Ja, es gibt Aufbrüche in der katholischen Kirche. Dort, wo der auferstandene Christus im Mittelpunkt steht. Wieder ließen sich in Frankreich und Deutschland viele Erwachsene zu Ostern taufen. Und jüngst schlug sich die Aufbruchsstimmung auch in den Anmeldungszahlen zur traditionellen Chartres-Wallfahrt nieder: 24 Stunden nach Anmeldungsbeginn waren bereits 14.000 Plätze – von insgesamt 20.000 – ausgebucht. Die Hälfte der Pilger ist keine 30 Jahre alt. Was sie erwartet: eine Wallfahrt, bei der man die heilige Messe im überlieferten Ritus feiert. Lehramtstreu, geprägt von Stille, Anbetung und klarer Theologie. Ohne Kommunionhelfer, ohne Pastoralreferenten, ohne Frauen am Altar. Es mag radikal klingen. Und das soll es auch sein. Denn nur radikale Nachfolge Christi ist anziehend. Aus diesem Grund wächst diese Wallfahrt stetig.
Manche Dinge kann man nicht dem Zeitgeist anpassen. Ein einfaches und eingängiges Beispiel wäre dafür das Gebot „Du sollst nicht töten“. Dass selbst das mittlerweile in bestimmten Kreisen nicht mehr dem modernen Zeitgeist zu entsprechen scheint, wäre ein anderes Thema. Etwas, das ebenfalls ewig bleiben sollte, ist eben die katholische Kirche als von Christus gestiftete Institution. Menschen werden immer „geistiges Schwarzbrot statt verdünntes Evangelium“ von ihr fordern. Und keine Kopie einer protestantischen Kirche. Wird ihnen das verwehrt, dann gehen sie.
Etwa, wenn die Innenstadtpfarrei eines großen deutschen Bistums plötzlich das Sakrament der Beichte nicht mehr anbietet. Oder wenn der Universitätspriester auf der Internetseite den Fokus darauf richtet, mit welchem Pronomen er angesprochen werden möchte. Dann ist die Kirche nicht mehr anziehend. Dann suchen die Menschen sich andere Orte, an denen sie ihren natürlichen Sehnsüchten nach Transzendenz vermeintlich nachkommen können. Chartres wirkt dem entgegen. Die Wallfahrt ist Teil des Aufbruchs. Ein Zeichen, dass die Botschaft Jesu sich immer ihren Weg in der Welt bahnen wird.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.










