Köln

Die Kirche hat das letzte Wort

„Garabandal. Gott allein weiß es“ zeichnet überzeugend die Ereignisse um die mutmaßlichen Marienerscheinungen nach. Die Filmemacher wollen dem Urteil der Kirche nicht vorgreifen.

Filmtipp: "Garabandal. Gott allein weiß es"
Zwischen 1961 und 1965 soll Conchita (Belén Garde) und drei weiteren Mädchen aus einem kleinen spanischen Dorf die Muttergottes erschienen sein. Der Zuschauer beobachtet die Ereignisse durch den Unteroffizier Juan Álvarez-Seco (Fernando García Linares). Foto: Mater Spei

Die von der vatikanischen Glaubenskongregation herausgegebenen, noch von Paul VI. im Februar 1978 unterzeichneten „Normen über die Vorgehensweise bei der Beurteilung mutmaßlicher Erscheinungen und Offenbarungen“, die mit einem Vorwort von Kardinal Levada im Dezember 2011 versehen wurden, setzen bei mutmaßlichen privaten Offenbarungen drei Urteile fest: Etwa für Lourdes oder Fatima gilt „constat de supernaturalitate“, die Übernatürlichkeit der Erscheinungen wird festgestellt. Das Prädikat „constat de non supernaturalitate“ bedeutet, dass die Übernatürlichkeit einer Erscheinung verneint wird. Bei anderen mutmaßlichen Erscheinungen (so auch im Fall von Medjugorje) verwendet die Kongregation einen dritten Begriff: „non constat de supernaturalitate“, das heißt, dass die Echtheit einer solchen privaten Offenbarung weder bejaht noch verneint wird.

Das Urteil der Kirche steht noch aus

Auch bei den vorgeblichen Marienerscheinungen im nordspanischen San Sebastián de Garabandal hält sich die Kirche offiziell in ihrer Beurteilung zurück. So schrieb 1992 der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Ratzinger an den für Garabandal zuständigen Bischof von Santander, dass er „es nicht für angemessen hält, direkt einzugreifen“.

Unter diesen Prämissen produzierte die spanische Firma „Mater Spei A.I.E.“ 2017 einen laut Schrifttafel „auf wahren Begebenheiten“ beruhenden Spielfilm, „die sich in San Sebastián de Garabandal, Spanien zwischen 1961 und 1965 zutrugen“.

Der Film beginnt mit einer 1966 angesiedelten, kurzen Szene, in der Conchita (Belén Garde) unterschreiben soll, dass die Erscheinungen der Muttergottes in Garabandal eine „Täuschung“ gewesen sei. Dann erzählt der Film von dem bislang unbekannten Regisseur Brian Alexander Jackson die Geschichte in einer ausgedehnten Rückblende, die mit einer langen Kamerafahrt aus der Luft beginnt. Sie zeigt eine unberührte Natur in den Bergen – San Sebastián de Garabandal liegt auf knapp 500 Meter Höhe zwischen drei Naturparks. Das Dorf zählte zuletzt 107 Einwohner.

Erscheinungen der Gottesmutter und des Erzengels Michael

Hier erfahren vier Mädchen – Conchita, Jacinta, Mari Loli und Mari Cruz – eine Erscheinung des Erzengels Michael, die bereits das kleine Dorf in Unruhe versetzt. Die Aufregung wird noch größer, als einige Tage später, am 2. Juli 1961, die vier Mädchen behaupten, die Mutter Gottes als Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel gesehen zu haben. Der Erscheinung sollten im Laufe der nächsten vier Jahre mehr als zweitausend private Offenbarungen folgen.

Der Dorfpfarrer Don Valentín (Rafael Samino) will den vier Mädchen – die in der Wirklichkeit erst zwölf Jahre alt waren, auch wenn die sie darstellenden Schauspielerinnen offensichtlich ein paar Jahre älter sind – zunächst keinen Glauben schenken. Auch Polizeichef Juan Álvarez-Seco (Fernando García Linares), ein Hauptfeldwebel der „Guardia Civil“ – nicht „Brigadier“, wie die Untertitel fälschlicherweise übersetzen –, zeigt sich skeptisch. Der Dramaturgie ähnlicher Filme folgend, spielen Dorfpfarrer und Unteroffizier die eigentlichen Hauptrollen in „Garabandal. Gott allein weiß es“, weil der Zuschauer die Ereignisse aus deren Sicht erlebt. Mehr mit Gesten und Blicken als mit Worten spiegelt Fernando García Linares die sich widersprechenden Gefühle wider, die sich in ihm immer wieder abwechseln, von der Ungläubigkeit über Sprachlosigkeit bis hin zu einer wohlwollenden Bewunderung.

'Nichts von den Erscheinungen widerspricht der Lehre der Kirche'

Nicht nur die schauspielerischen Leistungen stechen in „Garabandal. Gott allein weiß es“ hervor. Auch die naturalistische Inszenierung nimmt sich überdurchschnittlich sorgfältig aus. Sie wird von einer allerdings manchmal zu kräftigen Filmmusik getragen. Zwar wendet sich der Film vorwiegend an gläubige Menschen, die eine solche Botschaft aufzunehmen bereit sind. Dennoch: Der Regisseur nimmt sich in der Beurteilung zurück, versichern zu Beginn die Filmemacher doch, dass sie dem Urteil der Kirche nicht vorgreifen möchten: „Es obliegt der Autorität der Kirche, deren Entschluss wir uns unterordnen, endgültig über selbige zu urteilen.“ Dazu passt der gutgewählte Filmtitel „Garabandal. Gott allein weiß es“. Spektakuläre Enthüllungen und Wunder darf der Zuschauer nicht erwarten. Denn die Botschaft von Garabandal zielt vor allem auf die persönliche Bekehrung. Bezeichnend dabei ist der liebevolle Vorwurf, den Conchita einmal hört, dass sie allzu selten den eucharistischen Herrn besuche.

Besonders bemerkenswert ist am Vorabend des Zweiten Vatikanums die Mahnung, „dass viele Priester und Bischöfe den Weg des Verderbens gehen... und viele Menschen mitreißen“, was insbesondere dem damaligen Bischof sauer aufstößt. Inzwischen bestätigten jedoch offizielle Mitteilungen des Bischofs von Santander, dass „nichts von den Erscheinungen von Garabandal dem Glauben der Kirche widerspricht“.

Garabandal. Gott allein weiß es“,
Regie: Brian Alexander Jackson, 96 Minuten, seit dem 30. Mai kostenfrei auf www.garabandalderfilm.com

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