Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nachruf auf César Ortiz-Echagüe

Der Architekt, der nur noch Priester sein wollte

Mit 56 Jahren ließ César Ortiz-Echagüe seine Architektenkarriere hinter sich und wurde Priester. Nun ist der langjährige Regionalvikar des Opus Dei in Deutschland mit 99 Jahren gestorben.
César Ortiz-Echagüe verstorben
Foto: Opus Dei Deutschland | 1983 wurde César Ortiz-Echagüe von Papst Johannes Paul II. zum Priester geweiht. Ein Jahr später kam er als Regionalvikar nach Deutschland, dessen Sprache und Kultur ihm seit seiner Schulzeit vertraut waren.

Wer César Ortiz-Echagüe in seinen Jahren als Regionalvikar des Opus Dei in Deutschland von 1984 bis 1996 oder überhaupt als Priester kannte, konnte sich kaum vorstellen, dass der bescheidene, stets herzliche Mann einmal zu den herausragenden Architekten Spaniens gehört hatte. Er selbst machte wenig Aufhebens davon. Nicht nur, weil diese glänzende Karriere lange zurücklag, sondern vor allem, weil er sie hingegeben hatte, als er 1983 mit 56 Jahren zum Priester geweiht wurde – um nach einem Wort des Gründers des Opus Dei, des heiligen Josefmaria, nur noch Priester zu sein. Am Sonntag ist César Ortiz-Echagüe im Alter von 99 Jahren in Madrid gestorben.

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Ortiz-Echagüe gehörte zu den Wegbereitern der modernen spanischen Nachkriegsarchitektur. 1957 erhielt er als erster spanischer Architekt den Reynolds Memorial Award des American Institute of Architects für die Mitarbeiterkantinen des SEAT-Werks in Barcelona. In der Jury saß Ludwig Mies van der Rohe, dessen Werk ihn stark beeinflusste. Wegen seiner rationalistischen Architektur aus Stahl und Glas wurde Ortiz-Echagüe selbst als „spanischer Mies van der Rohe“ bezeichnet.

Seit 1945 Mitglied des Opus Dei

Zwölf Jahre arbeitete er mit Rafael Echaide zusammen. Er entwarf Bauten für SEAT und die Banco Popular sowie die Schulen Tajamar und Retamar. Tajamar im Madrider Arbeiterviertel Vallecas bezeichnete er noch im hohen Alter als sein liebstes Werk. Er war maßgeblich an der Gründung der Architekturfakultät der Universität Navarra beteiligt und koordinierte den Bau des von Heliodoro Dols entworfenen Marienheiligtums Torreciudad. 1974 wurde er in die Bayerische Akademie der Schönen Künste aufgenommen.

Dem Opus Dei hatte sich der 1927 Geborene bereits 1945 angeschlossen, als er an der Deutschen Schule in Madrid sein Abitur machte – das Zeugnis trägt das Datum 8. Mai 1945, wovon er später gerne amüsiert erzählte. Nach Jahren in der Regionalleitung in Spanien rief ihn Álvaro del Portillo, der erste Nachfolger Josemaría Escrivás, nach Rom in die Zentralleitung. 1983 weihte ihn Papst Johannes Paul II. zum Priester. Ein Jahr später kam er als Regionalvikar nach Deutschland, dessen Sprache und Kultur ihm seit seiner Schulzeit vertraut waren.

Herzlichkeit, Einfachheit und entwaffnende Bescheidenheit

Mit der Universität Navarra verbindet ihn noch ein anderes Vermächtnis. Sein Vater José Ortiz Echagüe war Ingenieur und einer der bedeutenden spanischen Fotografen des frühen 20. Jahrhunderts. César sorgte dafür, dass dessen umfangreicher fotografischer Nachlass an die Universität gelangte. Rund 1.100 Fotografien und Zehntausende Negative bildeten den Grundstock der heutigen Fotosammlung des Universitätsmuseums.

Wer César Ortiz-Echagüe begegnete, lernte keinen Mann kennen, der von seinen Auszeichnungen und Erfolgen erzählte. In Erinnerung bleiben seine Herzlichkeit und Einfachheit sowie seine entwaffnende Bescheidenheit. Noch mit 97 Jahren sprach er in Alcalá de Henares vor Architekturstudenten. Die Stiftung Alejandro de la Sota erinnert an ein Gespräch „voller Klarheit und Menschlichkeit“ und an einen Architekten, der bei denen, die ihn kennenlernen und ihm zuhören durften, „tiefe Spuren hinterlassen“ habe. Die Worte der Stiftung in Ortiz-Echagües Würdigung auf „LinkedIn“: „Danke, César, für alles, was du uns beigebracht hast“, können sich zahlreiche Menschen zu eigen machen.

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