Ahrweiler

Die Flut mehr gehört als gesehen

Es war laut und stinkend. Ein Pfarrer aus Ahrweiler berichtet in Interview über die Flut im Ahrtal.
Blick in die Kita St.Pius in Ahrweiler
Foto: Thomas Frey (dpa) | Die Flut war laut und stank, so erinnert sich Pfarrer Meyrer an die Flut im Ahrtal.

Pfarrer Jörg Meyrer von Bad-Neuenahr-Ahrweiler hat ein Jahr nach der Flut seine Erlebnisse in einem Buch verarbeitet. Im Gespräch mit der Tagespost erinnert er sich an die Nacht, in der das Wasser den Ort überflutete und er mit einem syrischen Mitbewohner versuchte, das Pfarrhaus noch ein wenig zu schützen und die Türen abzudichten. „Ich habe es als laute, stinkende und vor allem dunkle Nacht in Erinnerung, - die Flut habe ich mehr gehört als gesehen.“  

Lesen Sie auch:

Alles ungewiss

Vieles  sei vollständig zerstört, die Menschen seien immer noch dabei, Normalität wieder herzustellen, bilanziert er heute. Das werde in etlichen Bereichen Jahre dauern. In seinem Sprengel gebe es 22 geflutete Gebäude, darunter drei Pfarrkirchen, zwei Kapellen, drei Kindergärten, zwei Pfarrhäuser. Die ersten Schätzungen gehen von 22 Millionen Euro Schadenssumme aus. Die Gutachter veranschlagten noch eine höhere Summe. Die ersten Kostenvoranschläge liegen um das Dreifache über den Ansätzen der Gutachten.

Der Geistliche unterstreicht, dass es nicht nur seiner Gemeinde so gehe: „Damit haben alle zu kämpfen. Dazu kommen die komplizierten Beantragungsverfahren, die langen Wartezeiten auf Genehmigungen, der Handwerker- und Materialmangel. Und die Ungewissheit, mit welchen Zuschüssen wir rechnen können.“

Nach der Flut hat er nachts seine Tageseindrücke bei Facebook eingestellt. Der Bonifatiusverlag habe aufgrund dieser Einträge vorgeschlagen, ein Buch über die Katastrophe zu machen. Ausdrücklich hebt Meyrer die Hilfe syrischer Flüchtlinge hervor. Sein Mitbewohner habe auch an seinem Arbeitsplatz über die Maßen mitgeholfen. Er, Meyrer, habe „ganze Gruppen von Syrern“ in Erinnerung, die als freiwillige Helfer gekommen seien. DT/reg

 

Lesen Sie das Interview mit Pfarrer Meyrer in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Weitere Artikel
Vier Juristen haben für Benedikt XVI. die Vertuschungs-Vermutung der Münchener Anwaltskanzlei WSW und den öffentlich erhobenen Vorwurf der Falschaussage gegen den emeritierten Papst untersucht.
08.02.2022, 12  Uhr
Der emeritierte Papst rede sich in seiner Stellungnahme nicht raus, so der Psychiater und Bestseller-Autor Manfred Lütz. Stattdessen übernehme er „ohne Wenn und Aber“ Verantwortung.
08.02.2022, 16  Uhr
Meldung
Themen & Autoren
Vorabmeldung Pfarrer und Pastoren

Kirche

Kirchliche Stimmen begrüßen die Aussicht auf besseren Lebensschutz Ungeborener – Deutscher Familienbischof kritisiert Härte der Auseinandersetzung .
03.07.2022, 19 Uhr
Maximilian Lutz
Wer lernt, überlebt: Was die Kirche in Deutschland vom Weltfamilientreffen mitnehmen sollte.
02.07.2022, 07 Uhr
Franziska Harter
Forschungsprojekt bringt einen Fall aus dem Erzbistum Paderborn ans Licht. Nach Angaben des Erzbistums hat Becker, zu jener Zeit Personaldezernent, gemäß der damaligen Rechtslage gehandelt.
01.07.2022, 11 Uhr
Meldung
Bischof Genn beurlaubt Dompropst Schulte nach Vorwürfen wegen grenzüberschreitendem Verhalten.
02.07.2022, 15 Uhr
Heinrich Wullhorst
Der klassische römische Ritus ist weder tot noch in seiner Existenz gefährdet. Daran ändert auch das neue Papstschreiben nichts.
30.06.2022, 11 Uhr
Regina Einig