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Gänswein sieht Glaubenswissen im freien Fall

Bei „Kirche in Not Österreich“ rät Erzbischof Georg Gänswein den deutschsprachigen Ländern, den Blick auf die Weltkirche hin zu weiten.
Erzbischof Georg Gänswein, langjähriger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI.
Foto: Daniel Karmann (dpa) | In einer Predigt im Grazer Dom ergänzte der Erzbischof: „Offenkundig gibt es heute eine neue Sehnsucht nach Gott.“ Diese spiele sich allerdings vor allem außerhalb der Kirche ab.

Zu einer Solidarität des Gebetes und der Tat mit den verfolgten Christen in aller Welt rief Erzbischof Georg Gänswein bei einer Tagung von „Kirche in Not Österreich“ auf. „Es gab in der Geschichte der Kirche keine Zeit, in der mehr Christen verfolgt wurden als in der Gegenwart – auch dort, wo man es nicht weiß“, sagte der langjährige Privatsekretär von Papst Benedikt XVI. am Samstag bei einem Begegnungstag des Hilfswerks in Graz. Vieles werde vom Vatikan nicht öffentlich gesagt, „damit Menschen nicht in Gefahr gebracht werden“. Der Heilige Stuhl versuche aber, den verfolgten Christen politisch und materiell zu helfen. Gänswein wusste zudem: „Im Gebetsleben jedes Papstes hat die verfolgte Kirche einen ganz festen Platz.“

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Ausdrücklich würdigte der Erzbischof die „sprichwörtliche Großzügigkeit“ der Katholiken in den deutschsprachigen Ländern. Ein Bischof aus einem armen Land habe ihm aber auch berichtet, dass es einfacher sei, eine Unterstützung für eine Wasserleitung oder ein Kühlaggregat zu erhalten als für die katechetische und pastorale Arbeit der Kirche. Leider würden manche in Deutschland die eigenen pastoralen Strategien für besser und vor allem für moderner halten. Hier gelte es darauf zu achten, ob ein „Baum gute Früchte bringt“.

Eine neue Sehnsucht nach Gott

Zur derzeitigen Bischofssynode in Rom sagte Erzbischof Gänswein bei der „Kirche in Not“-Tagung in Graz, die Kirche sei eine weltumspannende Familie. „Je mehr man voneinander weiß, desto besser versteht man sich – oder kann auch Tacheles miteinander reden.“ Im deutschen Sprachraum hätten die Strukturfragen weithin so große Bedeutung, dass die Fragen des Glaubens übersehen würden. In den Ländern Afrikas sei das eher umgekehrt. „Wir könnten auch Mission andersherum machen“, so Erzbischof Gänswein dazu. 

Im deutschsprachigen Gebiet sei das Glaubensleben und auch das Glaubenswissen „im freien Fall“. In anderen Ländern seien die Katholiken zwar eine Minderheit, „aber das Glaubensleben blüht“. Hier könne es eine Hilfe sein, den Blick auf die Weltkirche hin zu weiten. Wörtlich sagte Erzbischof Gänswein: „Wenn Strukturen der Verkündigung des Glaubens nicht mehr helfen, dann müssen sie geändert werden – nicht der Glaube.“ Die Strukturen müssten dem Glauben dienen und dürften ihn nicht ersetzen.

In einer Predigt im Grazer Dom ergänzte der Erzbischof: „Offenkundig gibt es heute eine neue Sehnsucht nach Gott.“ Diese spiele sich allerdings vor allem außerhalb der Kirche ab. Darüber hinaus gebe es viele Sinnsucher: „Viele wollen ohne Gott dem Geheimnis ihres Lebens auf die Spur kommen.“ Die Einladung richte sich an alle, denn Gottes Gnade ist unbegrenzt, „aber sie ist nicht beliebig“. Gänswein wörtlich: „Das Geheimnis des Glaubens ist niemandem verschlossen, aber es kann sein, dass Menschen sich ihm verschließen.“  DT/sba

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