Powerfrauen

MAMA-Kongress: „Wir Mütter initiieren die gesellschaftliche Kehrtwende“

Gut gebildet, sorgfältig gekleidet, mit Freuden mehrfach Mutter und stolz auf diesen Titel: Die Powerfrauen des ersten katholischen MAMA-Kongresses sprengen erfolgreich alle negativen Klischees rund um das kleine Wort „Mama“.
Organisatorin Christina Walch im Gespräch mit Jutta Hartl
Foto: Screenshot | Organisatorin Christina Walch (links) im Gespräch mit Jutta Hartl, vierfache Mutter und Frau von Johannes Hartl (Gebetshaus Augsburg).Screenshot

Geht's der Mama gut, geht's der Familie gut, geht's der Gesellschaft gut.“ In Müttern das Bewusstsein für die große Würde und Bedeutung ihrer Aufgabe zu stärken, das hatte sich der erste katholische MAMA-Kongress auf die Fahnen geschrieben. Die Veranstaltung fand vom 11. zum 14. November 2021 online statt und wurde nach Angaben der Organisatoren von 2 076 Frauen genutzt – ein deutliches Echo auf das Anliegen des Kongresses. Mütter stärken, sie ermutigen und ihr Potenzial hervorheben, darum ging es Initiatorin Christina Walch. Jeder einzelnen Mutter wolle der Kongress „Danke sagen für alles, was du tust, für deine Familie, deine Kinder, deine Ehe, aber auch für diese Gesellschaft.“

Schirmherr der Veranstaltung war Abt Maximilian Heim OCist von Stift Heiligenkreuz, der den über den Livestream Teilnehmenden zu Beginn den Segen spendete. Bekannte Fachreferenten aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen gaben Impulsvorträge, gefolgt von Erfahrungsberichten einzelner Mütter. Die Abende schlossen mit Austauschgruppen und gemeinsamem Lobpreis.

Als Mutter den eigenen Wert erkennen

Irgendwo zwischen Exerzitien, Bildungsseminar und Bootcamp angesiedelt, lotete der Kongress die Berufung der Frau als Mutter in allen ihren Facetten aus. Erfrischend undogmatisch und vielfältig ist das Bild, das hier von Mutterschaft und Mamasein gezeichnet wurde. Manuela Fletschberger brachte im Impulsvortrag „Mama, du bist unersetzbar!“ Mutterschaft auf eine einfache Formel: die Fähigkeit, sein Leben für andere einzusetzen und bedingungslos zu lieben. Nach dem Vorbild Mariens sei die Frau „auf besondere Weise eine Einbruchsstelle Gottes in die Welt“. Dies sei der große Ruf, den jede Frau im Herzen trage: Gott in die Welt zu bringen. Die konkrete Antwort darauf, so haben die vielen vorgetragenen Zeugnisse gezeigt, sieht für jede Frau und Mutter anders aus. Hier wurde kein starres Lebensmodell propagiert, verurteilt oder in eine bestimmte Richtung gedrängt. Berufstätige Frauen sprachen ebenso wie Mamas, die bei ihren Kindern zuhause „Eventmanagement“ betreiben, wie Gudrun Kugler, Mitglied des Österreichischen Nationalrats, es ausdrückte. Mütter aller Altersstufen mit einer Kinderzahl von 1 bis 12 kamen gleichberechtigt zu Wort.

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Der gesamte Kongress atmete großen Respekt vor jeder einzelnen Mutter und ihren Leistungen. „Wir sitzen alle in einem Boot“, betonte Christina Walch. Die vierfache Mutter schreibt regelmäßig auf ihrem Blog über Liebe, Ehe und Beziehung. Zu den Organisatoren zählen neben Walch auch Manuela Fletschberger und Tatjana Schnegg vom Müttermagazin „Sonne im Haus“, sowie die Ehepaare Miriam und Wolfgang Herold sowie Robert und Michaela Schmalzbauer von der Initiative Christliche Familie. Ein Anstoß zum Kongress gab für sie die fehlende Wertschätzung, die Müttern in der Gesellschaft und oft durch den Blick von außen entgegenschlägt. Manuela Fletschberger ist überzeugt: „Wir als Mütter müssen unseren Wert erkennen.“ Mütter seien es, die die gesellschaftliche Kehrtwende initiieren, wenn sie mit neuem Selbstbewusstsein die Botschaft der Wichtigkeit ihrer Berufung in ihr Umfeld hineintragen.

