Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Frauendiakonat: Höchste Zeit für einen Schlussstrich

Berufungsfragen im Stil einer deutschen Tarifverhandlung durchdrücken? Der Machtkampf um die Rolle der Frau wird sich nicht durch ein Pseudodiakonat lösen lassen.
Kirchenredakteurin Einig, Frauenweihe-Aktivistin
Foto: DT / IMAGO / Avalon.red | Der Machtkampf um die Rolle der Frau wird vielleicht nicht nur in Deutschland, aber vor allem im Westen ausgetragen. Im Bild eine englischsprachige Frauenweihe-Aktivistin bei einer Aktion in Rom.

Gebetsmühlenhaft bestätigen römische Kommissionspapiere den Gläubigen seit Jahren, dass Frauen keinen Zugang zum sakramentalen Weiheamt – Diakonat inklusive – haben. Es braucht nicht einmal den Blick in die Konzilstexte und die von den Konzilsvätern beschlossene Einheit des dreistufigen Weiheamts, um die Fruchtlosigkeit einer Fortsetzung dieser Debatte zu erkennen. Das Diakonat ist ursprünglich auf Werke der Barmherzigkeit, sprich: auf die Caritas, ausgerichtet. Dafür braucht es überhaupt kein Weiheamt. Nahezu jede Gemeinde kann aber ein Lied von fehlenden Ehrenamtlichen singen, die ihre Zeit in tätige Nächstenliebe investieren wollen.

Lesen Sie auch:

Die Fülle der Angebote und neu geschaffenen Berufe seit dem Zweiten Vatikanum hat die Herzen für die Menschen aber nicht weiter geöffnet, im Gegenteil: Vielerorts herrscht inzwischen die Meinung vor, dass Besuche im Seniorenheim und praktische Hilfe für Familien in Not doch bitteschön von Hauptamtlichen erledigt werden sollten, die schließlich von der Kirche dafür bezahlt werden. Während immer mehr Bistümer offene Stellen für Pastoralassistentinnen und Gemeindereferentinnen nicht mehr nachbesetzen können und das Interesse an der Ausbildung für diese Berufe drastisch gesunken ist, müssten sich die Gläubigen im deutschsprachigen Raum schon gewaltig verrenken, um an die Sinnhaftigkeit eines neu zu konzipierenden Diakoninnenamts zu glauben.

Auch das von Papst Franziskus eingeführte Katechistenamt wird in Deutschland bis dato nur punktuell angenommen. Der binnenkirchliche Machtkampf um die Rolle der Frau wird sich auch nicht durch ein Pseudodiakonat, das die sakramentale Weihe durch eine wie auch immer geartete Beauftragung umgeht, die Bezeichnung aber irreführend einsetzt, lösen lassen. Hier braucht es statt weiterer Totgeburten einen Schlussstrich, um weiteren Schaden vom Weiheamt abzuhalten.

Berufungsfragen lassen sich nicht im Stil einer Tarifverhandlung durchdrücken. Vor allem in den Ländern des globalen Südens leben Frauen vor, dass es kein Weiheamt braucht, um Verantwortung in den Gemeinden zu übernehmen. Wie will eine überschaubare Zahl von Glaubensschwestern im deutschsprachigen Raum ihr stures Beharren auf Zugang von Frauen zu allen sakramentalen Ämtern denn begründen? Mit der Weigerung, von den Schwestern im globalen Süden zu lernen?

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Regina Einig Caritas Diözesen Papst Franziskus

Weitere Artikel

Das Bistum Oslo will ein Seligsprechungsverfahren für die norwegische Literatur-Nobelpreisträgerin Sigrid Undset eröffnen. Was macht sie zum christlichen Vorbild?
19.07.2026, 13 Uhr
Claudia Kock

Kirche

Wie aus der Schwester des Märtyrers Jacques Hamel und der Mutter des Mörders Freundinnen wurden. Das Meeting in Rimini startet mit emotionalem Höhepunkt – und morgen kommt der Papst.
21.08.2026, 19 Uhr
Guido Horst
Mehr als reine Übersetzung: Wie Pierre Perrier die mündliche Weitergabe der Heiligen Schrift und ihre Verschriftlichung in der aramäischen „Peschitta“ gewichtet.
23.08.2026, 11 Uhr
Margarete Strauss
Das Himmelreich kennt ein draußen und ein drinnen. Die Schlüssel sind Petrus anvertraut. Aber was ist mit dieser Schlüsselgewalt ausgesagt?
22.08.2026, 21 Uhr
Martin Seiberl