Augsburg

Meier zu Synodalem Weg: Nicht in Mehrheiten und Minderheiten denken

Der Augsburger Bischof äußert die Sorge, dass Spannungen in der deutschen Kirche zunehmen. Priester in seiner Diözese fordert er auf, einmal im Monat eine Messe für die Einheit der Kirche zu feiern.
Bischof Bertram Meier
Foto: Bernd Müller pba | Bischof Bertram Meier von Augsburg im Gespräch mit der Tagespost: "Ich möchte, dass beim Synodalen Weg nichts überstürzt wird und dass wir versuchen, uns in die Weltkirche einzufügen."

Mit Blick auf die anstehende zweite Synodalversammlung des Synodalen Wegs bemängelt der Augsburger Bischof Bertram Meier, dass bei dem Reformprozess zunehmend in Mehrheiten und Minderheiten gedacht werde. Entscheidungen würden nach demokratischen Prinzipien gefällt werden, äußerte Meier im Rahmen der missionarischen Woche des Bistums Augsburg im Allgäu gegenüber der „Tagespost“. Meier betonte, dass die Kirche in Deutschland aber nicht „der Weltkirchenprimus“ sein müsse, sondern ermutigte, sich stärker in die Weltkirche einzubetten. 

Sorge, dass Spannungen und Streit zunehmen

„Ich fürchte nicht, dass die Einheit in der Kirche in Deutschland auseinanderbricht, aber ich habe Sorge, dass Spannungen und Streit zunehmen, sodass wir mehr in Kategorien von Gewinnern und Verlierern denken, Mehrheiten und Minderheiten und so Entscheidungen wie in einer Demokratie fällen.“ 

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Der Papst wünsche sich aber eine synodale Kirche, die ein geistliche Experiment sei. Das habe mit Anhören, Zuhören und Hinspüren zu tun und brauche vor allem Zeit. „Ich möchte, dass beim Synodalen Weg nichts überstürzt wird und dass wir versuchen, uns in die Weltkirche einzufügen. Wir müssen nicht wie in einem Wettlauf als Erste die Zielgerade überschreiten.“ Die Kirche hierzulande sei durch den Synodalen Weltprozess eingeladen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich von den Prozessen in anderen Ländern inspirieren zu lassen. 

Der Augsburger Hirte rief nun alle Priester in seinem Bistum mit Blick auf die Regierungsbildung und den Synodalen Weg ab Oktober dazu auf, eine Votivmesse im Monat „für die Wohlfahrt unseres Landes und die Einheit der Kirche zu feiern.“ In der Kirche gebe es zwar bereits viele Personen, die anpacken wollten, so Bischof Meier in seiner Predigt anlässlich des Beginns der missionarischen Woche am Montag. Jedoch dürfe es dabei nicht um Selbstverwirklichung gehen. „Dann könnten wir genauso gut im Trachten- oder Musikverein sein. Wir brauchen die Demut!“

Meier plädiert für "Kultur des Lebens"

Gerichtet an die rund 15 Missionare, die in der Pfarreiengemeinschaft Oy-Mittelberg-Wertach die ganze Woche in verschiedenen Ortschaften von Tür zu Tür gehen, um die Menschen zu Veranstaltungen im Rahmen der missionarischen Woche einzuladen und mit ihnen über den Glauben ins Gespräch zu kommen, betonte Maier: „Die Evangelisierung verdichtet sich in der Caritas.“ Es gehe bei dem Missionseinsatz nicht nur darum, die Leute bibelfester zu machen, sondern den Leuten zu dienen, nicht nur das Evangelium zu bringen, sondern auch die Sorgen der Menschen anzuhören. 

Außerdem setzte sich der Augsburger Bischof erneut für eine „Kultur des Lebens“ ein: „Auch das ist Evangelisierung: Für den Menschen einzutreten, von der Zeugung bis zum natürlichen Tod.“

Die missionarische Woche, organisiert von der Abteilung für Evangelisierung des Bistums Augsburg findet zum zehnten Mal statt. Die Aktion wurde parallel zu dem christlichen Orientierungsjahr des Bistums, „Basical“, ins Leben gerufen, um die Jugendlichen in die Mission einzuführen.  DT/ vwe

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