Mamafreundlich gestalteter Kongress

Bewusst „mamafreundlich“ gestaltet, wurden die meisten Veranstaltungspunkte als Videos zur Verfügung gestellt, die während des Kongresses zeitlich flexibel abgerufen werden konnten. Austauschgruppen und Lobpreismomente fanden im Livestream statt. Die fünf Themenkomplexe Mutterschaft, Leben in der Ehe, Kindererziehung, Mamasein im Alltag und Leben als Tochter Gottes strukturierten die Kongresstage. Gudrun Kugler beleuchtete die Bedeutung der Mutter aus soziologischer und politischer Sicht und fragte danach, was die Politik zur Förderung der Familien tun könne. Zur Schaffung einer familienfreundlichen Gesellschaft müsse die Arbeit von Müttern und Familien mehr Wertschätzung erfahren, etwa durch finanzielle Entlastung. Die Professorin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz wählte einen philosophischen Zugang. Mutter- und auch Vatersein seien keine Rolle, in die man hinein- und auch wieder hinausschlüpfen könne, sondern eine lebenslange Aufgabe. Die elterliche Autorität (von lat. augere, vermehren) bestehe darin, im Kind das Leben-können zu mehren und zu entfalten. Der Wiener Psychiater und Psychotherapeut Raphael Bonelli referierte politisch inkorrekt und wissenschaftlich einwandfrei zu den einander ergänzenden Unterschieden zwischen Mann und Frau und wie diese Unterschiede im Körper, in der Emotionalität und im Denken auf bereichernde Weise gelebt werden können. Maria Elisabeth Schmidt hielt einen Vortrag über die entscheidende Bedeutung der Eltern-Kind-Bindung für die Herzensbildung. Damit sei die Fähigkeit gemeint, Eigenschaften wie Fürsorge, Stabilität und Integrität zu leben. Herzensbildung biete damit die beste Voraussetzung für ein gelingendes Leben und gelingende Beziehungen. Sie ermögliche es dem Kind, wertvolle Eigenschaften wie Zuversicht, Treue, Hilfsbereitschaft, Ausgeglichenheit und Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Die zertifizierte Neufeld-Kursleiterin und Gründerin des „Gipfels der Herzensbildung“ beschrieb anrührend, wie Eltern es erreichen können, dank gelungener Bindung die zarten Herzen ihrer Kinder zu gewinnen und zum Guten zu lenken.

Persönliche Zeugnisse

Zahlreiche Zeugnisse und Hilfestellungen für alle Lebenslagen lockerten die Reihe der Vorträge auf, vom Leben mit einem Kind mit Behinderung, über die Erfahrung einer Fehlgeburt, Geldsorgen in der Familie bis hin zur Bewältigung von geistlichen Durststrecken und gelungener Kommunikation in der Ehe. Belastende Momente im Dasein als Mama wurden nicht ausgeklammert, etwa die Sorge, keine gute Mutter zu sein und im Vergleich mit anderen Müttern nicht so gut abzuschneiden. Magdalena Reuter berichtete, wie sie erst mühsam in ihre Mutterrolle hineinwachsen musste und lange Zeit gegen das Gefühl der Überforderung zu kämpfen hatte. Zu Beginn des ersten Lockdowns traf ein Schicksalsschlag ihre fünfköpfige Familie: Eine Brustkrebsdiagnose stellte das Familienleben für Monate auf den Kopf. Während der Krankheit sei ihre Familie von der Unterstützung und Anteilnahme ihres Umfeldes getragen worden. So habe erst diese Zeit sie gelehrt, um Hilfe zu bitten und Hilfe annehmen zu können. Die heute krebsfreie, dreifache Mutter beschrieb bewegend, wie sie und ihre Familie mit Gottes Hilfe diese Grenzerfahrung durchleben konnte. Sie habe erfahren dürfen, „dass man über seine Schwächen hinaus in den Himmel schaut und sieht, da wo meine Grenzen sind, findet sich Gott“. So habe sie gelernt, vor ihren Grenzen keine Angst mehr zu haben, weil an den Grenzen Gott warte.

Durch besondere Aufgaben, die einem das Leben biete, könne man auch besonders viel weitergeben, betonte Ko-Organisatorin Michaela Schmalzbauer zum Ende des Kongresses. Die breite Auswahl der Referenten zeige, dass jede Mutter aus ihrer je eigenen Situation etwas einzubringen habe. „Was darf ich persönlich besonders leben und daher auch weiterschenken?“ Mit dieser Einladung zum Nachdenken durften die Teilnehmerinnen am Sonntagabend wieder in ihren Alltag starten.

„Wir haben einen Nerv getroffen“

„Die Rückmeldungen sind durchweg positiv“, freut sich Christina Walch im Gespräch mit der „Tagespost“ nach dem Ende des Kongresses. „Wir als Organisatoren sind unglaublich dankbar, dass der Kongress stattfinden konnte und so gut angenommen wurde. Wir haben einen Nerv getroffen, der Bedarf ist groß. Viele Mütter haben uns geschrieben, wie wichtig es für sie war, zu hören, dass sie als Mama einen so wichtigen Job machen.“

An die hundert Vorträge, Zeugnisse und Erfahrungsberichte sind noch für ein Jahr auf der Seite dermamakongress.com gegen einen Unkostenbeitrag zugänglich. Die Plattform bietet damit eine Schatzkiste an Informationen und Erfahrungen, die Interessierten auch weiterhin offensteht.

Die Kongressbeiträge sind weiterhin im Jahresabo zugänglich. Anmeldung auf der Onlineplattform: dermamakongress.com

 

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