Berlin

„Der theologische Nullpunkt ist erreicht“

Die christlichen Kirchen verabschieden sich selbstverschuldet in die Bedeutungslosigkeit, findet der Medienwissenschaftler Norbert Bolz.

Abschied in die Bedeutungslosigkeit
Für Klimapolitik-Impulse muss man nicht in die Kirche gehen. Wenn die christlichen Kirchen sich nicht wieder auf die Heilsverkündigung besinnen, entgleiten sie immer mehr in die Bedeutungslosigkeit, meint Norbert Bolz. Leere Kirchen sind eines der Symptome. Foto: Marc Müller (dpa)

Der Weg einer Selbstsäkularisierung des Christentums zum sozialistischen Humanitarismus sei in Deutschland längst schon gebahnt, meint der Medienwissenschaftler und Autor Norbert Bolz. In der kommenden Ausgabe der Tagespost zeichnet Bolz ein kritisches Bild der aktuellen Entwicklung der chistlichen Kirchen in Deutschland. Die dramatischen Kirchenaustrittszahlen seien im Wesentlichen nur das Symptom einer tiefer liegenden theologischen Krise. 

Die Kirchen auf der Welle des Zeitgeistes

Bolz kritisiert, dass die Kirchen ihrem Auftrag, Heil anzubieten, nicht mehr gerecht würden und sich in politisch-gesellschaftlichen Debatten verlören. „Als Zivilreligion hat das Christentum die großen Themen wie Kreuz, Erlösung und Gnade aufgegeben und durch einen diffusen Humanismus kompensiert.“ Damit könnten die christlichen Kirchen den Menschen allerdings nicht mehr bieten, „was diese aus anderen, nämlich grünen und sozialistischen Quellen, nicht sehr viel präziser erfahren könnten.“ Vor allem das klimapolitische Engagement der Kirchen wecke den Verdacht, dass die katholische Kirche hier auf der höchsten Welle des Zeitgeistes, nämlich der Angst vor der „Klimakatastrophe“ reite und sich der neuen „Öko“-Religion anschließe. 

Als Beobachter bekomme man durch solchen Aktivismus leicht den Eindruck, „dass das Christentum in der modernen Welt sich selbst nicht mehr für anschlussfähig hält, jedenfalls nicht in seiner kirchlichen Dogmatik“.

DT/ama

Warum Norbert Bolz sich von den Kirchen mehr "Mut zur Unzeitgemäßeit" und weniger Klimapolitik wünscht, lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.