Fall Asia Bibi: „Diese Übereinkunft hätte es niemals geben dürfen“

Die pakistanische Regierung hat sich mit radikalen Islamisten auf einen Kompromiss im Fall Asia Bibis geeinigt. Ashiq Mashi, der Ehemann der unrechtmäßig inhaftierten pakistanischen Christin kritisiert die Übereinkunft mit deutlichen Worten.

Asia Bibi: Berufungsverfahren gegen freigesprochene Christin
Es sei falsch, ein Urteil herbeizuführen, indem Druck auf die Justiz ausgeübt werde, so Asia Bibis Ehemann Ashiq Mashi. Foto: Muhammad Sajjad (AP)

Ashiq Masih, der Ehemann der unrechtmäßig inhaftierten pakistanischen Christin Asia Bibi, übt deutliche Kritik an dem Beschluss der Regierung, ein Berufungsverfahren im Prozess um seine Ehefrau einzuleiten. Als er von dem „Kompromiss“ erfahren habe, den die Regierung Pakistans nach heftigen Protesten radikaler Muslime mit der Islamisten-Partei Tehreek-e-Labaik geschlossen hat, sei ihm ein Schauer über den Rücken gelaufen.

Regierung hätte sich nie auf solch ein Abkommen einlassen sollen

„Meine Familie, meine Verwandte, sogar meine Freunde haben Angst. Diese Übereinkunft hätte es niemals geben dürfen“, so Masih im Gespräch mit dem deutschen Auslandssender „Deutsche Welle“. Lobende Worte findet Masih für die Richter, die das Todesurteil gegen Bibi vergangene Woche aufgehoben hatten. Diese hätten ihr Urteil gesprochen, nachdem sie alle Aspekte des Falls betrachtet, alle Fakten analysiert und alle Widersprüche studiert hätten. „Deshalb hätte die Regierung sich nie auf solch ein Abkommen einlassen sollen“, so der Ehemann, der selbst um sein Leben fürchten muss. Daher hat er bereits Großbritannien, die USA und Kanada um Asyl gebeten.

Seine Frau, so Masih gegenüber der „Deutschen Welle“, habe bereits viel gelitten. „Sie hat zehn Jahre im Gefängnis verbracht. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs war für uns ein Hoffnungsschimmer; wir waren so froh, dass wir sie bald wieder treffen können.“ Auch die gemeinsamen Töchter hätten sich sehr danach gesehnt, ihre Mutter in Freiheit zu sehen. Die Berufung werde das Leid Asia Bibis jedoch noch einmal verlängern. „Sie wird bis zur Entscheidung im Gefängnis bleiben.“

Ehemann Asia Bibis hofft weiter auf Urteil auf Sachebene

Masih befürchtet nun, dass sich die Kleriker vor dem Obersten Gerichtshof versammeln werden und versuchen das Urteil zu beeinflussen. Es sei jedoch falsch, ein Urteil herbeizuführen, indem Druck auf die Justiz ausgeübt werde. Er selbst habe vor Gericht miterlebt, unter welch enormem Druck die Richter gestanden hätten. Dass islamische Kleriker nun, nachdem das Urteil zu Bibis Gunsten gefällt worden sei, beweisen wollten, dass der Oberste Gerichtshof falsch lag, sei „ein Rückschlag, aber wir hoffen trotz allem, dass auch in der Berufung auf Sachebene entschieden wird“.

Masih appellierte zudem an die Regierung Pakistans, für die Sicherheit seiner Ehefrau zu sorgen. Sie sei in großer Gefahr und er fühle, dass ihr Leben nicht sicher sei. Ihr Ehemann erinnerte daran, dass bereits vor einigen Jahren zwei Christen im pakistanischen Faisalabad niedergeschossen worden seien, nachdem ein Gericht sie freigesprochen hatte. Auch sie seien wegen Blasphemie angeklagt gewesen.

Appell an Regierung Pakistans, für Bibis Sicherheit zu sorgen

Die Pakistani Asia Bibi ist die erste katholische Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Nach der Verurteilung im Jahr 2010 wurde das Todesurteil 2014 bestätigt, im Jahr darauf jedoch vorläufig ausgesetzt.

Im islamisch geprägten Pakistan gilt Blasphemie als Verbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet wird. Die Auslegung des Begriffs fällt in der Praxis jedoch oft sehr weit aus. So gelten bereits abfällige Äußerungen zum Islam oder dem Koran und dem Propheten Mohammed als blasphemisch. Kritiker erheben immer wieder den Vorwurf, die Blasphemiegesetze würden ausgenutzt, um persönlichen Feinden zu schaden.

DT/mlu

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