung wirkt der langjährige Sekretär von Papst Benedikt befreit und dynamisch. Er lernt Litauisch, besucht Bischöfe, Wallfahrtsorte und Pfarreien und bewegt sich unerkannt in einer Stadt, die wegen ihres hohen Anteils katholischer Bevölkerung und vieler prächtiger Kirchen als das „Rom des Baltikums“ gilt.

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Zugleich ist das Baltikum ein missionarischer Hotspot Europas an der militärisch brisanten Ostflanke der NATO. Ein Großteil der Bevölkerung Estlands ist ungetauft. Putins Krieg gegen die Ukraine ist im Baltikum allgegenwärtig. Nahezu jede litauische Familie hat während der sowjetischen Besatzungszeit ihr Kreuz mit den Russen zu tragen gehabt. „Das ist ein Volkstrauma“, sagt Erzbischof Gänswein. Vor allem zwischen den Orthodoxen kriselt es. Seit Februar gibt es in Litauen zwei staatlich anerkannte orthodoxe Kirchen. Dem neu gegründeten Exarchat des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel gehören mehrere Priester an, die zuvor dem Moskauer Patriarchat unterstanden.

Zum Stadtbild von Vilnius gehören neuerdings Bundeswehrsoldaten. Seit Dezember 2023 werden in der Hauptstadt Litauens Soldaten und zivile Beschäftigte einer Kampfbrigade stationiert. 5000 Bundeswehrangehörige werden die Allianz an der Ostflanke der NATO verstärken, nur wenige Kilometer von Russlands Bündnispartner Belarus wird ein Truppenübungsplatz entstehen. Das Baltikum ist die Achillesferse Europas.

Die Angst, der Ukrainekrieg sei Putins Generalprobe für den Angriff auf Estland, Lettland und Litauen ist allgegenwärtig. Der katholische Erzbischof von Vilnius, Gintaras Grusas, der auch Vorsitzender des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen ist, warnt seit langem vor russischen Expansionsbestrebungen und verweist auch auf die russische Propaganda.

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