Sydney

Australischer Erzbischof: Corona-Impfstoff muss ethisch vertretbar sein

Ein potenzieller Corona-Impfstoff müsse ethische Standards berücksichtigen, mahnt der Erzbischof von Sydney. Auf das Zellgewebe abgetriebener Föten zurückzugreifen sei „zutiefst unmoralisch“.
Australiens Regierung sichert sich potenziellen Corona-Impfstoff
Foto: DAN HIMBRECHTS via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die australische Regierung hat ein Abkommen mit dem britischen Arzneimittelhersteller Astra Zeneca geschlossen und sich damit 25 Millionen Dosen eines potenziellen Impfstoffes gegen COVID-19 gesichert.

Der australische Bischof von Sydney, Anthony Fisher, hat die Regierung seines Landes dazu aufgerufen, einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zu finanzieren, der ethische Standards berücksichtige. „Ich befürworte Impfstoffe ausdrücklich – und nicht nur solche gegen COVID-19 – solange sie sicher und ethisch entwickelt wurden“, schreibt der Erzbischof in einem Gastbeitrag für die Zeitung „The Catholic Weekly“

Zellgewebe abgetriebener Föten verwendet

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Die australische Regierung hatte zuvor ein Abkommen mit dem britischen Arzneimittelhersteller Astra Zeneca geschlossen und sich damit 25 Millionen Dosen eines potenziellen Impfstoffes gegen COVID-19 gesichert. Dieser muss zwar noch eine klinische Testphase durchlaufen, gilt aber derzeit als eines der aussichtsreichsten Präparate gegen das Coronavirus. Die Kritik entzündet sich daran, dass der mögliche Impfstoff jedoch aus der Zelllinie einer Niere entwickelt wurde, die einem abgetriebenen Fötus entnommen worden war

Fisher wies auch darauf hin, er betrachte eine Verwendung des zur Diskussion stehenden Impfstoffes nicht als „unethisch“, wenn keine alternatives Produkt zur Verfügung stehen sollte. „Wer dies tut, würde an keiner Abtreibung mitwirken, die in der Vergangenheit vorgenommen wurde oder in Zukunft noch durchgeführt wird.“ In jedem Fall sei es aber geboten, ethisch unbedenkliche Alternativen zu verfolgen.

Offener Brief an die australische Regierung

Der Erzbischof von Sydney hatte sich vor der Veröffentlichung des Beitrags im „Catholic Weekly“ bereits einem offenen Brief an die australische Regierung angeschlossen. In dem auf den 20. August datierten Schreiben warnte er zusammen mit dem anglikanischen Erzbischof von Sydney, Glenn Davies, und dem Primas der griechisch-orthodoxen Erzdiözese Australiens, Erzbischof Makarios, vor einem Impfstoff, der „für einen Teil der Bevölkerung ernsthafte Gewissensfragen aufwirft“. Im Prinzip unterstütze man zwar die Entwicklung eines Impstoffes gegen COVID-19 – auf das Zellgewebe abgetriebener Föten zurückzugreifen sei jedoch „zutiefst unmoralisch“.  DT/mlu

Global wird weiterhin intensiv an einem Impfstoff gegen COVID-19 geforscht. Religionsvertreter appellieren an Forscher und Regierungen, ethische Standards einzuhalten. Lesen Sie weitere Hintergründe in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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