Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Norwegen

Bischof von Oslo ruft zur Wiederentdeckung der Beichte auf

In einem Hirtenbrief nimmt Fredrik Hansen den Gläubigen die Angst vor der Beichte. Er empfiehlt, mindestens dreimal im Jahr das Sakrament der Buße zu empfangen.
Fredrik Hansen
Foto: Imago/NTB | In seinem Hirtenbrief sagt Bischof Frederik Hansen, dass er sich dazu verpflichtet fühlt, den Gläubigen zu helfen, die sich vor der Beichte scheuen.

Mit einem eindringlichen Hirtenbrief hat der Bischof von Oslo, Fredrik Hansen, die Gläubigen aufgefordert, den Wert des Bußsakraments neu zu entdecken und die Beichte wieder regelmäßig zu empfangen. Das Schreiben zum fünften Fastensonntag 2026 verbindet theologische Klarheit mit einem ungewöhnlich direkten, fast persönlichen Ton. Hansen begnügt sich nicht mit allgemeinen Ermahnungen, sondern gibt eine konkrete Orientierung: Er empfiehlt, mindestens dreimal im Jahr zur Beichte zu gehen.

Lesen Sie auch:

Der Bischof erinnert daran, dass die Sakramente „zum liturgischen Leben der Kirche“ gehören. Sie seien von Christus eingesetzt, „von Gott gewollt“ und „entspringen dem Heilswerk Jesu“. Deshalb würden sie „zu Recht als Gnaden- und Heilsmittel bezeichnet“. Im Bußsakrament empfange der Mensch die Vergebung der Sünden; zugleich werde die Gemeinschaft mit Gott und der Kirche erneuert. 

„Indem wir sündigen, versuchen wir, Gottes Platz einzunehmen“

Um die Vergebung zu verstehen, müsse zunächst erkannt werden, „was Sünde ist und was sie mit uns macht“. Hansen erinnert an das Schuldbekenntnis der Messe, in dem von Sünden in „Gedanken, Worten, Taten und Unterlassungen“ die Rede ist, und formuliert zugespitzt: „Indem wir sündigen, versuchen wir, Gottes Platz einzunehmen und uns selbst zu Richtern über Gut und Böse zu machen, so wie es Adam und Eva im Garten Eden taten.“

Sünde, so schreibt er, verletze die Beziehung zu Gott, zur Kirche und zum Nächsten; schwere Sünde könne diese Bindung sogar zerreißen. Zugleich betont Hansen, dass nicht die Sünde das letzte Wort habe, sondern die göttliche Barmherzigkeit. Die Beichte erscheint in seinem Brief daher nicht als bedrückende Pflicht, sondern als konkrete Begegnung mit der heilenden Gnade Gottes: „Wenn es etwas gibt, was unser Glaube deutlich verkündet, dann ist es, dass Gott reich an Barmherzigkeit ist und sich über jeden einzelnen Sünder freut, der umkehrt.“

Sakrament zur Buße als lebendiger Teil des Lebens aller Gläubigen

Hansen spricht ausdrücklich jene an, denen die Beichte schwerfällt – weil ihre letzte Beichte lange zurückliegt, weil sie unsicher sind, was sie sagen sollen, oder weil sie sich mit Schuld beladen fühlen. Gerade ihnen will er helfen, die Schwelle zum Beichtstuhl wieder zu überschreiten. Der Weg dorthin, so formuliert er, müsse kurz und frei von Hindernissen sein. „Als euer Bischof fühle ich mich verpflichtet, jenen Gläubigen zu helfen, die sich aus dem einen oder anderen Grund scheuen, zur Beichte zu gehen“, schreibt er und bittet sie, ihm persönlich zu schreiben, was es euch schwer macht, zur Beichte zu gehen, damit wir gemeinsam das Sakrament der Buße zu einem lebendigen Teil des Lebens aller Gläubigen machen können“.

Zugleich wendet sich Hansen an die Priester. Sie sollen den Zugang zum Sakrament leichter und selbstverständlicher machen, selbst mit gutem Beispiel vorangehen und regelmäßig sowie treu beichten. Zur Vorbereitung auf das Sakrament erinnert der Bischof an Gewissenserforschung, Reue und den Vorsatz zur Besserung. Er empfiehlt Zeiten der Stille und des Gebets sowie die Orientierung an den Zehn Geboten und an der Heiligen Schrift.

Gute Beichtpraxis bedeutet mehr als einmal im Jahr

Schließlich unterstreicht Hansen, dass eine gute Beichtpraxis „mehr als eine Beichte im Jahr“ bedeute. Jeder Gläubige solle regelmäßig zur Beichte gehen: „So werden wir dazu erzogen, unser Leben auf Sünden der Schwäche zu prüfen, Gottes Gesetz immer tiefer zu verstehen und mit Eifer die Heiligkeit anzustreben, zu der der Herr uns ruft.“ Deshalb fordert er alle Gläubigen auf, „mindestens dreimal im Jahr zur Beichte zu gehen: in der Fastenzeit, im Sommer vor dem Fest des Heiligen Olav und in der Adventszeit.“

Lesen Sie auch:

Der Brief schließt mit einem Hinweis auf die bevorstehende Karwoche und die österlichen Geheimnisse, von denen, wie der Bischof schreibt, „der Sieg über den Tod und die Sünde ausstrahlt“.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
José García Bischöfe Bußsakrament Gläubige Jesus Christus

Weitere Artikel

Es soll als Vorlage für den kleinen Prinzen gedient haben: Das Prager Jesuskind, gerade mal 47 Zentimeter groß, lockt Gläubige und Besucher aus aller Welt zu sich.
24.09.2025, 07 Uhr
Andreas Drouve
Ein aktueller priesterlicher Leitfaden für gute Beichtväter und solche, die es werden wollen.
20.02.2026, 09 Uhr
Andreas Wollbold

Kirche

Mit einem feierlichen Requiem nahmen Kirche und Politik Abschied von Erfurts langjährigem Bischof Joachim Wanke. Bischof Feige erinnerte auch an seinen „legendären" Sinn für Humor.
22.03.2026, 11 Uhr
Meldung
Inmitten von Gewalt und Bedrohung setzt der Libanon ein sichtbares christliches Zeichen in der Bekaa-Ebene – als Pilgerstätte und Ort der Erneuerung.
20.03.2026, 14 Uhr
José García
Vor 50 Jahren fand in Argentinien ein rechter Militärputsch statt. Will Präsident Javier Milei die bisher bestehende Gedenkkultur an die Opfer der Diktatur schleifen?
23.03.2026, 17 Uhr
Michael Meyer
Wenn der Römer essen geht, darf man auch mal Luft ablassen. Vor allem dann, wenn die kuriale Papierflut kein Ende nimmt.
22.03.2026, 05 Uhr
Mario Monte