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Umgestaltung von Notre Dame steht weiterhin im Raum

Kritiker werfen der Diözese Paris vor, mit ihren Plänen den liturgischen Raum zu zerstören. Der Delegierte Geistliche für den Wiederaufbau verteidigt die Vorhaben indes.
Notre-Dame: Umgestaltung steht weiterhin im Raum
Foto: Alain Jocard (AFP)

In einem halbstündigen Interview hat Monsignore Eric Aumonier, Delegierter der Erzdiözese Paris für die Wiederaufbauarbeiten von Notre-Dame, am Sonntag die Pläne zur Umgestaltung des Innenraums der Kathedrale erklärt. Am 9. Dezember waren die Renovierungspläne von der Kommission für das Kulturerbe („Commission nationale du patrimoine et de l’architecture“) genehmigt worden, insofern sie das vorhandene Kulturerbe betreffen.

Massive Proteste von Katholiken, Prominenten und Politikern

Die Pläne zur Einrichtung eines Rundgangs für Touristen entlang der Seitenkapellen waren auf teils massiven Protest von Katholiken, Prominenten und konservativen Politikern gestoßen. Kritiker werfen der Diözese Paris vor, mit ihren Plänen den liturgischen Raum zu zerstören und zu verkitschen. Das Gebäude selbst gehört dem Staat; die Kirche ist Nutznießerin und für die Ausgestaltung der Kathedrale für liturgische Zwecke verantwortlich.

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Dem katholischen TV-Sender kto gegenüber erläuterte Aumonier das Bestreben des Bistums, durch die Neugestaltung von Notre-Dame den theologischen und liturgischen Gehalt des Gotteshauses Touristen aus aller Welt zugänglicher machen zu wollen. Leitfrage des Projektes sei die Folgende: „Wie können wir es Menschen aus verschiedenen Sprachen und Kontinenten ermöglichen, die Kathedrale zu verstehen, ohne dabei ihre innere Struktur zu beschädigen? Wie können wir das auf nüchterne und diskrete Weise tun?“ Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass das Gotteshaus in erster Linie dafür da sei, dass Menschen hierherkommen und beten können. Der emeritierte Bischof von Versailles wendet sich damit gegen Kritiken, die den eigentlichen Zweck der Kathedrale durch die Umgestaltung gefährdet sehen. 

Sämtliche Pläne noch im Stadium der Reflexion

Nachdem die Pläne monatelang vom Schweigen der Diözese begleitet worden waren, legt der Emeritus Wert darauf, dass sich sämtliche Pläne noch im Stadium der Reflexion befänden und nichts endgültig entschieden sei. Letzteres solle ganz im Zeichen der Synodalität unter Einbezug des Gottesvolkes geschehen. „Es ist nun wichtig, mit den Gläubigen über die Überlegungen zum Rundgang in Notre Dame und die gesamte Wiedereröffnung von Notre-Dame zu sprechen. Die Sachen dürfen nicht einfach so aus irgendeinem Geheimkabinett kommen.“ Die Diözese sei hier bereits auf einem guten Weg.

Am 16. März kommt der Film "Notre Dame brûle" vom Produzenten Jean-Jacques Annaud in die französischen Kinos. Der Film schildert, zum Teil mit Originalbildern, den Ablauf des Dramas am 15. April 2019. Die Produktionskosten belaufen sich auf 30 Millionen Euro.  DT/fha

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