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Ein „Geschenk des Himmels“

Die Wallfahrtskirche Maria Vesperbild hat nach langer Sanierung wieder ihre Tore geöffnet. Der Augsburger Bischof sieht darin ein „Bild der Erneuerung für die Kirche“.
Wiedereröffnung von Maria Vesperbild
Foto: Merz | In seiner Predigt ging Bischof Meier dann auch auf die aktuelle Situation der Kirche ein. Es brauche ein neues Pfingsten; geschart um Maria im Gebet.

„Was lange währt, wird endlich gut!“ Diesen Ausspruch kann man in Maria Vesperbild mit großer Erleichterung tun, vielleicht sogar ergänzen: „Sehr gut“! So wurde die Wallfahrtskirche in der „schwäbischen Hauptstadt Mariens“ in den vergangenen vier Jahren unter vielen Verzögerungen nicht nur vollumfänglich saniert, sondern auch ergänzt. Denn nicht nur der alte Westeingang ist wieder in Betrieb, sondern der Neu-Rokoko-Hochaltar von 1960 erhielt hinterhalb eine optische Ergänzung mit geschnitzten Pilastern und einem Vorhang. Hierfür wurde im Auszug wieder das Ostfenster geöffnet. Dies mag als Symbol für die notwendige kirchliche Neuorientierung angesehen werden, bei dem man sich wieder neu auf Jesus Christus ausrichten sollte, der „Sonne der Gerechtigkeit“.

Erneuerung ist kein leeres Wort

Genau darauf ging der Augsburger Diözesanbischof Bertram Meier auch am Anfang des Pontifikalamts am Sonntag ein, der die Wiedereröffnung als „Bild der Erneuerung für die Kirche“ sah, die gerade in Deutschland „brüchig und renovierungsbedürftig“ ist.  

Dass Erneuerung hier kein leeres Wort ist, beweisen die bereits eine halbe Stunde vor Messbeginn vollen Sitzplätze mit Pilgern jeglicher Altersstufe und den hier beheimateten Pfadfinderinnen der KPE in den ersten Bankreihen. Dies ist bei kirchlichen Festveranstaltungen wahrlich kein Standard mehr; ebenso die Übertragung auf die neuen Außenbildschirme. Auch Radio Horeb, K-TV und regionale Medienvertreter waren gekommen. Liturgisch wurde der Erneuerung Ausdruck verliehen, indem zu Beginn das „Sonntägliche Taufgedächtnis“ mit dem österlichen lateinischen „Vidi aquam“ begangen wurde.

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In seiner Predigt ging Bischof Meier dann auch auf die aktuelle Situation der Kirche ein. Es brauche ein neues Pfingsten; geschart um Maria im Gebet. Damals im Abendmahlssaal empfingen die Apostel den heiligen Geist. Dies sei die erste Synode der Kirche gewesen; die Apostel die Synodenväter und Maria die erste „Synodalin“. Dies sei der Schlüssel zur Erneuerung der Kirche. Es brauche weniger Strategen und Organisatoren, sondern Zeugen, die vom heiligen Geist erfüllt von Gott künden. Im Hören auf die Stimme des Guten Hirten liege die Zukunft der Kirche. In diesem Zusammenhang und im Bezug auf das Sonntagsevangelium zitierte Bischof Meier die Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“: „So ist die Kirche der Schafstall, dessen einzige und notwendige Tür Christus ist. Sie ist auch die Herde, als deren künftigen Hirten Gott selbst sich vorherverkündigt hat. Wenngleich ihre Schafe von menschlichen Hirten geleitet werden, so werden sie dennoch immerfort von Christus, dem guten Hirten und dem Ersten der Hirten, geführt und genährt, der sein Leben hingegeben hat für die Schafe.“

Es braucht Fixpunkte und Grenzen

Das heiße nicht, so Meier weiter, dass man sich neuen Aspekten und Ansätzen in der Theologie verschließen solle, es brauche Fixpunkte und Grenzen, die man nicht überschreiten könne, ohne die göttliche Offenbarung aufs Spiel zu setzen. Denn Christus sagt: „Ich bin Tür, wer durch mich hineingeht, wird gerettet werde.“ Dabei gehe es nicht darum, Applaus zu erhaschen: „Per crucem ad lucem“. Am Schluss verwies Bischöfe Bertram auf die Pietá, das Gnadenbild des Hochaltares. Dort zeigt der Finger des Toten Jesus vom Schoß seiner Mutter auf den Tabernakel und den Altar der Wallfahrtkirche herab. Dort werde bei jeder heiligen Messe gegenwärtig, was am Kreuz geschah. Hier könne man an Tod und Auferstehung Jesu teilhaben, und seinen Leib empfangen; so werden alle Gläubigen zu Missionaren.

Dieser Gedanke wurde bei den Fürbitten aufgegriffen, als unter anderem um „unzählige gläubige Familien“ gebetet wurde. Ein besonderer Akzent wird in Maria Vesperbild dadurch gesetzt, daß die Eltern-Kind-Kapelle liebevoll renoviert und mit einem neuen modernen Fenster versehen wurde, das den schmalen Weg zeigt, der zum Leben führt (Mt 7, 13f.) und den heiligen Geist mit seinen „Sieben Gaben“. Auch moderne Kunst ist an diesem Ort zu finden, denn wie Wallfahrtsdirektor Reichart im Gespräch mit dieser Zeitung sagte: „Wir geben Schätze weiter, die wir empfangen haben. Und in Maria Vesperbild sieht man gut, wie unter der Führung des Heiligen Geistes Traditionen organisch gewachsen sind und sich ohne Bruch weiterentwickelt haben […].“ 

Dieser Geist waltete wohl während der ganzen heiligen Messe, denn man schien an die Strophe der Fronleichnamssequenz erinnert: „Laut soll unser Lob erschallen und das Herz in Freude wallen, denn der Tag hat sich genaht, da der Herr zum Tisch der Gnaden uns zum ersten Mal geladen und dies Brot geopfert hat“, so inbrünstig riefen die Gläubigen im prallgefüllten Kirchenschiff ihrem Oberhirten am Hochaltare die liturgischen Antworten und Gesänge zu; ganz besonders beeindruckend beim „Te Deum“ der Blaskapelle der Musikvereinigung Memmenhausen, die sowohl den Gottesdienst als auch den Empfang auf dem Vorplatz gekonnt musikalisch umrahmte, zu dem die Wallfahrtsdirektion alle Gläubigen bei eigens kreierten Maria-Vesperbild-Sektgläsern einlud. Noch zahlreiche Danksagungen und Grußworte fanden unter regem Treiben aller Altersschichten statt. Vielleicht jetzt schon ein „Geschenk des Himmels“, das Bischöfe Bertram dem „Gnadenort“ Maria Vesperbild am Ende wünschte und durch diesen der ganzen Diözese Augsburg.

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