„Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?“, fragt Monsignore schmunzelnd, als wir auf das „Arlù“ zusteuern, ein alteingesessenes Restaurant mitten im alten Borgo. Die Lichterketten, die noch vor Wochen viele Läden und Lokale schmückten, strahlen hier noch so intensiv, als stünde der Heilige Abend unmittelbar bevor. Wir verdrücken uns ins Innere, bestellen beim Wirt ein „Rusticone“, ein Antipasto, das für zwei Personen aus Salami, Mozzarella und „Bruschetta al pomodoro“ besteht, und nehmen wie immer den weißen Wein des Hauses.
Monsignore ist gut aufgelegt, die freudige Aussicht auf einen neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hat auch im Vatikan die Münder gelöst. Natürlich nur bei denen, die mit manchmal besorgtem Blick auf die ortskirchlichen Angelegenheiten der Teutonen schauen. Und das sind in Rom nicht so viele. Der Herr Prälat hat einen Anruf aus Deutschland erhalten, von einem von denen, die immer alles wissen, und dieser Alleswisser sei sich ganz sicher, dass der Trierer Stephan Ackermann über den größten Rückhalt bei den immerhin wahlentscheidenden Weihbischöfen verfügt.
Päpste unbedingt seligsprechen?
Trier als Erbhof für den Stuhl des Vorsitzenden des deutschen Episkopats? Nach dem ehemaligen Bischof Karl Marx und dem ehemaligen Generalvikar Georg Bätzing nun der amtierende Oberhirte? Monsignore zuckt lächelnd mit den Achseln und wechselt das Thema. Er hatte bei der Verabredung für heute zugesagt, sich in Sachen des Emeritus, genauer gesagt der Erhebung Joseph Ratzingers zur Ehre der Altäre, einmal umzuhören.
Wir überspringen die Pasta, kommen gleich zu kleinen Rinderfilets in Gorgonzola-Creme und Monsignore hält seine übliche Rede gegen den eingerissenen römischen Brauch, vor nicht allzu langer Zeit verstorbene Päpste unbedingt seligzusprechen. Er könne sich einfach nicht vorstellen, Paul VI. um Fürsprache zu bitten, meint er – er würde sich da doch lieber an den heiligen Antonius halten. Von einem Verfahren zur Seligsprechung von Benedikt XVI. gebe es nicht die geringste Spur, weiß Monsignore zu berichten und mokiert sich über das Mediengerücht, der deutsche Papst habe zu Lebzeiten die Heilung eines jungen Amerikaners bewirkt und der Vatikan prüfe den Fall. Man könne einen Verstorbenen um die Fürsprache vor Gott für die Genesung von einer Krankheit bitten, aber nicht rückwirkend einen damals noch Lebenden. Dann sei der eben ein Wunderheiler, aber kein Seliger, der im Jenseits die himmlischen Mächte um Fürsprache bitte.
Immer nur eine „Sua Santità”
Bei Café und Amaro fügt Monsignore an, dass im Vatikan immer noch Briefe kreisen, mit denen der zurückgetretene Benedikt seinen Amtsverzicht und den Wechsel in den Zustand eines „papa emerito“ gerechtfertigt habe. Einen hat mein Gegenüber mitgebracht. „Ich habe mit dem Papa emeritus eine Situation zu schaffen versucht, in der ich für die Medien absolut unzugänglich bin und in der völlig klar ist, daß es nur einen Papst gibt,“ ist darin aus der Feder Ratzingers zu lesen. So klar sei das aber nicht gewesen, meint Monsignore und gibt vor zu wissen, dass es für Papst Franziskus trotz aller Freundlichkeiten ein Alptraum gewesen sei, im Vatikan noch einen Papst sitzen zu haben, der den weißen Talar trägt und sich mit „Sua Santità“ anreden lässt. Hätte sich Papst Benedikt vor dem Verzicht von einigen Kardinälen beraten lassen, hätte das wohl ganz anders ausgesehen.
Soweit zum Thema der Seligsprechung Benedikts. Wir überlassen alle weiteren Spekulationen den einschlägigen Medien und geben dem „Arlù“ auf der aufsteigenden 10-Punkte-Skala nur sieben Punkte – wer zu faul ist, seine Weihnachtsdekoration abzuhängen, dürfte auch beim Zubereiten der Speisen nicht allzu fleißig sein.
Das „Ristorante Arlù a San Pietro“ liegt hinter dem Pressesaal des Vatikans im Borgo Pio, Hausnummer 135.
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